5. – 13. Schuljahr

Mehmet Akyazi/Mareike-Cathrine Wickner

Schüler rappen Geschichte

Historische Konflikte als Rap-Battle im Geschichtsunterricht

Rap-Battles sind rhythmisch vorgetragene Sprechgefechte, die von zwei Akteuren gegeneinander ausgetragen werden. Wenn es sich bei den zwei Kontrahenten um historische Figuren handelt, haben wir es mit einem Phänomen der Geschichtskultur zu tun, das die Schülerinnen und Schüler über das Internet vor allem über die Videoplattform YouTube erreicht. Solche „historischen Rap-Battles sind dort beliebt und erfreuen sich hoher Klickzahlen.
Die Gattung Rap-Battle...
Gerade deshalb lohnt es sich, sie mit Lernenden zu thematisieren und die Gattung zu problematisieren. Andererseits können sie als Form des produktiv-kreativen Umgangs mit Geschichte nutzbar gemacht werden, indem Lernende selbst Rap-Texte entwickeln, die historische Konflikte aus der Perspektive ihrer Akteure sprachlich fassen.
Es scheint so, als gäbe es wenige solcher Textarten, die in der Lage wären, die Konturen historischer Konfliktsituationen als epochaltypische Schlüsselprobleme für Lernende griffig zu erfassen. Griffig heißt in diesem Kontext, dass die Konfliktsituation nicht allein in einem Text beschrieben wird, sondern die sprachlichen Mittel selbst den Konflikt markieren. So sind beispielsweise die Rap-Texte ausschließlich in der direkten Rede formuliert und weisen viele Aspekte des konzeptionell-mündlichen Sprachgebrauchs auf (Begriffe der Alltagssprache, undistanzierte Sprachverwendung, verstärkende Satzzeichen etc.; siehe Schülerbeispiele). Historische Konfliktschilderungen hingegen sind konzeptionell-schriftlich verfasst und zeichnen sich durch die Verwendung von sprachlichen Mitteln der Distanzierung (Unpersönlichkeit, indirekte Rede, Verwendung des Passivs) und eine Aneinanderreihung von klassischen Aussagesätzen aus. Die Rap-Texte können die Imaginationsfähigkeit der Lernenden positiv beeinflussen ein Effekt, für den auch Josef Memminger plädiert: Die Schülerinnen und Schüler sollen gerade dazu eingeladen werden, geschichtliche Differenzerfahrungen zu machen und sich auf historische Situationen (sprachlich) einzulassen (vgl. Memminger 2007, S. 59).
Das erfordert Empathie- und zugleich Distanzierungsfähigkeit. Die Methode des kreativen Schreibens kann dabei eine besondere Möglichkeit zur Förderung dieser Imaginationsfähigkeit im Unterricht darstellen: „Kreatives Schreiben regt an, Fakten mit Leben zu füllen, Beziehungen zwischen diesen herzustellen, sich Vorstellungen und innere Bilder zu vergegenwärtigen oder diese zu erzeugen. (Ebd. 2007, S. 99)
...und ihr methodischer Einsatz im Geschichtsunterricht
Im Fach Geschichte spielen historische Konflikte immer wieder eine große Rolle. Wie könnte eine schreibende Auseinandersetzung mit den jeweiligen Konfliktparteien methodisch gestaltet werden? Eine Möglichkeit besteht darin, die Konfrontation in Form eines sprachlich-künstlerischen Wettstreites austragen zu lassen, bei dem es darum geht, sich selbst als historische Figur möglichst überzeichnet darzustellen und den Gegner dabei „lyrisch zu diskreditieren: dem Rap-Battle. Bei dieser Form des rhythmisch-verbalen Kampfes handelt es sich um eine Art der Konfliktaustragung, die zwar ohne Gewalt auskommt, in der dafür allerdings mit vielen versprachlichten Attacken agiert wird, die stets aus einer konträren Perspektive erfolgen und in erster Linie zur spielerischen Diffamierung des Gegners dienen.
Diese zunächst etwas ungewöhnlich wirkende Aufforderung zu einer schriftsprachlichen Auseinandersetzung mit Geschichte hat im Vergleich zu anderen Schreibformaten einen entscheidenden Vorteil: Gerade durch seine überzeichnete Form wird beim Rap-Battle deutlich, dass es sich hierbei nicht um die Konstruktion „historischer Wirklichkeit handelt, sondern der Text eine künstlerische Kreation aus einer aktuellen Perspektive heraus ist, die sich mit Geschichte spielerisch auseinandersetzt. Dieser durch...

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