7. – 10. Schuljahr

Peter Gautschi, Hans Utz

Menschen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Ein kompetenzorientiertes Aufgabenset für die Sekundarstufe I

Gegen Ende des Deutsch-Französischen Krieges waren nicht nur die beiden Kriegsparteien in das Geschehen involviert, sondern am Rande war auch die Schweiz von den Kriegshandlungen betroffen. Im Geschichtsunterricht bietet dieser Umstand eine gute Gelegenheit, die Ereignisse multiperspektivisch zu erschließen: aus der Sicht von drei Staaten, besonders aber auch aus der Sicht einfacher Menschen.
Didaktische Überlegungen
Aus didaktischer Sicht sind die letzten Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges besonders geeignet, um im Rahmen eines aufgabenbasierten Geschichtsunterrichts die Kompetenzen für historisches Lernen bei den Schülerinnen und Schülern auszubilden. Erstens liegen zu diesen Geschehnissen viele unterschiedliche Materialien vor, die multiperspektivische und kontroverse Geschichtsvermittlung erlauben. Zweitens gibt es aus jener Zeit eine Vielzahl von Geschichten einzelner Menschen, die das Geschehen veranschaulichen. Drittens verfügen die Lernenden zu dieser Internierung (s. Sachinformation) in aller Regel über nur wenig oder über gar kein Vorwissen.
Sachinformation
Sachinformation
Krieg in Frankreich
Nach einem Putsch 1868 war der spanische Thron verwaist, und im Gespräch für eine Nachfolge stand Prinz Leopold von Hohenzollern. Die französische Regierung befürchtete eine Umklammerung und protestierte scharf gegen diese Option. Darauf verzichtete die Familie der Hohenzollern auf die spanische Königswürde, und der Konflikt wäre eigentlich ausgestanden gewesen. Er eskalierte aber, weil Frankreich weitergehende Forderungen erhob und weil der preußische König diese mittels der von Bismarck redigierten „Emser Depesche als ungebührlich hinstellte, was wiederum in Frankreich für Entrüstung sorgte.
Am 19. Juli 1870 teilte der französische Außenminister dem preußischen Botschafter in Paris mit, dass Frankreich sich im Kriegszustand betrachte. Somit war Preußen angegriffen, und so hatte es Bismarck bezweckt die übrigen deutschen Staaten hatten ihm Hilfe zu leisten. Die Kriegserklärung beantworteten die deutschen Staaten mit einem raschen und erfolgreichen Angriff. Im September war Paris umzingelt, am 31. Januar 1871 schlossen die Kriegsparteien einen Waffenstillstand.
Krieg an der Schweizer Grenze
Nicht in diesen Waffenstillstand einbezogen war allerdings eine französische Armee, auf der Frankreichs letzte Hoffnung ruhte: Die sogenannte Ost-Armee unter dem Kommando von General Denis Bourbaki sollte im Süden der Schweizer Grenze entlang vorstoßen, die von französischen Truppen noch gehaltene, eingeschlossene Stadt und Festung Belfort befreien und dann den deutschen Armeen den Nachschub abschneiden.
Trotz vielfacher Übermacht konnte die rasch zusammengewürfelte Ost-Armee aber nicht einmal das erste Ziel erreichen: Sie wurde gegen die Schweizer Grenze zurückgedrängt und musste sich am 1. Februar 1871 von Schweizer Truppen internieren lassen.
Dies bedeutet, dass sie nicht auf bereits aufgebaute Narrative zurückgreifen können, sondern dass sie die Materialien selber erschließen, die Geschichten selber entwickeln und ihre Werturteile eigenständig aufbauen müssen, kurz: Ihre Kompetenzen für historisches Lernen sind gefordert und werden gefördert.
Kompetenzorientiertes Aufgabenset
Zur Entwicklung und Ausdifferenzierung von Kompetenzen im Umgang mit Vergangenheit, Geschichte und Geschichtskultur hat sich das Aufgabenset als günstiges Aufgabenformat bewährt. Es zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
  • Ein Aufgabenset umfasst zu einem ausgewählten geschichtlichen Thema mindestens drei Materialien aus der oder über die Vergangenheit sowie eine Reihe von Fragen und Impulsen, die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Kompetenzbereichen kognitiv aktivieren.
  • Die Materialien gehören verschiedenen Quellengattungen oder Darstellungsarten an.
  • Die...

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