5. – 10. Schuljahr

Tülay Altun/Katrin Günther

Die Debatte um die Hinrichtung Ludwigs XVI. im Nationalkonvent

Gründe erkennen und formulieren: Eine sprachliche und fachliche Herausforderung im Geschichtsunterricht

Begründen ist eine zentrale sprachlich-kognitive Operation, die fachlich und sprachlich angeleitet werden muss. Ohne das Wissen um die Elemente des Begründens können Lernende weder Begründungen in Texten erkennen, noch eigenständig Begründungen selbst produzieren. Benötigt wird das Begründen im Geschichtsunterricht für die Absicherung von Sach- und Werturteilen. Dafür brauchen Lernende historisches Wissen, fachspezifische und methodische Kompetenzen, aber auch fachsprachliche Kompetenzen.
Dabei stellt das Begründen für die Auseinandersetzung mit Gegenständen aus der Geschichte ein Werkzeug dar. Der Umgang mit diesem Werkzeug muss im Unterricht vorbereitet werden, damit die Lernenden Begründestrukturen in Texten erkennen und eigene Begründungen produzieren können.
Begründen im Geschichtsunterricht
Schülerinnen und Schüler werden in zweifacher Hinsicht mit dem Begründen im Geschichtsunterricht konfrontiert. Beim Lesen von Texten finden sich einerseits häufig Begründestrukturen, die rezipiert werden müssen. Zu Texten, die Begründungen beinhalten, gehören zum Beispiel historische Reden, Zeitungsartikel, Kommentare, Tagebucheinträge, Essays etc. Ohne das Wissen um fachsprachliche Begründestrukturen können Lernende die Intention solcher Texte missverstehen.
Andererseits müssen Lernende häufig auf Grundlage von Texten selbst historische Beurteilungen vornehmen, die durch Begründungen abgesichert werden sollten. Für die Produktion solcher Begründungen müssen sie über die dafür notwendigen fachsprachlichen Strukturen verfügen, um so zu einer Sinnbildung beziehungsweise zu einer plausiblen Argumentation zu gelangen.
Sowohl beim Rezipieren als auch beim Produzieren von Begründestrukturen zeigt sich, dass Geschichte eine Konstruktion ist, die argumentativ abgesichert werden muss. Um den Lernenden das Begründen als historisches Werkzeug zu vermitteln, muss der Zweck des Begründens für die Konstruktion von Geschichte transparent gemacht werden: Das Begründen geht auf Einwände ein oder nimmt mögliche Einwände des Lesers oder Hörers vorweg. Bei der Bildung eines historischen Sach- oder Werturteils muss der Schreibende oder Sprechende immer damit rechnen, dass sein Urteil in Frage gestellt werden kann. Ein Leser oder Hörer kann also mögliche Einwände gegen das Urteil formulieren. Auf diese möglichen Einwände kann der Sprechende in einer direkten Kommunikationssituation reagieren, der Schreibende hingegen muss sie im Hinblick auf seine mögliche Leserschaft vorwegnehmen und in seinem Text berücksichtigen. Dies stellt eine hohe Anforderung für die Lernenden dar, da sie im Vorhinein mögliche strittige Positionen erkennen und diese durch historische Begründungen absichern müssen. Dieses Prinzip gilt sowohl beim Rezipieren als auch beim Produzieren von Texten.
Den Operator transparent machen
Um Begründungen im Geschichtsunterricht fachgerecht produzieren zu können, ist die Auseinandersetzung mit dem Operator „Begründen notwendig. Er kann im Geschichtsunterricht als eigenständiger Operator auftauchen oder als Teiloperation anderer Operatoren. Als eigenständige Operation erscheint er in Lehrwerken entweder als „Begründe …“ oder in den Kombinationen „Begründe, warum …“ oder „Begründe, ob …“ beziehungsweise in anderen Varianten (Altun/Günther 2018).
Als Teiloperation kann das Begründen dann auftreten, wenn ein Sach- oder ein Werturteil eingefordert wird, da solche Urteile über Begründe-Strukturen abgesichert werden müssen. Bei Aufgaben, die durch das handlungsinitiierende Verb „begründen formuliert werden, wird die Operation auf der sprachlichen Oberfläche explizit genannt. Damit können Lernende bereits in der Aufgabenformulierung die geforderte Handlung erkennen. Bei Aufgaben, die das Begründen als Teilhandlung...

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