10. – 13. Schuljahr

Thomas Mayer

„Wer die Jugend hat, hat die Zukunft

Erziehung zum Rassenhass im Bilderbuch?

„Wer die Jugend hat, hat die Zukunft (Der Stürmer 42/1935), lautet die Überschrift eines Artikels aus Der Stürmer, der von dem radikalen Antisemiten Julius Streicher herausgegeben wurde. Hier werden Ziel und Anspruch der nationalsozialistischen Erziehung deutlich, deren Totalität Hitler 1938 in einer Rede vor Angehörigen der Hitlerjugend in Reichsberg so formuliert: „Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln. HJ, BDM und nicht zuletzt die Schule leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung des von Hitler formulierten Anspruchs. Mit der Gründung der Reichskulturkammer am 2. September 1933 sollte die Kultur gleichgeschaltet werden. Künstler, Schriftsteller usw. mussten Mitglied der Kammer sein, um ihrer Tätigkeit nachgehen zu können. Auf diesem Wege wurde auch die Kinder- und Jugendliteratur unter staatliche Aufsicht gestellt und im Wesentlichen durch die HJ und den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) begutachtet.
Erziehung der Kinder zum Rassenhass
Um bereits die Jüngsten gezielt im Sinne des Nationalsozialismus zu beeinflussen und eine systemgemäße völkische und rassische Einstellung zu gewährleisten, war das Bilderbuch ein adäquates Mittel. Im November 1936 erschien Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid von Elvira Bauer. Der Stürmer warb aktiv für das „einzigartige Bilderbuch (Der Stürmer 48/1936).
Die 21 ‚Szenen bestehen jeweils aus einem Bild mit einem Text und bieten „eine Zusammenschau all jener antisemitischer Motive und Stereotype, die aus dem Stürmer bereits hinlänglich bekannt waren (Roos 2014, S. 448). Die Bilder zeigen die ‚typisch jüdische Nase, Plattfüße, Skelettverformungen und Fettleibigkeit. Die Texte brandmarken die Juden als faule, ausbeuterische, gierige und schädliche Menschen, die nicht einmal davor zurückschrecken, in ihrer sexuellen Lust Kinder zu missbrauchen. Die abscheulichen Stereotype werden in für Kinder leicht nachvollziehbaren Alltagssituationen präsentiert und sind durch die einfache Sprache und die vielfache Wiederholung leicht zu memorieren. Die pädagogische Absicht ist klar: Seid auf der Hut vor ‚den Juden und ihrer Bosheit! Im Buch ist zu lesen, ihr Vater sei der Teufel. Als Gegenbild ‚des Juden erscheint der ‚Arier. Er ist schön, arbeitet und kann kämpfen.
Obwohl das Buch von der offiziellen Kritik in Deutschland ignoriert wurde (vgl. Josting 2008. S. 291), fand es doch eine enorme Verbreitung. In sieben Auflagen erschienen mehr als 100.000 Exemplare. Bei den Nürnberger Prozessen wurde es als Beweismittel gegen Streicher angeführt.
SachInformation
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Hinweis für die Lehrkraft:
Die Erziehung zum Rassen- und Judenhass wurde während der Zeit des Nationalsozialismus schon im Kindergarten praktiziert. Eine Vielzahl von Bilderbüchern zeigten die verschiedenen Völker in grotesk verzerrter Weise und mit schlechten Charaktereigenschaften (vgl. Konrad 2012, S. 169). Diese Bilderbücher konnten mit den Jüngsten gemeinsam angeschaut werden, während aus ihnen vorgelesen wurde. Grundschulkinder konnten erste eigene Leseerfahrungen mit ihnen machen. Die Autorin von Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid ist Elvira Bauer. Der Stürmer stellte sie als 18-jähriges Mädchen aus dem Volk und begeisterte Stürmerleserin vor, das Julius Streicher ihr Buch vorgestellt habe. In Wahrheit war die Autorin zu diesem Zeitpunkt bereits 21 Jahre alt. Das Buch verfasste sie auf Anraten des Malers und Autors Rudolf Rosermöller, der es verschiedenen Verlagen anbot, die es jedoch nicht veröffentlichen wollten. Im Falle des Mainzer Verlages Josef Scholz erfolgte die Absage, weil bereits viel über die ‚Judenfrage publiziert worden sei (vgl. Roos 2014. S. 447). Bauer ließ das Manuskript daraufhin Julius Streicher zukommen, der es veröffentlichte.
Methode Gallery-Walk:
Jede...

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