10. – 13. Schuljahr

Martin Schlutow

Schlüsselbilder als Wiederholungsanlass

Ein reorganisierender Rückblick anhand von Titelbildern des „Spiegel

„Nie zuvor in der Geschichte sind Menschen mit so vielen Bildern konfrontiert worden, wie in den letzten Jahrzehnten (Paul 2009, S. 14).
Diese Überlegung des Flensburger Historikers und Geschichtsdidaktikers Gerhard Paul bedeutet unter anderem, dass wir Bilder nicht nur als Abbilder vergangener Wirklichkeit, sondern auch als Akteure und Gestalter des kulturellen Gedächtnisses betrachten sollten. An diesen zentralen Gedanken der Visual History knüpft der folgende Unterrichtsvorschlag an, indem er „Schlüsselbilder des 20. Jahrhunderts zum Anlass für eine Wiederholung von Unterrichtsinhalten am Ende der Sekundarstufe II nimmt. Bilder im Allgemeinen sind das kann mittlerweile als hinlänglich belegt gelten besonders lernwirksam, da sie oft länger im Gedächtnis bleiben als sprachliche Bezeichnungen (vgl. Hamann 2007, S. 36).
Umso mehr gilt dies für Schlüsselbilder also jene „Fotografien, die aufgrund der Häufigkeit, der Dauer und der Streuung ihrer Publizierung einen kontinuierlich hohen Bekanntheitsgrad haben (ebd., S. 41). Meist stehen sie symbolisch verdichtet für bestimmte Deutungen historischer Ereignisse, so dass ihr kontinuierliches Erscheinen in den Medien zur Etablierung von Deutungsmustern beiträgt. Zugleich unterliegen sie aber auch den Gesetzen der Medienökonomie (vgl. Paul 2013, S. 19).
Schlüsselbilder aufSpiegel-Titeln interpretieren
Besonders anschaulich lässt sich dieses Phänomen anhand von Titelbildern des populären Nachrichtenmagazins „Spiegel untersuchen. So eröffnete das Magazin am 02.11.1998 beispielsweise unter dem Titel „Das 20. Jahrhundert einen umfassenden Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre Weltgeschichte; im Jahr 2009 folgte mit etwas bescheidenerem Anspruch eine Serie über „Sechzig deutsche Jahre. Die Biografie einer Republik.
Eine Interpretation beider Titelbilder im Rahmen einer kleinen Unterrichtseinheit (3 – 4 Stunden) ermöglicht Lernenden am Ende ihrer Schullaufbahn im Fach Geschichte zweierlei:
  • Einerseits erhalten sie Einblicke in die Wirkmacht und Verbreitung von Schlüsselbildern, bei deren Verwendung die Printmedien vor allem auf Verschlagwortung, Personalisierung und Skandalisierung setzen.
  • Zu erreichen sind diese Einblicke andererseits vor allem dann, wenn die Spiegel-Titelbilder zunächst als Anlass für eine Wiederholung wesentlicher Unterrichtsinhalte der Sekundarstufe II genommen werden.
Dadurch vergegenwärtigen sich die Schülerinnen und Schüler ihren zurückliegenden Lernprozess im Geschichtsunterricht, nutzen diese Wiederholung aber zugleich für die vorzunehmende Bildinterpretation und für eine vertiefende Problematisierung der Verwendung von Schlüsselbildern in der Geschichtskultur. Motivational ist dies vor allem deshalb günstig, weil die Lernenden so nicht explizit zum Wiederholen aufgefordert werden müssen, sondern diesen Arbeitsschritt in Form eines Enträtselns und Identifizierens der Spiegel-Schlüsselbilder leisten.
Verlauf der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtseinheit lässt sich in vier Schritte unterteilen:
Erster Schritt
Im ersten Schritt bietet es sich als Stundeneinstieg an, das Titelbild von 1998 zum „20. Jahrhundert (Material 1) großformatig als Folie, über eine Powerpoint-Präsentation o.ä. im Plenum zu präsentieren und erste Eindrücke zur Darstellung dieses Zeitabschnitts durch den Spiegel im Unterrichtsgespräch zu sammeln. Zudem gilt es, die auf dem Titelbild präsentierten Personen und Ereignisse zu identifizieren und den dort abgedruckten Schlagworten zuzuordnen.
Dies kann je nach Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler entweder ohne jede Hilfestellung oder mit Angabe der Namen der Personen und Kurzbezeichnungen der Ereignisse in einer separaten Liste erfolgen (Material 2).
Ratsam ist aber in jedem Fall, diesen Arbeitsschritt in Partnerarbeit durchzuführen, um die Aufgabe nicht als...

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