11. – 13. Schuljahr

Maximilian Geiss

Jawohl: Diktatur!

Das Konzept der „Diktatur des Proletariats im Unterricht untersuchen

Für die Schülerinnen und Schüler in der heutigen pluralistisch-demokratischen Gesellschaft werden die theoretischen Auseinandersetzungen der russischen Revolutionäre verwirrend sein zumal sich Vordenker wie Wladimir Iljitsch Lenin (1870 – 1924) auf noch ältere Schriften wie die von Karl Marx oder Friedrich Engels beziehen. Relativ geläufig dürfte dem historisch Interessierten sein, dass es eine Unterteilung und Spaltung innerhalb der russischen Sozialdemokratie in „radikale Bolschewiki (Mehrheitler) und „gemäßigte Menschewiki (Minderheitler) gegeben hat. Maßgeblicher Streitpunkt zwischen diesen beiden Lagern war die Auslegung einer Theorie der „Diktatur des Proletariats und welche praktischen Folgen sich aus diesem Programm ergeben sollten.
Das „Diktatur-Konzept erklären
Der Unterrichtsvorschlag soll den Lernenden verdeutlichen, welchen Inhalt dieses „Diktatur-Konzept hatte:
  • dass es mitnichten eine gänzliche Abkehr von demokratischen Entscheidungsprozessen war;
  • dass das Konzept nicht nur die angesprochene Spaltung bewirkte, sondern auch für die Erklärung der Oktoberrevolution eine entscheidende Rolle spielt;
  • dass auch nicht-russische Sozialdemokraten, z.B. aus Deutschland, dieses Konzept kannten und diskutierten.
Innerhalb der 1888 gegründeten Sozial-demokratischen Arbeiterpartei Russlands wurde um 1900 heftig gestritten, welche Art der Parteiarbeit verfolgt werden sollte und welche Auffassung von Revolution dabei maßgeblich sein sollte. Die Spaltung vollzog sich 1903 auf dem sogenannten 2. Parteikongress der RSDRP in Brüssel und London. Julius Martov, späterer Führer der Menschewiki, wollte einen freieren Begriff der Parteizugehörigkeit. Lenin hingegen verlangte, dass nur aktive Mitarbeiter an der sozialdemokratischen Sache anerkannt werden sollten. Für ihn blieb die sozialdemokratische Partei eine Untergrundpartei, die straff organisiert die revolutionäre Avantgarde repräsentieren sollte (von Borcke 1977, S. 511).
Dieser Streitpunkt wurde während der Gespräche aber zunehmend unerheblich. Mehr und mehr hielt man sich stattdessen gegenseitig die Marxschen Begriffe und Analysen vor. Die grundsätzliche Frage trat in den Vordergrund, ob die „Diktatur des Proletariats nun von einer „Avantgarde also einer elitären Führungsschicht eingeleitet werden dürfe oder ob nicht auf den „richtigen Zeitpunkt gewartet werden müsse, an dem „das Proletariat die Herrschaft ergreifen werde.
Lenins Denken nachvollziehen
Die Entwicklung von Lenins politischem Denken kann gut nachvollzogen werden, wenn man bei seiner 1902 in „Was tun? publizierten Idee einer avantgardistischen Führungsriege beginnt, dann zu den „Aprilthesen von 1917 übergeht und mit der expliziten Darstellung in „Staat und Revolution in der zweiten Hälfte des Jahres 1917 endet. In „Was tun? führt Lenin die Idee aus, dass das Proletariat nicht per se ein sozialdemokratisches (gemeint ist damit ein kommunistisch-revolutionäres) Bewusstsein entwickeln könne und somit eine avantgardistische Führungsriege vonnöten sei. Die Lehre des Sozialismus und die Einsicht in die dafür notwendigen Schritte kommen demnach nicht aus der proletarischen Bewegung selbst, sondern seien von gebildeten Vertretern ausgearbeitet worden und müssen dem Proletariat nahegebracht werden.
1916 begann Lenin mit der Ausarbeitung eines Bändchens, das damals noch „Marxismus und Staat hieß. Die sogenannten „Aprilthesen (Originaltitel: „Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution) sind die handlungsorientierte Essenz dieser Betrachtungen, die er später ausführlicher in „Staat und Revolution darlegte. Dabei erklärt Lenin unter explizitem Rückgriff auf Marx Betrachtungen zur Pariser Kommune und deren blutiger Niederschlagung, dass die Revolution und damit eine „Diktatur des Proletariats jetzt (1917) von den Bolschewiki umgesetzt...

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