5. – 13. Schuljahr

Gerhard Henke-Bockschatz

Russische Revolution

Von der aristokratischen zur sozialistischen Herrschaft

Auch gut 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion und des Realen Sozialismus dürfte es unstrittig sein, dass die Russische Revolution zu den folgenreichsten Ereignissen des 20. Jahrhunderts zählt. Sie brachte einen gänzlich neuen Staats- und Gesellschaftstyp hervor, der sich im Namen der bis dahin angeblich ausgebeuteten und unterdrückten Arbeiter und Bauern als grundsätzliche Alternative zur freien Marktwirtschaft, zum bürgerlichen Parlamentarismus und zu den großen imperialistischen Mächten verstand.
Geburtsstunde einer Systemalternative
In Russland setzte sich erstmals in der Geschichte ein sozialistischer „Weg der Ordnung von Gesellschaft durch, und zwar auf eine im materiellen Ergebnis zeitweilig durchaus beeindruckende Art, wie die ökonomisch-technischen Leistungen beim „Aufbau des Sozialismus in einem Land, die militärische Behauptung im Zweiten Weltkrieg und das zeitweise Mithalten im Wettrüsten während des Kalten Krieges zeigen. Für diesen Staat neuen Typs war die Überzeugung grundlegend, dass die Sozialisierung der Produktionsmittel und deren gesamtgesellschaftlich geplanter Gebrauch für all die Menschen, die im Kapitalismus als eigentumslose Proletarier ihre Arbeitskraft an die Besitzer der Produktionsmittel verkaufen mussten, der einzige Weg sei, der Ausbeutung und der Unterdrückung grundsätzlich zu entgehen. Zu diesem Zweck wollten die Bolschewiki die politische Herrschaft erringen und so lange in Form einer „Diktatur des Proletariats ausüben, bis die „Klassenfeinde endgültig besiegt, eine Rückkehr zu privatwirtschaftlich-bürgerlichen Verhältnissen ausgeschlossen und die sozialistische Planwirtschaft erfolgreich auf den Weg gebracht war.
Oktoberrevolution und wegweisende Entscheidungen
Die Russische Revolution kann unterschiedlich eingegrenzt werden. Der bekannteste Einschnitt ist sicherlich die Erstürmung des Winterpalastes der ehemaligen Zarenresidenz in der Hauptstadt St. Petersburg am 25. Oktober (nach dem Julianischen Kalender) bzw. 7. November 1917 (nach dem gregorianischen Kalender): Mit dieser Aktion wurde die bürgerlich-parlamentarische Regierung unter dem Menschewisten Alexander Fjodorowitsch Kerenski gewaltsam entmachtet. Die Macht ging über auf eine „Arbeiter- und Bauernregierung, die sich „Rat der Volkskommissare nannte und der (zunächst) ausschließlich Bolschewiki angehörten. Diese neue Regierung legte keinen Wert darauf, sich durch demokratische Wahlen zu legitimieren. Sie rechtfertigte den Staatsstreich vielmehr durch den Bezug auf die Sowjets (Räte) der Arbeiter, Soldaten und Bauern, die seit dem Februar 1917 überall im Lande als direkte Selbstverwaltungsorgane entstanden waren, denen im Verlauf der sogenannten „Doppelherrschaft beträchtliche Machtbefugnisse zugewachsen waren und in deren Reihen die Bolschewiki mehr und mehr Einfluss gewonnen hatten.
Schnell und entschlossen setzte die bolschewistische Regierung die populären Forderungen nach Frieden, Land, Brot und Selbstverwaltung um. Mit dem „Dekret über den Frieden (26. Oktober bzw. 8. November 1917) schlug sie allen kriegführenden Staaten vor, sofort und bedingungslos Verhandlungen über einen Frieden „ohne Annexionen und Kontributionen zu beginnen. Am selben Tag wurde das „Dekret über den Grund und Boden erlassen. Es hob das Eigentumsrecht der Gutsbesitzer an Grund und Boden entschädigungslos auf und sprach die Verwaltung der Ländereien bis zur Einberufung der Konstituierenden (verfassungsgebenden) Versammlung den Dorfagrarkomitees und den Kreisbauernräten zu. Das Dekret kündigte außerdem an, mit einer großen Agrarreform privaten Landbesitz für immer aufzuheben. Es solle aber ein Recht auf Nutzung des Bodens für diejenigen Bürgerinnen und Bürger geben, „die das Land mit eigener Kraft, mit Hilfe ihrer Familienangehörigen oder im Verein mit anderen bearbeiten wollen, und nur so lange sie...

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