7. – 13. Schuljahr

Caterina Zwilling

Anders denken

Die Onlineplattform für Antisemitismuskritik und Bildungsarbeit www.anders-denken.info

Antisemitismus in Schulen stand im Jahr 2018 wiederholt im Fokus der medialen Aufmerksamkeit: Die Berichterstattung über mehrere Fälle von massivem Mobbing gegen jüdische Schülerinnen und Schüler war Anlass dafür, dass auch die Verbreitung eines weniger spektakulären, alltäglichen Antisemitismus an Schulen verstärkt ins öffentliche Bewusstsein trat. Zwar ist Antisemitismus keineswegs ein spezifisches Jugendphänomen, dennoch steht die Schule als eines der zentralen Handlungsfelder bei seiner Bekämpfung zu Recht im Mittelpunkt des Interesses. Lehrkräfte sehen sich allerdings bei der pädagogischen Bearbeitung dieses gesellschaftlich tief verankerten Ressentiments, das zudem mit emotional hoch aufgeladenen Thematiken wie dem Nahostkonflikt und dem Nationalsozialismus verknüpft ist, mit einer Fülle von Herausforderungen konfrontiert.
Die Onlineplattform Anders Denken der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e. V.) will Lehrkräfte bei der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit unterstützen. Zum Kernangebot der Plattform gehört die Bereitstellung von Unterrichtskonzepten und Materialien, die für Schülerinnen und Schüler der Sek.I bzw. II geeignet sind. Die Methoden wurden mit Lerngruppen verschiedener Altersstufen und Schulformen erprobt, auf Basis der Praxiserfahrungen überarbeitet und für die Veröffent-lichung mit ausführlichen Anleitungen und Hintergrundinformationen versehen. Der inhaltliche Schwerpunkt der didaktischen Konzepte, die inklusive aller benötigten Materialien in der Rubrik Agieren zum Download verfügbar sind, liegt auf der Auseinandersetzung mit aktuellen Formen des Antisemitismus. Dazu gehört das Phänomen des sekundären Antisemitismus, das im Zusammenhang mit einer Abwehr der Erinnerung an die nationalsozialistische Judenvernichtung auftritt, ebenso wie der israelbezogene Antisemitismus. Von ungebrochener Aktualität ist darüber hinaus der Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsdenken. Neben didaktischen Konzepten zu den drei genannten Themenkomplexen finden sich im Downloadbereich auch Unterrichtsvorschläge zu Funktionsmechanismen von Vorurteilen und zur Geschichte des Nationalsozialismus. Die einzelnen Module umfassen einen Zeitrahmen von ein bis vier Schulstunden und lassen sich zu Unterrichtsreihen kombinieren. Wie die gesamte Plattform wird auch der Downloadbereich beständig ausgebaut.
Über die konkreten Unterrichtsvorschläge hinaus bietet die Plattform in der Rubrik Informieren Hintergrundwissen zum Thema: Kurzartikel beleuchten in gemeinverständlicher Form grundlegende Ergebnisse der theoretischen und empirischen Forschungsarbeit. Aus praktischer Perspektive werden zudem erfolgversprechende Ansätze sowie Fallstricke in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit in den Blick genommen. Beiträge zu aktuellen Debatten sowie Empfehlungen für Bildungsmaterialien, Bücher und Filme finden sich in der Rubrik Orientieren. Hier werden als Best-Practice-Beispiele auch didaktische Handreichungen und Methodensammlungen verschiedener Bildungsträger vorgestellt. Informationen über mögliche Bildungspartner vor Ort sowie ein Veranstaltungskalender runden das Angebot ab.
Die Onlineplattform wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung sowie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gefördert und inhaltlich durch einen Fachbeirat aus Wissenschaft und Bildungspraxis begleitet. Sie bietet insgesamt ein sowohl fachlich als auch didaktisch fundiertes, umfassendes Angebot für alle schulischen wie außerschulischen Lehrkräfte, die das komplexe Thema Antisemitismus angehen wollen.

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