5. – 13. Schuljahr

10 Stunden, die funktionieren

„Sternstunden auf einen Blick für den modernen Geschichtsunterricht

Jeder Unterrichtende verfügt über einen Fundus an sogenannte „Sternstunden“ – gemeint sind Stunden, die „unabhängig von einer bestimmten Klasse fast immer funktionieren (S. 7).
Mit dieser Ausgangsüberlegung im Kopf hat Markus Bernhardt, Professor für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen, den Band „10 Stunden, die funktionieren herausgegeben. Herausgekommen ist ein Buch, das die didaktischen Ansprüche an einen modernen, kompetenzorientierten Geschichtsunterricht an Praxisbeispielen konkretisiert und greifbar macht.
Sternstunden
Die „Sternstunden zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie die Lernenden zu fesseln vermögen, etwa durch interessante und spannende Inhalte, variantenreiche Methoden, besondere Arbeitsformen, aussagekräftige, anregende oder auch berührende Quellen.
In dem Band sind zehn solcher Stunden zu allen Epochen für den Unterricht in beiden Sekundarstufen gesammelt worden. Herausgeber Markus Bernhardt formuliert eingangs, dass dies Geschichtsstunden sind, aus denen alle Beteiligten „herausgehen und das Gefühl haben, ‚richtig etwas gelernt und dabei auch noch ‚Spaß gehabt zu haben. (S. 7)
Diesem selbst formulierten Anspruch dürfte auch jede der zehn Stunden genügen. Aber das ist bei weitem nicht alles, was das Buch zu leisten vermag. Die Autorinnen und Autoren zeigen, wie es gelingen kann, Geschichtsunterricht einen Sinn zu geben und diesen transparent zu machen.
Gegenwartsbezug
In jedem der Beispiele wird konsequent der Frage nachgegangen: „Warum sollen sich Schülerinnen und Schüler gerade mit diesem Thema beschäftigen? Dadurch gelingt es überzeugend, einen Gegenwartsbezug herzustellen und Orientierungskompetenz zu fördern. Jedes Kapitel beginnt zudem mit der Frage „Worum geht es? und fasst darunter den didaktischen Kern der Unterrichtsstunde zusammen.
So erläutert etwa Autor Martin Schnackenberg beim Thema „Der ‚Schwarze Tod in Europa Menschen in der Krise, dass es in dieser Stunde um die Bewältigung, den Umgang und die massenpsychologischen Hintergründe von Angst gehe. Hier könne die Vergangenheit Aspekte erhellen, die in der Gegenwart oft nicht thematisiert würden (Martin Schnackenberg, S. 9ff.).
Ein weiteres gelungenes Beispiel behandelt die Frage, ob der Wehrmachts-Offizier und Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Held sei (Markus Bernhardt, S. 67ff.). Dazu werden ohne eine angemessene Würdigung des Widerstandes gegen Hitler außer Acht zu lassen im Sinne von Multiperspektivität und Kontroversität auch Stauffenbergs Schattenseiten wie etwa seine anfängliche Übereinstimmung mit den Zielen des Nationalsozialismus oder seine antisemitische Einstellung beleuchtet. So können Lernende am Ende quellengestützt argumentierend zu einem eigenen Werturteil gelangen.
Gründliche didaktische Analyse
Jedes Unterrichtsthema ist also so formuliert, dass die Zielperspektive klar wird, wodurch ein hohes Maß an Transparenz im Unterricht geschaffen werden kann. Eine prägnante Sachanalyse ist ebenfalls allen Beispielen vorangestellt. Darauf folgt stets eine gründliche, für den Leser gut überschaubare didaktische Analyse unter zwei Aspekten:
  • Welche Möglichkeiten des historischen Lernens gibt es am konkreten Gegenstand?
  • Welche Kompetenzen können erworben werden?
Auch hierzu zwei Beispiele: Beim Thema „Clash of Cultures im 16. Jh. Landwirtschaft im Inkareich und in Europa im Vergleich (Markus Bernhardt, S. 29ff.) sollen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Vorurteile bzw. abwertende Urteile gegenüber fremden Kulturen überprüfen, indem ein Alltagsbereich analysiert wird. Das Ziel der Stunde besteht darin, deutlich zu machen, dass andere Kulturen zwar anders, aber nicht besser oder schlechter als die europäische Kultur waren.
In der Stundenplanung „Gerichtsakten als Quelle: Großadmiral Dönitz Das Urteil steht...

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