5. – 13. Schuljahr

Frederik Plöger

Die Fünf-Finger-Methode

Metakognition in den Unterrichtsalltag integrieren

I. Problemskizze: Sag mal eben schnell, was haben wir gemacht?
Im LK Geschichte: Nach wenigen Sekunden wird ein Schüler „drangenommen:
„Ja, es ging um Russland, so 1917. Dann haben Sie ein Plakat mit einer Bäuerin aufgelegt, da werben die Bolschewiki für Alphabetisierung, die versprechen eine bessere Zukunft für die Russen. Dann haben Sie uns Texte gegeben, die wir gelesen haben. Da hat einer von den Verbrechen von Stalin berichtet. Dann haben wir einen Text als Hausaufgaben bekommen.
Die Lehrkraft wünscht sich nun aber etwas anderes als diesen Beitrag. Es folgt die Nachsteuerung, diese kostet Zeit, und die folgenden lehrerseitig gegebenen Korrekturinformationen dürften schülerseitig den Eindruck hinterlassen, man habe es eben nicht verstanden.
Ein erster Blick in den Schülerbeitrag
Im aufgeführten Beispiel dominiert die Narration, das Episodische, der Versuch der stundenchronologischen Nacherzählung in additiven Reihungen: Das „Dann zeigt dies sprachlich an.
Als handelndes Subjekt wird die Lehrkraft benannt. Die Aussage enthält zahlreiche semantische Leerstellen, die notwendigerweise gefüllt sein müssten, wenn die Aussage Sinn herstellen, für Klarheit sorgen wollte. Dafür müssten folgende Zusammenhänge geklärt sein:
  • „Ja, es ging um Russland, so 1917.Leerstelle: Um was ging es genau? Welche Frage? Welches Problem? Fokus?
  • „Dann haben Sie ein Plakat mit einer Bäuerin aufgelegt, da werben die Bolschewiki für Alphabetisierung, die versprechen eine bessere Zukunft für die Russen.Leerstelle: Was war da zu sehen? Wie wurde analysiert, um auf dieses Ergebnis zu kommen?
  • „Dann haben Sie uns Texte gegeben, die wir gelesen haben. Da hat einer von den Verbrechen von Stalin berichtet. Dann haben wir einen Text als Hausaufgaben bekommen.Leerstelle: Womit wurde aus welchen Gründen gearbeitet? Welche Texte sind gemeint? Welche Ergebnisse hatte die Auseinandersetzung mit den Texten? Warum ging es mit welchem Text als Hausaufgabe weiter?
Es zeigt sich im Einstiegsimpuls der Lehrkraft auch, dass das „Wir ein falsches Wir war, oder als solches wahrgenommen wird. Denn was im Lehrerkopf war und nun erwartet wird, war nie oder ist nicht mehr im Schülerkopf. Lehrerbewusstsein und nicht das gemeinsame und damit Transparenz gewährleistende gemeinsame Bewusstsein dominiert. Neben dem Problem, dass der Impuls zu einem wenig sinnstiftenden und Transparenz herstellenden Ertrag führt, deuten sich eine ganze Reihe weiterer Probleme und Fragen an:
  • Es wird schnellstens „drangenommen und so fühlt es sich auch an! Dieser „Überfall ist geeignet, um Schülerinnen und Schülern Schweißperlen auf die Stirn zu treiben und Nervosität hervorzurufen. Lehrermacht zeigt sich hier klar.
  • Dieses Beispiel könnte exemplarisch für eine der häufigsten Einstiegssituationen in deutschen Klassenräumen stehen. Dies erhob Hilbert Meyer zwar nicht, er zählte aber (mehrfach) die durchschnittliche Dauer, bis Lehrer/innen nach komplexen Impulsen drannehmen und er landete zuletzt bei: zwei bis drei Sekunden (vgl. z.B. Meyer 2010). In der Regel wird erleichtert der oder die Schnellste drangenommen so auch im eingangs geschilderten Beispiel. Der Rest der Klasse freut sich über den Einsatz zumeist derselben Mitschüler/innen und fühlt sich von der Verantwortung befreit.
  • Wie viele Lernende sind also tatsächlich an der Reorganisation der letzten Stunde beteiligt? Wie viele steigen wenige Sekunden nach diesem Impuls tatsächlich in den fachlichen Zusammenhang ein?
  • Welches Können, welche fachlichen Fertigkeiten werden hier (nicht) gezeigt? Welche Übungs- und Anwendungsmöglichkeiten werden hier (nicht) eröffnet?
II. Lösungsskizze: Fünf-Finger-Methode
Im LK Geschichte: Die Lehrkraft hält die Hand hoch und zeigt fünf Finger. Die Schülerinnen und Schüler tauschen sich im Think Pair aus und adressieren nach drei Minuten aneinander:
Schüler 1: „W...

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