1. – 13. Schuljahr

Corinna Link

Rezensionen: Historisch Lernen in einer Fremdsprache

Zwei Ansätze zu bilingualem Geschichtsunterricht

Können bzw. wie können Geschichte und Englisch im Bilingualen Unterricht vereint werden? Um diese Fragen kreisen zwei aktuelle Veröffentlichungen. Während Michael Maset grundsätzlich einen zweigeteilten, die Fächer bewahrenden Ansatz verfolgt, versucht Martin Schlutow in seinem kurzen Beitrag, „Bausteine einer bilingualen Didaktik zu entwerfen.
Michael Maset: Bilingualer Geschichtsunterricht
„Es gibt ihn, den bilingualen Unterricht (S. 7). Mit dieser lakonischen Feststellung eröffnet Michael Maset sein Werk. Als bilingual unterrichtender Geschichtslehrer mit langjähriger Erfahrung urteilt er kritisch. Meistens nämlich handele es sich „um Sprach-, nicht jedoch um Geschichtsunterricht (S. 12). Geschichte im bilingualen Unterricht zu wahren, sie stark zu machen das ist das Ziel. Zu diesem Zweck stellt Maset den aktuellen Forschungsstand zu bilingualem Unterricht umfassend dar und berücksichtigt dabei auch internationale, v.a. englischsprachige Studien, die eine wichtige Ergänzung und Anregung für die deutsche Wissenschaft sind. Stets verknüpft er seine Überlegungen mit grundlegenden Ansätzen der Kompetenzorientierung und hier natürlich insbesondere mit historischen Kompetenzen.
Historisches Lesen, historisches Schreiben und historisches Denken identifiziert Maset als grundlegend, um bilingualen Geschichtsunterricht „fachspezifisch und fachsprachlich zu gestalten. Entlang dieser (Kapitel-)Einteilung stellt er jeweils zentrale, häufig der englischsprachigen Literatur entnommene Konzepte vor und empfiehlt für die Vermittlung der Kompetenzen je cognitive apprenticeship und modelling. Ergänzt werden diese theoretischen Ausführungen durch praxisnahe Vorschläge zur Vermittlung, die der Autor entweder der eigenen Unterrichtserfahrung, wissenschaftlichen Studien oder diversen websites entnimmt. So hält das Werk einen reichen Fundus von praktischen Unterrichtsideen bereit.
Das Lesen gemäß Fremdsprachendidaktik sei, so Maset, etwas signifikant anderes als das zu bewahrende historische Lesen, das vier Lesestrategien erfordere: sourcing, contextualization, close reading und corroboration. Diese klare und dadurch auch unterrichtspragmatisch reizvolle Einteilung und die daran anschließenden Aufgabenbeispiele machen das Kapitel zu einer anregenden Lektüre für (bilingual) unterrichtende Geschichtslehrer. Allerdings verwundert es, dass Maset zentrale Begriffe mit den ihnen zugrunde liegenden Konzepten bei ihrer Einführung teils gar nicht erläutert (S. 47; cognitive apprenticeship, modelling), teils mit weiteren Fachbegriffen in einen nicht genauer definierten Zusammenhang bringt (S. 100; „Fachspezifisches Modelling/Scaffolding). Für interessierte, aber nicht in den beiden Didaktiken beheimatete Leser ist eine klare Konturierung der Konzepte deshalb schwierig; mehr scaffolding wäre da wünschenswert gewesen! Der häufige Wechsel zwischen Deutsch und Englisch, auch bei Konzeptbegriffen, mag der bilingualen Theorie und der engen Anbindung an englischsprachige Studien geschuldet sein; anstrengend ist er trotzdem.
Für historisches Schreiben sei der Einsatz von sprachdidaktischen writing tools zwar durchaus sinnvoll, nicht aber historisch genug. Ein systematisch das historische Schreiben schulender Lehrgang fehle noch. Als Behelf für die Unterrichtspraxis verweist Maset auf in der amerikanischen Forschung entwickelte Unterrichtsprinzipien (Kap. 4.5) und Lerngerüstbeispiele (Kap. 4.6).
Historisches Denken gliedert Maset anhand der sechs großen Denkkonzepte nach Peter Seixas und Tom Morton. Diese werden nach und nach anhand von „Wegweisern aufgeschlüsselt und durch Unterrichts-/Aufgabenbeispiele konkretisiert. Dabei scheint die Wahl und Zuordnung der vorgestellten Realisierungsformen zu bestimmten Wegweisern recht beliebig zu sein. Das gründet v.a. auf der sehr formalen, wenig...

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