8. – 10. Schuljahr

Thomas Mayer

Biene Maja

Spannende Abenteuergeschichte oder Propagandaschrift?

Waldemar Bonsels avancierte während des Ersten Weltkrieges zum Erfolgsautor. Seine Bücher erreichten in dieser Zeit eine Auflage von ca. 300.000 Exemplaren (Weiß 2010, S. 48). Den größten Anteil daran hatte der von ihm im Jahr 1912 verfasste Roman Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Die auf den ersten Blick völlig unpolitische Geschichte der kleinen Biene, die ihren Stock verlässt, um die Welt kennenzulernen, ist durch die erstmals 1976 ausgestrahlte Zeichentrickserie wohl jedem Kind bekannt. Jedoch ist die Maja, die die Kinder heute kennen, nicht die Maja des Jahres 1912. Bonsels ursprüngliche Maja erlebt ihre zum Teil sehr brutal geschilderten Abenteuer allein. Die dickliche Drohne Willy und der Grashüpfer Flip fehlen. Sie sind die Erfindung einer späteren Zeit.
Sachanalyse
Maja lebt in einer Monarchie, in der Unterordnung die erste ‚Bienenpflicht ist. Sie lernt gleich nach ihrer Geburt, dass das Kollektiv alles ist und der Einzelne ihm dienen muss. Sie lernt, dass die Bienen mächtige Feinde haben, die entweder als Räuber oder heimat- und glaubenslose Gesellen charakterisiert werden, und es wichtig ist, im Kampf gegen diese Feinde den Tod nicht zu fürchten (Bonsels 1912, S.11-14). Als der Roman im Jahr 1912 erschien, war die politische Situation im Deutschen Reich aufgeladen. Kaiser Wilhelm II. wollte Weltpolitik betreiben und strebte nach einem „Platz an der Sonne. Der Nationalismus wurde gleichsam zum Charakteristikum der Zeit. Dies führte zu Konflikten mit den anderen europäischen Mächten, die bereits über umfangreichen Kolonialbesitz verfügten und sich ihre Vorrangstellung nicht streitig machen lassen wollten.
Mit welcher Brutalität deutsche Truppen diesen Anspruch verteidigten, wurde bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes deutlich. In einer Rede hatte Wilhelm II. die Truppen aufgefordert, keine Gefangenen zu machen und „kein Pardon zu kennen. Der Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek sieht in der Rede der Bienenkönigin (Bonsels 1912, S. 168) eine Parallele zur Rede Wilhelms (Hanuschek 2011).
Die Perspektive eines großen Krieges wurde für weite Teile der Bevölkerung greif- und vertretbar. Bonsels Biene Maja greift diesen Zeitgeist auf und betreibt unterschwellig Propaganda für einen Krieg. In „Das Junge Deutschland und der große Krieg aus dem Jahr 1914 schreibt Bonsels: „Endlich! Und noch einmal: Endlich, der große Krieg, der Deutschlands Heil und Zukunft bedeutet, ist in der ganzen elementaren Gewalt ausgebrochen, die allen beteiligten Kräften entspricht (Bonsels 1914, S. 1). Im Kontext dieses Zitates wird deutlich, dass Bonsels nicht anders als viele andere Zeitgenossen den Krieg herbeisehnte. In der Biene Maja vermittelt er dem Leser und insbesondere Kindern, für die das Werk ursprünglich gedacht war, Werte wie Kampfesmut und Opferbereitschaft.
Unterrichtsdramaturgie
Das Ziel der hier vorgestellten Unterrichtssequenz ist es zu untersuchen, ob es sich bei Waldemar Bonsels Roman Die Biene Maja und ihre Abenteuer um eine harmlose Abenteuergeschichte oder aber um eine Propagandaschrift handelt, die Kinder und Jugendliche auf den Krieg vorbereiten und entsprechende Haltungen und Werte vermitteln möchte. Hierbei kann sein Roman exemplarisch für die Kinder- und Jugendliteratur des Kaiserreichs angesehen werden, in der das Militär und die Verherrlichung des Krieges oft im Mittelpunkt standen. Während viele dieser Werke sich explizit mit diesen Themen beschäftigten, propagiert Bonsels ebenjene „soldatischen Tugenden nur unterschwellig. Entsprechend dieser Zielsetzung ist das Vorhaben in einer Sequenz über das Kaiserreich oder den Ersten Weltkrieg zu verankern. Die Einheit sollte direkt an die Stunde zum Thema Militarismus im Kaiserreich anschließen, um sicherzustellen, dass die Lernenden über die nötigen Vorkenntnisse zur Politik Wilhelms II. sowie zum Militarismus und den...

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