7. – 10. Schuljahr

Claus-Hinrich Offen

„Wo lag Deutschland zur Zeit der Französischen Revolution?

Geschichtskarten auswerten und sich Untersuchungsschritte bewusstmachen

„Was war eigentlich Deutschland, wo lag Deutschland zur Zeit der Französischen Revolution?
Diese Schülerfrage sie war Anlass und Leitfrage der hier vorgestellten Sequenz ist brisant. „Gibt es damals überhaupt so etwas wie ‚Deutschland? Auf die Frage antwortete Hans-Ulrich Wehler 1987 unter anderem: „Ein ‚Deutschland existierte weder als Staat noch als eindeutige geographische Einheit, geschweige denn als politische Nation in dem [] modernen Sinn. [] Das riesige Gebiet des multinationalen ‚Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation innerhalb der nach 1648 bestehenden Grenzen deckte sich beileibe nicht mit dem, was man, stets im Vagen verbleibend, ‚Deutschland nannte. [] Mit dem Deutschen Bund von 1815 stand es nicht besser (Wehler 1987, S. 44ff.).
Kartenarbeit gründlich einüben
Die Arbeit mit Karten hat ebenso wie die Beschäftigung mit den territorialen Veränderungen der napoleonischen Ära im kompetenzorientierten Geschichtsunterricht Platz. Ob jedoch Zeit eingeräumt werden kann für die hier vorgestellte sehr gründliche Arbeit mit Karten und die dabei zu erwartende methodische Förderung, das ist nur mit Blick auf die Kompetenzentwicklung der jeweiligen Lerngruppe zu entscheiden.
Die Sequenz umfasst ursprünglich zwei Hauptteile: Im ersten Teil geht es um Kartenarbeit im engeren Sinne, im zweiten Teil um die Ergänzung der Karten durch weiteres Material. Teil zwei kann auch deshalb nur knapp skizziert werden, weil dessen Leitfrage aus dem ersten Teil erwachsen soll. Die Frage ist von der Lerngruppe aufzuwerfen und kann daher ebenso wenig vorgegeben werden wie ein dieser Frage entsprechendes Material.
Der erste Teil leitet durch Arbeitsaufträge zum Umgang mit den Karten an und ermöglicht es, bestimmte Operationen als für die Untersuchung von Geschichtskarten relevant zu erkennen sowie zu internalisieren. Die vollzogenen Teilschritte des Beschreibens, Analysierens und Deutens bilden kein „vollständiges Erarbeitungsschema ab. So werden die Karten nicht in Bezug auf Probleme der Darstellungsweise befragt hier wäre z.B. an die Problematik einer Außengrenze des Reiches zu denken, die die Vorstellung vom Reich als einem „Staat nahelegt.
Hinweise zur Durchführung
Der Einstieg muss auf die Frage nach der Gestalt „Deutschlands zielen. Das ließe sich z.B. durch die Kontrastierung der räumlichen Vorstellungen der Lernenden mit den damaligen Gegebenheiten erreichen. Auch das berühmte Xenion, 1796 von Goethe und Schiller veröffentlicht, ließe sich nutzen: „Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden [...]. In jedem Falle setzt die Verwendung des Materials voraus, dass den Lernenden deutlich wurde, welche Frage geklärt werden und warum dies geschehen soll. Ebenso muss das „Wie klar sein: mit Aufträgen zu Karten (Material 2 – Material4 ) und Arbeitsblatt (Material 1) in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Es ist hilfreich, zudem anzudeuten, was dabei gelernt werden kann:
Ziele: Du kannst unter anderem lernen,
1. was man unter „Deutschland verstehen kann für die Zeit vor, während und nach der Französischen Revolution,
2. wie sich in dieser Zeit das Aussehen „Deutschlands auf der Karte veränderte,
3. was man tun kann, um Geschichtskarten genauer zu lesen und auszuwerten.
Den Verlauf zeichnen die sechs Arbeitsschritte (s. Arbeitsaufträge, Material 5 )weitgehend vor. Die Lehrkraft wird diese vorab erledigen, um zu prüfen, ob sie der Klasse sprachlich gut zugänglich und auch nach eventuellen Änderungen exakt auf das Material abgestimmt sind. Zudem wird dabei deutlich, welches Material wann und ggf. zusätzlich bereitzuhalten ist (s. Liste des benötigten Materials, Online-Material 6).
Beginn
Es ist sinnvoll, zunächst nur die Aufträge zu Schritt 1 und das dafür benötigte Material vorzulegen. So können Probleme...

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