5. – 6. Schuljahr

Dirk Witt

Die „Lebendige Geschichtskarte

Eine differenzierende Methode zur Kartenarbeit am Beispiel des Themas „Wirtschaft und Handel im Römischen Reich

Im historischen Anfangsunterricht müssen Schülerinnen und Schüler den Umgang mit vielen fachspezifischen Medien lernen. Die Geschichtskarte gehört dazu. Geschichtskarten sind aber kein einfaches Medium, sie sind oft komplex und abstrakt sie weisen eine hohe Informationsdichte auf und verbinden die räumliche mit der zeitlichen Dimension. Aus diesen Herausforderungen resultieren Schwierigkeiten für den Lernprozess.
Geschichtskarten verstehen lernen
So fällt es jungen Schülerinnen und Schülern oft schwer, die wesentlichen Aspekte einer Karte zu erkennen, zu entnehmen und zu verarbeiten. Viele finden keinen Interpretationsansatz, verlieren sich in der Fülle der Informationen und können gewonnene Erkenntnisse nur ungenügend sprachlich fassen oder beschreiben ausschließlich einzelne Sachverhalte.
Der Einsatz eines methodischen Leitfadens zur Interpretation von Geschichtskarten hat dagegen andere Nachteile: Hier läuft der Lernprozess oft sehr formal und relativ zeitintensiv ab. Ein methodischer Transfer auf spätere oder andere Geschichtskarten gelingt nur wenigen Lernenden.
Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, die Kartenarbeit mithilfe der Methode „Lebendige Geschichtskarte im historischen Anfangsunterricht zu verknüpfen. Die Stärke der Methode liegt dabei im hohen Grad der Anschaulichkeit. Ausgangspunkte des Lernens sind konkrete Sachverhalte, zu denen Schülerinnen und Schüler entweder eigene Erfahrungen besitzen oder die sie sich möglichst lebhaft vorstellen können. Somit wird sichergestellt, dass alle Lernenden einen Zugang zu der Karte finden. Des Weiteren weist die Methode ein hohes Potenzial an Möglichkeiten zur Differenzierung auf, was für heterogene Lerngruppen von großem Vorteil ist. Das Setting ist zudem sehr kommunikativ angelegt.
Die Methode
Lernzugang
Ziel der Methode ist es, die Arbeit mit Geschichtskarten altersgerecht zu gestalten. Dabei besteht die Grundidee darin, dass Schülerinnen und Schüler fiktive, personifizierte Äußerungen in der Karte verorten und ihre Überlegungen dazu begründet darstellen können. Durch möglichst alltagsnahe Kontexte gelingt es den Lernenden, auf diese Weise auf innere Bilder zurückzugreifen und damit die anfänglich hoch erscheinende Hürde der Kartenabstraktion zu überwinden. Dabei differenzieren sie ihre Vorstellungen im laufenden Lernprozess aus, verknüpfen Legende und Karte miteinander und können ihre Erkenntnisse sprachlich fassen.
Differenzierung mit fiktiven Äußerungen
Die fiktiven Äußerungen sind sowohl auf der qualitativ inhaltlich-sprachlichen Ebene als auch auf der quantitativen Ebene differenzierbar. Damit bietet die Methode ein großes Potenzial, Heterogenität innerhalb der Lerngruppe zu begegnen, sodass auch inklusiver Geschichtsunterricht gelingen kann. Dabei unterscheidet der Beitrag zwischen verschiedenen Niveaustufen:
Niveau 1
  • stark personifiziert, bekannte Alltagssituation, eindeutige Zuordnung möglich, einfache Sprachkomplexität
Niveau 2
  • stark personifiziert, keine kindliche Alltagssituation, eindeutige Zuordnung, einfache Sprachkomplexität
Niveau 3
  • personifiziert, keine kindliche Alltagssituation, mehrdeutige Zuordnungen, mittlere Sprachkomplexität
Niveau 4
  • personifiziert, keine kindliche Alltagssituation, mehrdeutige Zuordnungen, anspruchsvolle Sprachkomplexität
In der Regel wird die Methode „Lebendige Geschichtskarte in Partnerarbeit umgesetzt. Die Zusammensetzung der Tandems kann nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen. Möglich sind leistungshomogene Teams, die entsprechend ihrer Leistungsstärke fiktive Äußerungen mit einem angemessenen Niveau erhalten. Möglich sind aber auch leistungsheterogene Tandems. Dann kennzeichnet die Lehrkraft die fiktiven Äußerungen nach ihrem Niveau (z.B. mit Sternchen) und ordnet diese den einzelnen Schülerinnen und Schülern zu oder...

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