7. – 10. Schuljahr

Heike Wolter

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen

Ein Längsschnitt durch die Geschichte des „Reisens von der Antike bis in die Gegenwart

Ein Längsschnitt zur Geschichte des „Reisens stößt zunächst obwohl der Begriff doch denkbar einfach erscheint auf Definitionsprobleme. Was ist Reisen? Hätte sich ein Teilnehmer des Kriegszugs von Hannibal als Reisender bezeichnet? Ein Pilger im Mittelalter? Ein Auswanderer nach Amerika im 19. Jahrhundert?
Die Beschäftigung mit dem Reisen stellt also zunächst einmal die Frage, was damit überhaupt gemeint ist eine vorübergehende örtliche Veränderung, weg vom Heimatort. Somit ist Reisen mehr als nur Tourismus, denn dort spielt der Freizeitaspekt eine wichtige Rolle. Zudem ist Reisen zur Erholung vor allem eine Erfindung der Neuzeit und greift damit für einen Längsschnitt zu kurz.
Didaktische Überlegungen
Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski betont zu Recht die Potenziale der langfristig-diachronen Betrachtung des Reisens: „Ohne einen Blick in die Geschichte des Reisens ist ein Verständnis der Motive und Entwicklungstendenzen im gegenwärtigen Massentourismus nur bedingt möglich. (Opaschowski 2002, S. 29) Für den Geschichtsunterricht ist ein solcher Längsschnitt aufgrund der Lebensnähe des Themas und des vielfältigen Gegenwartsbezuges von großer Relevanz. Schülerinnen und Schüler können hier unmittelbar Alteritätserfahrungen machen und Orientierungskompetenzen entwickeln.
Dabei soll es vor allem um Reisemotive und -möglichkeiten gehen. Wohin brachen Menschen auf? Wie taten sie dies? Warum waren sie zu unterschiedlichen Zeiten mobil? Wie bewerteten sie ihre Mobilität? Diese Fragen lassen sich nicht nur diachron klären, sondern auch durch unterschiedliche Perspektiven im synchronen Vergleich. So adressiert die Geschichte des Reisens unterschiedliche Dimensionen des Geschichtsbewusstseins, beispielsweise die politische, die sozial-ökonomische oder auch das Genderbewusstsein.
Nicht zuletzt hinterlässt das Thema Spuren in der aktuellen Geschichtskultur die teilweise kommerzielle Vermarktung macht sich dabei die Faszination, die dem Reisen innewohnt, zunutze. Der Unterrichtsvorschlag hingegen zielt im Transfer auf die Unterstützung narrativen Kompetenzerwerbs, wenn auf der Vergangenheitsebene eine imaginative „Zeitreise angestrebt wird.
In den Lehrplänen für den Geschichtsunterricht gibt es keine konkrete Anbindung an das Thema „Reisen. Gleichwohl lassen sich in jeder Jahrgangsstufe Anknüpfungspunkte zur Mobilität von Menschen in einzelnen Epochen (beispielhaft: griechische/römische Kolonisation Kreuzzüge Entdeckungen und Eroberungen Auswanderung Wirtschaftswunder) ebenso finden, wie auch Möglichkeiten zur entsprechenden Widmung eines Projekts (beispielhaft: übergreifende Themenstellungen unterschiedlicher Geschichtswettbewerbe) oder einer Vertiefung (beispielhaft: Längsschnitt Migration).
Die Geschichte des Reisens im Spiegel der Materialien
In einem Parforceritt und mit unvermeidlichen Verallgemeinerungen lässt sich die Geschichte des Reisens wie folgt darstellen: Im Altertum reisten Menschen aus beruflichen Gründen (Handel), im Gefolge von militärischen Operationen (Kriegszüge, Quelle A.1 und B.1), zu Bildungs- und Forschungszwecken und sogar zur Erholung, wenn auch in geringerem Umfang. Einige dieser Reiseformen betrafen Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten wie in einer Armee , andere waren Privilegierten vorbehalten.
Das Mittelalter erscheint als eine Zeit geringer Mobilität, wenn sich auch hier unterschiedliche Reisegruppen und -motive finden lassen: Könige (Quelle A.2), Kaiser und Päpste reisten aus politischen ebenso wie Kaufleute aus ökonomischen, Soldaten aus militärischen und Pilger aus religiösen Gründen (Quelle B.2).
In der Frühen Neuzeit setzte sich in den privilegierten Schichten die Überzeugung durch, dass man auf Reisen die Welt erfahren und sich dadurch bilden könne. Solche Reisen...

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