5. – 10. Schuljahr

Wolfgang Hackenberg/Kerstin Lochon-Wagner

Vom Ort zur Stadt

Dortmunds Stadtentwicklung in Raum und Zeit anhand von didaktisierten Karten aufzeigen

Hartnäckig hält sich das Klischee, dass das Ruhrgebiet ein Raum sei, dessen Geschichte im Grunde erst mit der Industrialisierung beginnt. Dabei blickt die Region auf eine jahrtausendelange Geschichte zurück, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. So fanden Forscher in Bochum zuletzt Spuren einer 4000 Jahre alten Siedlung. Dies beweist: An Rhein und Ruhr siedelten sich Menschen schon lange vor der Entdeckung von Kohle und Stahl an.
Dortmund als Beispiel
Die Entwicklung Dortmunds eignet sich als Beispiel in besonderer Weise dafür, Raum und Zeit anhand der Ruhrregion in Beziehung zu setzen. Der Längsschnitt skizziert die Geschichte der Stadt von den Ursprüngen als Königspfalz bis heute. Dabei bildet die Blüte der alten Reichsstadt ebenso einen Schwerpunkt wie die Umwälzungen durch Schwerindustrie und Strukturwandel. Bei dem Lernarrangement stehen drei didaktisierte Zeichnungen historischer Karten im Mittelpunkt, da sie sehr anschaulich Aufschluss über vergangene räumliche Konstellationen geben können. Folgende drei Phasen wurden exemplarisch für den Längsschnitt durch die Dortmunder Vergangenheit ausgewählt:
1. Die Funktion als bedeutende Königspfalz unter den Karolingern, Ottonen und Saliern. Otto der Große baute die Ansiedlung stark aus und befestigte sie. In der Folge wurde sie vor allem von den ottonischen und salischen Kaisern und Königen intensiv genutzt. Erst 1220 wurde Dortmund zur Reichsstadt erhoben. Forscher gehen dabei von einer polyzentrischen also von mehreren Zentren ausgehenden Stadtentwicklung aus. Die Karte zu dieser Zeitphase verwendet folgende Bezeichnungen, um die wichtigsten Punkte der mittelalterlichen Ansiedlung zu charakterisieren:
  • (Königs-)Burg für die nördlich der Stadtmauer gelegene Ansiedlung,
  • Grafenhof für die westlich am Hellweg gelegene Anlage,
  • Königspfalz für die Anlage nördlich der Reinoldikirche.
2. Die Stellung als reiche westfälische Hansestadt bis zum 14.Jahrhundert. Im Hochmittelalter war Dortmund eine blühende Reichsstadt. Sie verlor jedoch nach der großen Pest in der Mitte des 14.Jahrhunderts und nach dem Dreißigjährigen Krieg zunehmend an Bedeutung.
3. Dortmund als Ackerbürgerstadt nach den Napoleonischen Kriegen um 1815. Die Situation zu Beginn des 19.Jahrhunderts spiegelte den beständigen Niedergang der Stadt wider. Dortmund hatte zu dieser Zeit nur noch wenige tausend Einwohner, wobei aktuelle Schätzungen zwischen 3.000 und 6.500 Einwohnern schwanken.
Lernvoraussetzungen
Der Unterrichtsvorschlag kann in die Thematik „Stadt im Mittelalter eingebaut werden: Entweder unter der Perspektive „Spurensuche mittelalterlicher (baulicher) Überreste, wobei sich bei regionaler Nähe ein Unterrichtsgang empfiehlt, oder im Rahmen einer exemplarischen Untersuchung von Stadtwerdung und -entwicklung vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. Auch dem fächerübergreifenden Ansatz des Fachs Gesellschaftslehre kann mit dem Beispiel Rechnung getragen werden. Von Vorteil ist es, wenn die Schülerinnen und Schüler bereits über basale Kenntnisse der für Karten spezifischen Zeichen und Symbole verfügen. Für methodische und sprachliche Hilfestellungen kann auf das Scaffold von Lochon-Wagner in dieser Ausgabe zurückgegriffen werden.
Didaktisch-methodische Hinweise
Bei den Karten dieses Beitrags handelt es sich um:
a) die Situation im frühen Mittelalter (königliche Burg, Grafenhof, Königspfalz) um das Jahr 900 herum;
b) die Stadt im Spätmittelalter an der Wende vom 12. zum 13.Jahrhundert;
c) Dortmund nach den Napoleonischen Kriegen um das Jahr 1815.
Dabei geht es in erster Linie darum, dass die Schülerinnen und Schüler Informationen aus den Karten entnehmen und diese mit den erläuternden Darstellungen (Material 4) in Verbindung setzen. Möglich ist gegebenenfalls mit Blick auf Lernstand, Kenntnis und Kompetenzen , die...

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