10. – 13. Schuljahr

Dirk Belda

Oral History

Eine Gegenüberstellung des Filmes „Napola Elite für den Führer und mündlicher Überlieferungen von ehemaligen Napola-Schülern („Jungmannen)

Ein primäres Erziehungsziel des NS-Regimes bestand darin, Kinder und Jugendliche möglichst ganzheitlich zu erfassen und nach seinen politischen Vorstellungen auszubilden. Als Beispiel für die Umsetzung dieses Anspruches können die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA, im nicht-offiziellen Sprachgebrauch abgekürzt: Napola) im Unterricht behandelt werden.
An diesen Eliteschulen des Dritten Reiches lässt sich anschaulich zeigen, dass pädagogische Fragen und liberale Ideen den Prioritäten der NS-Ideologie untergeordnet wurden. Auch wird deutlich, mit welchen drastischen Maßnahmen die Erziehungsziele an eigens dafür geschaffenen Institutionen umgesetzt wurden und welche alltagsgeschichtlichen Auswirkungen die NS-Herrschaft auf die Erziehung der Napola-Schüler hatte.
Der Unterrichtsvorschlag bezieht den Spielfilm „Napola ein. Der Drehbuchautor Dennis Gansel, der gleichzeitig auch Regisseur des Films war, integrierte in das Drehbuch zahlreiche Zeitzeugenberichte. Der Film basiert auf dem 1998 erschienen Buch „Wir waren Hitlers Eliteschüler: Ehemalige Zöglinge der NS-Ausleseschulen brechen ihr Schweigen (Leeb 1999).
Die Zeitzeugenberichte stellen nicht nur die zentrale Inspirationsquelle für den Spielfilm dar, sondern bieten auch viele alltagsgeschichtliche Einblicke in das Leben der NPEAs. Anhand dieser – meist in Interviewform erhaltenen – Schilderungen können die Erfahrungen und Beurteilungen der ehemaligen „Jungmannen erarbeitet und problematisiert werden, wobei der Spielfilm als Ausgangspunkt und wiederkehrende Reflexionsebene dient.
Sachanalyse
Die ersten NPEAs wurden am 20. April 1933 gegründet und gehen auf die ehemaligen preußischen Kadettenanstalten zurück. Dieser neue Schultyp vertrat den Anspruch, überzeugte Nationalsozialisten zu erziehen und zum Reifezeugnis zu führen. Die Schüler sollten sich später im Staat und in der Partei als politische Soldaten ohne Vorbehalte für die Verwirklichung der nationalsozialistischen Ideen einsetzen und zur dauerhaften Sicherung der nationalsozialistischen Macht beitragen (Ueberhorst 1969, S. 37). Die NPEAs waren – verglichen mit den seit 1937 gegründeten Adolf-Hitler-Schulen (AHS), den NS-Ordensburgen (seit 1934) und den SS-Junkerschulen (ebenfalls seit 1937) mit 39 Standorten (Wehler 2003, S. 776) der am frühesten gegründete und am weitesten verbreitete Internatstyp, den während der NS-Herrschaft ca. 17000 „Jungmannen besuchten.
Zur Zulassung waren Schüler aus allen sozialen Schichten berechtigt. Die Anwärter wurden von Beginn an stark nach erbbiologischen Gesichtspunkten beurteilt. Hierfür besaß die SS seit 1941 die alleinige Zuständigkeit. Bei den Auswahlkriterien spielten die sportlichen Leistungen und die charakterlichen Eigenschaften eine herausragende Rolle.
Das Selbstverständnis der Napola-Schüler war von einem besonderen Ehrgefühl gekennzeichnet, das auf dem Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer privilegierten Einrichtung basierte. Dieses Gefühl beruhte auf dem Status der „Auserlesenen durch die Regulierung des Zugangs und das jugendlich-soldatische Auftreten in der olivfarbigen Uniformierung. Darüber hinaus zeichneten sich die NPEAs durch besonders vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten aus, zum Beispiel Motorradfahren, Musizieren, Fechten, Skifahren oder Segelfliegen. Zudem befanden sich die Anstalten in ausgesprochen repräsentativen und abgelegenen Bauten, da gezielt ehemalige Schlösser oder Herrensitze in NPEAs umgewandelt wurden. Die interne Gliederung erfolgte in Anlehnung an die Kompanien der Kadettenanstalten nach Dienstgraden und richtete sich streng nach dem Führerprinzip. Die nach einer differenzierten Hierarchie angeordneten Ämter (z.B. Gruppen-, Zug- und Hundertschaftsführer), von denen eine Vielzahl mit „Jungmannen besetzt wurden, verfügten...

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