5. – 13. Schuljahr

Manuel Köster, Markus Bernhardt, Holger Thünemann

Aufgaben im Geschichtsunterricht

Typen, Gütekriterien und Konstruktionsprinzipien

Lehrerinnen und Lehrer stehen seit der Einführung der Kompetenzorientierung in den Lehrplänen der Bundesländer häufig vor dem Problem, die dort gewünschte Förderung von Kompetenzen in unterrichtliche Praxis umzusetzen. Im Fach Geschichte sind zudem unterschiedliche Kompetenzmodelle im Einsatz, was zwar durchaus typisch für den wissenschaftlichen Diskurs ist, in der Schulpraxis aber häufig den Eindruck mangelnder konzeptioneller Klarheit erwecken kann. Die in den verschiedenen Lehrplänen realisierten Kompetenzen für historisches Lernen sind zum Teil völlig fachunspezifisch formuliert, sodass der Eindruck entstanden ist, man folge hier nur einer neuen Marotte der Kultusbürokratie, könne aber die damit verbundenen fachlichen Implikationen getrost vergessen. Dabei wird leicht übersehen, dass hinter dem Kompetenzbegriff die sehr traditionelle Forderung nach einem kritischen und reflektierten Umgang mit historischen Quellen und Darstellungen, mithin mit Geschichte, steht. Knapp formuliert sind Kompetenzen kognitive Tools für die Operationen des historischen Denkens oder das Know-how des historischen Lernens. Diese Kompetenzen, etwa für die Interpretation von Bild- oder Textquellen, können aber nicht wie Vokabeln gelernt werden. Auch hat es wenig Sinn, bei jeder Quelle starre Interpretationsschemata abzuarbeiten, da so eine flexible, kreative oder generative Problemlösefähigkeit (Pandel 2005) nicht erreicht werden kann. Dazu sind eher „kompetenzorientierte Aufgaben geeignet, wenn sie so gestellt sind, dass sie Anwendung und Weiterentwicklung von Kompetenzen fördern. In diesem Geschichte lernen-Heft stehen solche Aufgaben im Mittelpunkt.
Nachdem sich die Geschichtsdidaktik längere Zeit insbesondere mit Fragen individuellen historischen Denkens und Lernens befasst hat, rückt in den letzten Jahren der Geschichtsunterricht vermehrt in den Blick des theoretischen und empirischen Forschungsinteresses (vgl. Köster, Thünemann & Zülsdorf-Kersting 2014; Gautschi 2015; Meyer-Hamme, Thünemann & Zülsdorf-Kersting 2016; Thünemann & Zülsdorf-Kersting 2016). Vor allem die Frage nach Kriterien guten Geschichtsunterrichts wird dabei intensiv diskutiert (Gautschi, Bernhardt & Mayer 2012). Im Zuge dieses Diskurses wird in jüngster Zeit der Rolle der Aufgaben besondere Aufmerksamkeit zuteil. Folgt man Andreas Helmkes (2009, S. 71 f.) Verständnis von Unterricht als einem System aus schüler- und lehrerseitigen Angeboten, die jeweils individuell und situationsspezifisch genutzt werden, dann stehen Aufgaben genau an der Schnittstelle von Angebot und Nutzung (vgl. Thünemann 2013, S. 144). Ihnen wird deshalb eine Schlüsselrolle im Lehr-Lernprozess zugesprochen; bisweilen ist die Rede von „Aufgaben als Katalysatoren von Lernprozessen (Thonhauser 2008). Die Funktion als „Katalysatorvariable (Helmke 2009, S. 94) wird nicht nur in bildungswissenschaftlichen und allgemeindidaktischen Kontexten hervorgehoben, sondern auch im Zusammenhang mit Fragen historischen Lehrens und Lernens immer wieder betont. Michele Barricelli, Peter Gautschi und Andreas Körber (2012) bezeichnen Aufgaben als das „Rückgrat eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts. Und Hilke Günther-Arndt (2015 [1. Aufl. 2007], S. 18) konstatierte bereits vor einigen Jahren: „Eine Methodik des Geschichtsunterrichts muss [] besonders die Aufgaben, die eine Schlüsselfunktion im Lernprozess haben, systematisch berücksichtigen, denn die „Kunst des Lehrens besteht zu einem wesentlichen Teil darin, durch Anordnung von Inhalten und Medien spezifisch historische Fragen und Aufgaben zu evozieren.
1. Aufgabenbegriff und Aufgabentypen
Zunächst kann man vier Kriterien bzw. Aspekte nennen, die zur Bestimmung des Aufgabenbegriffs besonders relevant sind:
  • Erstens und ganz allgemein sind Aufgaben Instrumente zur Gestaltung von...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen