12. – 13. Schuljahr

Daniel Kettenhofen/Steffen Barth

Unsere Mütter, unsere Väter?

Eine Analyse der Darstellung der NS-Volksgemeinschaft im Spielfilm-Dreiteiler

Der Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter erzählt die Geschichte von fünf Freunden, die ab 1941 auf unterschiedliche Weise in die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs verwickelt sind. Mehr als sieben Millionen Zuschauer sahen die Folgen 2013 bei der Erstausstrahlung im ZDF im Schnitt, darunter auch viele jüngere Zuschauer. Die Produktion hatte sieben Jahre gedauert und ein Budget von ca. 14 Millionen Euro. Eine breite Werbeoffensive, Dokumentationen und Talkshows begleiteten die Filme im ZDF. Produzent Nico Hofmann und der Sender verfolgten mit dem Projekt eine dezidierte Absicht: Die Generationen sollten über die Erfahrungen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg ins Gespräch gebracht werden. Laut Heike Hempel, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm, bieten die Hauptfiguren eine Identifikationsmöglichkeit für die Jugend der Gegenwart: „Wer jetzt jung ist, soll die Perspektive von damals einnehmen können.
Rezeption und Darstellung
Interessant ist die Rezeption des Dreiteilers, weil anfangs Kritik fast völlig ausblieb und sich erst nach und nach ein kontroverseres Meinungsbild in der öffentlichen Debatte entwickelte. So lobte der Historiker Norbert Frei die schonungslose Darstellung des Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion und „gebrochene Charaktere, die sich ihrer Mitschuld bewusst werden (vgl. Material3B). Die Welt am Sonntag bezeichnete den Dreiteiler gar als „epochales Ereignis nicht nur der Fernsehgeschichte (Stern 2013). Später wies der Historiker Christoph Classen nach, dass der Film sowohl in seiner Inszenierung als auch in seiner Erzählung weniger innovativ ist, als die Macher behaupteten (Classen 2014). Der Historiker Ulrich Herbert kritisierte, dass die ausgewählten Hauptfiguren in ihrer Einstellung zum Nationalsozialismus kaum repräsentativ für die Gesellschaft der damaligen Zeit seien (Herbert 2013; vgl. Material 3A).
„Volksgemeinschaft im Dokudrama
Bei „Unsere Mütter, unsere Väter handelt es sich um ein „Dokudrama, das eine reale Hintergrundgeschichte mit einer fiktiven Story verbindet. „Geschichte wird dabei anhand des Schicksals einzelner Personen auf emotionalisierende Weise erzählt, während durch unterschiedliche inhaltliche und formale Strategien der Wahrheitsanspruch der filmischen Erzählung betont wird (Classen 2014, S. 54). Weil mit dem Dreiteiler explizit ein doppelter Anspruch verbunden ist zum einen ein repräsentatives Bild der Erfahrungen einer Generation zu präsentieren und zum anderen davon ausgehend Erinnerungen bei den Zeitzeugen hervorzurufen und einen Diskurs über die Vergangenheit zu etablieren , soll in der vorliegenden Unterrichtsstunde zweierlei herausgearbeitet werden.
Einerseits will sie den Fokus darauf legen, wie „die Deutschen der damaligen Zeit präsentiert werden. Durch die Strategie der Personalisierung wird das große Ganze auf eine Gruppe von fünf jungen Menschen reduziert, die jeweils unterschiedliche Charakterzüge und gesellschaftliche Positionen aufweisen. Dies soll als Konstruktion kenntlich gemacht und unter Rückgriff auf das Vorwissen zur NS-Volksgemeinschaft analysiert werden. Der Spielfilm verstanden als „spezifische Narration von Geschichte ist nicht in erster Linie auf Fehler hin zu untersuchen, sondern im Sinne Peter Adamskis „an Quellen und anderen Arten von Erzählungen (beispielsweise Darstellungen, Jugendbuch oder Comic) zu messen (Adamski 2014, S. 2). Die Spezifika des Genres wie Dramatisierung oder Emotionalisierung sollen dabei ebenso berücksichtigt werden, wie die Spezifika des Erzählens in Filmen. Auf dieser Interpretation aufbauend liegt andererseits der Schwerpunkt auf der Analyse der Intention der Macher und der medialen Rezeption des Dreiteilers als Medium der Geschichts- und Erinnerungskultur.
Auswahl der Szene und des Materials
Häufig ist es im...

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