5. – 13. Schuljahr

Monika Rox-Helmer

„Feldpost für Pauline

Eine fiktive Recherche als Anleitung für das Schreiben über den Ersten Weltkrieg

Schreiben über Geschichte ist meistens das Resultat einer historischen Recherche. Die vorgeschlagene Unterrichtssequenz will Schülerinnen und Schülern über und während der Lektüre jugendliterarischer Texte zu verschiedenen Schreibformen anleiten, die letztlich in eigene Narrationen über die Alltags- und Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkriegs münden. Gleichzeitig soll über die Fiktion in die historische Methode eingeführt werden, indem sie ausgehend von einem lebensweltlichen Beispiel des Umgangs mit Geschichte der Reflexion zugänglich gemacht wird.
Mit einer Fiktion an die Recherche heranführen
Arbeitsmaterial sind Ausschnitte aus einem Jugendbuch zum Thema „Erster Weltkrieg. Diese fiktionalen Texte können Schülerinnen und Schüler über die Lebensverhältnisse und die Alltagserfahrungen von Menschen in der Kriegszeit informieren. Zusätzlich bieten sie die Möglichkeit, in fachspezifische Leseprozesse und die historische Methode einzuführen, gerade wenn die Arbeit mit dem fiktiven Text durch Schreibaufgaben mit epistemischer, aber auch mit kreativer und (meta-)reflexiver Funktion vertieft wird. Noch einmal intensiviert wird die Herangehensweise, wenn unterrichtsbegleitend das komplette Jugendbuch gelesen wird.
Die Erzählung „Feldpost für Pauline von Maja Nielsen, die auch in einer Hörspielfassung vorliegt, fiktionalisiert den Prozess einer Auseinandersetzung mit Geschichte. Sie erzählt auf einer Gegenwartsebene über die Protagonistin Pauline, die in ihrem Alltag auf Spuren aus der Vergangenheit trifft und eine historische Recherche beginnt. Über fiktive Briefe und Tagebücher wird die Zeit des Ersten Weltkriegs ebenso in die Handlung eingebracht wie durch Gespräche und Nachforschungen. Pauline durchläuft geradezu idealtypisch einen historischen Lernprozess, der sich authentisch in ihrer Lebensumwelt abspielt und der Leser begleitet sie dabei.
Die Handlung des Jugendbuchs
Die fiktionale Erzählung beginnt, als Pauline einen Feldpostbrief zugestellt bekommt, der eigentlich an ihre namensgleiche Urgroßmutter adressiert ist. Der in Sütterlinschrift verfasste Brief entfaltet schon beim ersten Kontakt eine besondere Aura. Der romantische Inhalt weckt Paulines Interesse, mehr über den Briefschreiber und seine Beziehung zu ihrer Urgroßmutter herauszufinden. Auch die Zeit, aus der dieser Brief stammt, gerät sofort mit in ihren Fragehorizont (Material 1). So befragt sie ihre Großmutter, die ihr einiges über die Jugendzeit ihrer Eltern erzählen kann und noch weitere historische Zeugnisse besitzt (Material 2 und Material 3). Diese Materialien bekommt der Leser, im Schriftbild abgesetzt, ebenfalls präsentiert. Er erhält damit ein Arrangement fiktiver Quellen, die subjektive Sichtweisen von Zeitgenossen fingieren und Einblick in die Zeit des Ersten Weltkriegs geben.
Naturgemäß bleiben diese Einblicke bruchstückhaft. Für Pauline werfen sie Fragen auf und vieles wirkt fremd. Diese Wirkung dürften die Texte auch auf den jungen Leser haben, sodass er gemeinsam mit Pauline erkennen kann, dass diese „Quellen kontextualisiert werden müssen. Das übernimmt im Roman vielfach die Großmutter. Sie ergänzt Sachwissen und verdeutlicht, wie sich das Leben verändert hat. Pauline entdeckt auf diese Weise nicht nur einen spannenden Teil ihrer Familiengeschichte und erfährt viel über den Kriegsalltag. Sie lernt insbesondere die Andersartigkeit der Zeit kennen, weil sie die Situation ihrer Urgroßeltern immer wieder mit ihrem eigenen Alltag vergleicht. Allmählich entwickelt sie Verständnis für die Menschen der Vergangenheit und beginnt, vorschnell gefällte Urteile zu überdenken sowie Bezüge ihrer Lebenswelt zu der Zeit vor 100 Jahren zu entdecken.
Didaktische Überlegungen
In Verbindung mit Schreibaufgaben kann die Lektüre dieser Fiktion ein besonderes didaktisches Potenzial dafür entwickeln, den...

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