5. – 13. Schuljahr

Jochen Kirchhoff

Geschichte(n) digital schreiben

Der Einsatz fachspezifischer Aufgabenformate für iPad, Tablet oder PC am Beispiel der Geschichte des Berliner Reichstagsgebäudes

Das digitale Schreiben und Erzählen aus persönlicher Perspektive steht im Mittelpunkt der Mediennutzung Jugendlicher. So gut wie alle Zwölf- bis 19-Jährigen verfügen über ein eigenes Mobiltelefon (98%), das in der Regel ein Smartphone ist (JIM 2015, S. 7). Die „Generation Touch tippt vor allem Kurznachrichten, dient doch das Smartphone als „multifunktionales Kommunikationswerkzeug und Informationszentrale für das persönliche Netzwerk (ebd., S. 47).
Jugend schreibt digital auch in der Schule?
Vermag das Fach Geschichte in der Schule an diese Textproduktion anzuknüpfen? Wie lässt sich digitales Schreiben anregen und in produktive Bahnen lenken, um nachhaltiges historisches Lernen zu bewirken? Jugendliche nehmen während ihrer Freizeit und in ihrer medialisierten Lebenswelt vielseitige digitale Angebote wahr. Längst erfährt auch die Geschichtskultur eine Digitalisierung, wenn sie technisch neue Kanäle (Social Media) nutzt, um ein jüngeres Zielpublikum anzusprechen (siehe Geschichte lernen, Nr. 159/160 2014) hier können digital gestützte, produktionsorientierte und fachlich fundierte Aufgabenformate einen Zugang eröffnen.
Um Tablets, iPads oder Smartphones zielbewusst für historisches Lernen einzusetzen, müssen aus unterrichtspraktischer und fachdidaktischer Sicht zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens müssen die Möglichkeiten der mobilen digitalen Erarbeitung einen lernwirksamen, didaktischen Mehrwert bieten (Diendorfer/Närosy 2016). Ein solcher Nutzen wird vor allem bei prozess- und produktionsorientierten Aufgabenstellungen mit Kreativitätspotential freigesetzt, deren Formate zugleich fachliche Instruktionen enthalten. Das Gerät dient dabei als „Lernwerkzeug (Bernsen/Spahn 2014, S. 196).
Zweitens dürfen Technik und Bedienung der Software keinen unverhältnismäßigen Kosten- und Zeitaufwand bereiten. Inzwischen gibt es leistungsfähige, plattformübergreifende Programme, die man rasch und einfach handhaben kann. Mit diesen Apps lassen sich historische Quellen für ein „Nacherzählen (Pandel 2015, S. 154) auch audio-visuell einbinden. Eine Hürde bleibt die Hardware, etwa ein iPad-Koffer mit 15 bis 30 Geräten oder ein entsprechendes Set an anderen Tablets. Zwar lassen sich die hier beschriebenen Unterrichtsaktivitäten auch mithilfe privater Smartphones oder an Desktop-Rechnern im PC-Raum der Schule durchführen. Dennoch erhöht die Verfügbarkeit mobiler Endgeräte in der Größe eines Tablets die Attraktivität der Lernaufgabe.
Generisches Schreiben entlang fachgerechter Aufgabenformate
Wie lassen sich SchülerInnen zum digitalen Schreiben von Geschichte(n) anleiten? Die Anbahnung erfolgt durch „konzeptionelle Textproduktionsaufgaben, bei denen die SchülerInnen eigene Texte auf Basis fremder Texte herstellen (Hartung 2015, S. 212). Sieben solcher Aufgabenformate werden hier als Gerüst (im Sinne des schreibunterstützenden Scaffolding) vorgeschlagen:
1. Aufgabenformat „Teaser: Die digitale Geschichte mit einem spannenden Titel versehen. Die Lernenden formulieren eine erkenntnisleitende Frage oder eine Überschrift, die Geschichtliches andeutet, aber das Ende der Geschichte nicht preisgibt (Download: Aufgabenformat A).
2. Aufgabenformat„Ortsbeschreibung/Karte: Auf einer historischen Karte zum Schauplatz hinführen. Die Lernenden formulieren einen knappen, perspektivischen Text, um den Leser an den historischen Schauplatz ihrer Geschichte(n) zu führen (Download: Aufgabenformat B).
3. Aufgabenformat„Bildvergleich: Bilder des Schauplatzes von früher und heute vergleichen. Die Lernenden heben Bildaspekte hervor, die die Historizität des Schauplatzes belegen (Download: Arbeitsblatt 1; Aufgabenformat C).
4. Aufgabenformat „Zeitstrahl: Bedeutsame Ereignisse ordnen. Die Lernenden ordnen ihre Geschichte(n) chronologisch in eine...

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