5. – 13. Schuljahr

Bernhard Böttcher

Krieg im Nachkrieg?

Gewalterfahrungen und ihre literarische Verarbeitung anhand der Erinnerungen des Freikorps-Kämpfers Ernst von Salomon

„Am Anfang war Gewalt so der Historiker Mark Jones, der die These aufstellt, dass bereits in der Gründungsphase der Weimarer Republik die Wurzeln für die spätere Brutalisierung der 1930er- und 1940er-Jahre lagen. 1918/19 „hielten Formen von Gewalt Einzug, die bis dahin auf dem Boden des Deutschen Reiches niemals vorgekommen waren. (Jones, 2017, S. 10)
Diese sich verstärkende Verrohung entstand im Zuge des Bürgerkrieges, als der neue Staat hart durchgreifen wollte, um seine Macht zu legitimieren. Die sozialdemokratische Revolution wurde durch Sozialdemokraten beendet, die sich der Freikorps als Mittel bedienten (linksextreme) Gewalt wurde mit (rechtsextremer) Gewalt bekämpft.
Die Freikorps in der Republik
Ob die Freikorps als „Vorhut des Faschismus (Käppner, 2017, S. 407) zu sehen sind, sei dahingestellt. Sie waren zum Entstehungszeitraum zumindest „Treibgut des Krieges (Ebd.), verbittert durch die Niederlage. Ihr Ziel war zunächst die „Wehrkrafterhaltung Deutschlands, dann der Kampf gegen den „inneren Feind egal ob Demokraten oder Kommunisten.
Für die Mitglieder der Freikorps war der Krieg noch nicht vorbei, weder im Innern, noch nach außen. Im Reich wendeten sie sich z.B. gegen aufständische Matrosen und Spartakisten (M3). Zahlreiche Verbände kämpften mit Billigung der Alliierten und der Reichsregierung im Baltikum gegen den Vormarsch der Roten Armee oder als „Grenzschutz gegen Aufstände in Oberschlesien (M5). Die Kriegsteilnehmer, die Kampf und soldatische Kameradschaft als Lebenssinn sahen, lebten und agierten in einem rechtsfreien Raum. Nach 1918 meldeten sich zudem zahlreiche junge Männer wie Ernst von Salomon bei den Korps freiwillig. Sie waren zu jung für den Ersten Weltkrieg gewesen und holten nun das „Kriegserlebnis samt Kameradschaftsgeist und Männerkult nach (Abb.1).
Die junge Republik ließ die Aktionen dieser Truppenteile zu. Bis zum Versailler Vertrag 1919 stockten die Freikorps-Verbände die „Vorläufige Reichswehr auf bis zu 400.000 Mann auf. Dass die Regierung, die sich bis dahin auf die Verbände gestützt hatte, dann den Vertrag umsetzte und die Reichswehr bis 1921 auf 100.000 Mann reduzieren wollte, war der Hauptgrund für den ersten größeren Putsch von rechts den Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920. Fortan zielten zahlreiche Aktionen z.B. Mordanschläge auf hochrangige Politiker gegen die „verhasste Republik. Zugleich operierten die Freikorps verstärkt im Geheimen.
Die Geschichte der Freikorps geht über das Jahr 1921 hinaus und ist geprägt durch viele, keineswegs kontinuierlich vernetzte Gruppen, verschiedene Aktionsformen, unterschiedliche Einsatzorte und keine klare Führung. Es gab auch keine zwangsläufige Linie zu NSDAP, SA und SS, auch wenn das „Dritte Reich dies später behauptete. Dafür ist Ernst von Salomon ein gutes Beispiel. Im Geschichtsunterricht lässt sich anhand seiner Person die divergente Entwicklung der Freikorps nachzeichnen.
Didaktische Überlegungen
Diese Divergenzen machen die z.T. sehr unterschiedlichen, in Brüchen verlaufenden Lebensläufe der Freikorps-Mitglieder deutlich. Sie zeigen, wie offen die Geschichte der Weimarer Republik und der ganzen „Zwischen-Kriegszeit verlief. Daher ist es äußerst lohnend in einer Sequenz zur Revolution 1918 eingebettet biographie-geschichtlich vorzugehen und Ernst von Salomon exemplarisch zu behandeln.
Dessen Leben und Werk ist Gegenstand teils kontroverser Forschungsliteratur (s. Literaturliste). Von Salomon bietet sich als „Fallbeispiel an, da er 1918 als 16-Jähriger zu den Freikorps-Einheiten stieß, nachdem er eine Militärausbildung als Kadett erfahren hatte. Dies bietet für Schülerinnen und Schüler einen gewissen Lebensweltbezug, da er gleichzeitig „das Eigene und das Fremde beinhaltet: Eine vergleichbare Altersphase des Suchens und...

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