5. – 13. Schuljahr

Ulrich Schnakenberg

Die „Große Oktoberrevolution

Befreiung der Menschheit oder Beginn einer neuen Phase der Unterdrückung?

Der in Riga geborene Künstler Alexander Petrowitsch Apsit (1880 – 1943) gilt als Begründer der sowjetischen Plakatkunst. Nach der Oktoberrevolution gestaltete er im Auftrag des russischen Staatsverlags Revolutionsplakate für die bolschewistische Regierung. Dabei prägte er Stil und Bildsprache dieser Publikationsform nachhaltig.
Vor allem sein 1918 zum Jahrestag der Oktoberrevolution entworfenes Werk „Ein Jahr proletarischer Diktatur wird als ein Meilenstein der sowjetischen Plakatgeschichte angesehen. Das anspielungs- und detailreiche Plakat (Arbeitsblatt 1 ) eignet sich zum Einsatz im regulären Unterricht ebenso wie als Grundlage für eine Arbeit, Klausur oder schriftliche Übungsaufgabe.
Ein Hinweis vorab: Aufgrund des knappen Raumes können die Lösungsvorschläge im untenstehenden Kasten nur skizziert werden; dies gilt insbesondere für die Darstellung des historischen Kontextes. Was den dritten Aufgabenteil anbetrifft, wird hier lediglich eine von mehreren denkbaren Musterlösungen vorgestellt.
Arbeitsaufträge und Lösungsvorschläge
Arbeitsaufträge und Lösungsvorschläge
1. Aufgabe: Analysieren Sie die Quelle.
Bei der Quelle Material 1 handelt es sich um ein Plakat mit dem Titel „Ein Jahr proletarischer Diktatur, welches 1918, ein Jahr nach der Oktoberrevolution, in Moskau entstand. Das Werk des Malers Alexander Apsit lässt sich in drei Bildebenen unterteilen. Im unteren Bildvordergrund erkennt man Symbole des untergegangenen Zarenreiches (Krone, Adler), ein zerstörtes Schild sowie gesprengte Ketten. Die zweite Bildebene wird von einem großen Triumphbogen dominiert, welcher mit (mit roten Schleifen versehenen) Siegerkränzen geschmückt ist. Vor dem Triumphbogen stehen zwei große, kräftige Gestalten, wobei der Mann links sich auf einen Hammer stützt, ein Gewehr umgeschnallt hat und mit seinem linken Fuß auf dem zerbrochenen Schild steht. Der Mann rechts hält in der einen Hand eine Sense und in der anderen eine rote Fahne. Hierbei bildet der Triumphbogen eine Art Fenster, indem er den Blick auf die dritte Bildebene eröffnet. Während hier einerseits zahlreiche Menschen (erneut mit roten Fahnen in der Hand) dem Bauern und dem Arbeiter zujubeln, bewegt sich eine zweite Gruppe von Menschen ebenfalls jubelnd über Getreidefelder auf eine moderne industrialisierte Stadt mit zahlreichen qualmenden Fabrikschloten zu. Dominiert wird der Bildhintergrund dabei von einer großen, strahlenden Sonne (welche den Ausbruch der neuen, hoffnungsvollen Zeit symbolisieren soll).
Die Botschaft, die der Plakat-Künstler dem Betrachter auf der Straße vermitteln wollte, ist klar: Die heldenhaften Bauern und Arbeiter haben Zarenherrschaft, Unterdrückung und Feudalismus erfolgreich besiegt. Die Oktoberrevolution verheißt dem Volk eine glorreiche Zukunft, die von Brot, Arbeit und Wohlstand geprägt sein wird.
2. Aufgabe: Ordnen Sie die Quelle in den historischen Kontext ein.
Zarenherrschaft, Feudalismus
Februarrevolution
Oktoberrevolution
kommunistische Ideologie, Versprechungen der Revolution:Diktatur des Proletariats, Bildung, Arbeit, Industrialisierung, Wohlstand und Freiheit
Bürgerkrieg: Weiße gegen Rote
Später Sieg der Kommunisten im Bürgerkrieg
3. Aufgabe: Beurteilen Sie die Aussage des Künstlers.
Alexander Apsits Gemälde ist nur zwölf Monate nach der Oktoberrevolution entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass das neue kommunistische Regime das Volk noch weitaus brutaler unterdrücken würde als die alte zaristische Regierung. Apsits Freude ob des Sieges des Kommunismus über das ancien régime ist durchaus verständlich, da die Masse des russischen Volkes unter dem alten System jahrhundertelang in bitterer Armut lebte. Insbesondere das Millionen-heer der Bauern befand sich auch nach dem offiziellen Ende der Leibeigenschaft 1862 weiterhin in semi-feudaler Abhängigkeit von ihren...

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