9. – 13. Schuljahr

Martin Ebert

Die Geschichtswurzel

Eine Grundlage individuellen Wiederholens

Viele Geschichtslehrkräfte haben das Gefühl, dass die Zeit für ausgiebiges Wiederholen fehlt. Dabei helfen Wiederholungen den Lernenden, die behandelten Themen in Erinnerung zu rufen und geben den Lehrenden die Möglichkeit zur Evaluierung des Lernfortschritts. Vor allem Wiederholungen mit individualisierendem Charakter sind daher für den Unterricht sehr wertvoll.
Dieser Beitrag stellt im Folgenden eine Methode vor, die es ermöglicht, ohne größeren Planungs- und Materialaufwand innerhalb kurzer Zeit eine schülerorientierte, individualisierende Form der Wiederholung anzubieten. So können umfangreiche historische Inhalte effektiv und verdichtet wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Da die Methode universell einsetzbar ist, geht der Beitrag erst am Ende auf konkrete historische Beispiele ein und gibt zuvor allgemeinere Einblicke.
Die „Geschichtswurzel-Methode
Bei der Methode „Geschichtswurzel handelt es sich formal um ein Baumdiagramm. Ziel ist es, zu einer umfangreicheren thematischen Einheit oder einem Semesterthema ein Wurzelgeflecht anzulegen.
Dabei werden Themen und die zugehörigen Aspekte und Begriffe vom Allgemeinen zum Speziellen angeordnet. Resultat ist eine grafische Veranschaulichung historischen Denkens wie in Abbildung 1. Das Wurzelgeflecht visualisiert die erworbenen historischen Kenntnisse, ruft zentrale Themen ins Gedächtnis, verdeutlicht Zusammenhänge, wirft eventuelle Fragen auf, regt zur Überprüfung des eigenen Lernstandes an und bietet damit auch eine Planungshilfe für weiterführende Wiederholungsphasen (vgl. Borries 2012, S. 9f.).
Anders als bei einer Mindmap, verdeutlicht die Geschichtswurzel, welche Themen und Begriffe auf einer Ebene stehen. Sie zerfranst nicht in alle Richtungen, sondern wächst von oben nach unten und breitet sich in eine Richtung aus. Sie gräbt ihre Wurzeln vom Allgemeinen zum Speziellen in ein historisches Thema hinein.
Wo macht der Einsatz der Wurzel Sinn?
Eine Geschichtswurzel macht überall dort Sinn, wo umfangreichere thematische Einheiten zu einem Abschluss gebracht, länger zurückliegende Themen reaktiviert oder Zusammenhänge besonders hervorgehoben werden sollen.
Die darzustellenden Themen sollten geeignet sein, in unterschiedliche Aspekte zerlegt zu werden. Sie sollten also eher strukturgeschichtlicher als ereignisgeschichtlicher Natur sein. Rein chronologisch orientierte Themen eignen sich weniger. Themen wie „Krise(n) der Römischen Republik (Abbildung 1) oder „Herrschaft im Mittelalter sind besser geeignet als „Der Verlauf des Zweiten Weltkriegs.
Die Methode ist unabhängig von curricularen Vorgaben einsetzbar und bietet sowohl Lehrkräften als auch Lernenden ein einfaches, effektives und ohne viel Vorbereitungsaufwand anwendbares Arbeitsmittel.
Einsatz der Methode im Unterricht
Die Geschichtswurzel hat ihren Platz am Anfang einer umfangreicheren Wiederholungsphase, um weiteren Übungsbedarf aufzuzeigen. Sie kann aber auch an deren Ende stehen, um ein Thema zu bündeln und zum Beispiel auf eine Klausur vorzubereiten. Die Assoziation mit einer Wurzel hilft erfahrungsgemäß, diese Darstellungsform zu verinnerlichen, um sie später auch eigenständig anzuwenden.
Ein möglicher Arbeitsauftrag
Der Arbeitsauftrag für die Erstellung einer Geschichtswurzel könnte wie in Material 1 lauten. Die Lernenden sind aufgefordert, sich einen Überblick über das Semesterthema „Krisen des Spätmittelalters zu verschaffen. Die zentralen inhaltlichen Aspekte sind bereits vorgegeben, um den Einstieg in die Erarbeitung zu erleichtern. Die Schülerinnen und Schüler müssen zur Lösung dieser Aufgabenstellung die behandelten Themen rekapitulieren, diese dann in eine hierarchische und inhaltliche Ordnung bringen und zuletzt visualisieren. Zugleich soll diese Form der Wiederholung die Grundlage eines differenzierten und begründeten Sachurteils sein.
Einsichten für die Lehrkraft
Durch die...

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