8. – 8. Schuljahr

Christian Neumann

Eine Stadt entwickelt sich

Stadtpläne aus der Zeit der Industrialisierung am Beispiel Bielefeld

Die „Industrialisierung bezeichnet einen kompakten Zeitraum großer technischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen. Auf die Entwicklung technischer Neuerungen wie der Dampfmaschine und des elektrischen Webstuhls folgte ein beispielloser wirtschaftlicher Aufschwung. Die Entstehung immer größerer Fabriken führte zu einer massiven Zuwanderung in die wirtschaftlichen Zentren. Dies bewirkte ein explosionsartiges Wachstum der Städte und eine Ausdehnung über die ursprünglichen Stadtgrenzen hinaus. Zugleich wurde eine Entwicklung der städtischen Infrastruktur Verkehr, Versorgung, Bildung notwendig. Es entstanden Eisenbahnstrecken und Straßenbahnnetze, Elektrizitäts- und Wasserwerke, Krankenhäuser, Schulen und andere Bildungseinrichtungen, die noch heute unsere Städte prägen.
Industrialisierung und das Wachstum der Städte
Da sich das Aussehen und die Größe der Städte während der Industrialisierung massiv verändert haben, bietet sich dieser Zeitabschnitt in besonderem Maße für eine Untersuchung der Stadtentwicklung anhand von Kartenarbeit an. Der Vergleich zwischen Stadtplänen vor und nach der Industrialisierung zeigt eine gewaltige Entwicklung, wobei auf den Stadtplänen aus der Zeit kurz nach der Industrialisierung die heutigen Städte meist schon gut zu erkennen sind. Schülerinnen und Schüler können also die Entstehung von Institutionen und Strukturen, die ihr eigenes Leben heute prägen, nachvollziehen. Sie können erkennen, dass zu dieser Zeit das moderne Stadtleben entstand und dass viele technische Hilfen den Menschen bis zur Industrialisierung in ihren alltäglichen Abläufen weitestgehend nicht zur Verfügung standen.
Anhand der Fragestellung „Wie verändert die Industrialisierung das Stadtbild von Stadt X? ist es möglich, diese Neuerungen zu thematisieren und in einem zweiten Schritt Gründe und Auswirkungen der Veränderungen zu erarbeiten. Außerdem ermöglicht diese Vorgehensweise ein exemplarisches Methodenlernen der im Geschichtsunterricht eher selten umgesetzten Arbeit mit historischen Karten.
Hinweise zum Unterricht
Im Mittelpunkt der Einheit stehen historische Karten aus der Zeit der Industrialisierung genauer gesagt sind es historische Stadtpläne. Damit die Schülerinnen und Schüler die Veränderungen im Stadtbild erarbeiten können, bietet sich zudem ein Kartenvergleich an. Hierfür sollten eine Karte aus der Zeit vor der Industrialisierung (Arbeitsblatt1) und eine Karte aus der Zeit während oder direkt nach der Industrialisierung (Arbeitsblatt 2) ausgewählt werden. Der Beitrag nutzt exemplarisch zwei Pläne der Stadt Bielefeld, um die Entwicklungen deutlich zu machen. Beide Karten sollten im Verlauf des Unterrichts über Folie groß gezeigt werden, damit die Lernenden ihre Ergebnisse abgleichen und nachvollziehen können. Außerdem sollten beide Karten auch als Arbeitsblätter ausgeteilt werden, um den Schülerinnen und Schülern eine eigenständige Arbeit und individuelle Markierungen zu ermöglichen. Zudem ist es hilfreich, die Untersuchung auf für die Industrialisierung typische Felder der Stadtentwicklung zu fokussieren. Zu diesem Zweck bietet es sich an, ein Analyse- bzw. Erarbeitungsraster zu entwerfen, das schon bestimmte Entwicklungsfelder vorgibt (siehe Arbeitsblatt 3). Im vorliegenden Fall sind die Kategorien Industrie und Gewerbe, Verkehr, Stadttechnik und Versorgung sowie Bildung und Kultur ausgewählt worden, da diese Bereiche alle direkt von der Industrialisierung beeinflusst wurden und sich die entsprechenden Veränderungen in den Stadtplänen klar ablesen lassen.
Unterrichtsdramaturgie
Als Einstieg in die Unterrichtsstunde können die beiden Karten von Bielefeld als stiller Impuls über den Projektor gezeigt werden. Aus dem entstehenden Klassengespräch kann dann eine zeitliche Einordnung der beiden Karten vor dem Hintergrund des Vorwissens zur...

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