6. – 7. Schuljahr

Dieter Grupp

Münzen, Sklaven, Luxusgüter

Was Orient und Okzident im Frühmittelalter verbunden hat

Das Mittelmeer als Handelsraum und kulturelles Zentrum erlebte in der Spätantike eine Zäsur. Das Römische Reich wurde in einen westlichen und einen östlichen Teil geteilt, die sich zunehmend auseinander entwickelten. Ab dem 7. Jahrhundert expandierten die Araber und ihr Glaube an den Propheten in Nordafrika und im Vorderen Orient, sodass man lange von einer Dreiteilung der einstmals homogenen Mittelmeerwelt sprach.
Die Handelsbeziehungen zwischen Orient und Okzident
Zugleich rissen die Beziehungen zwischen den einzelnen Regionen aber nie gänzlich ab. Religiös motivierte Reisen, diplomatische und Handelsbeziehungen sorgten dafür, dass es auch im Frühmittelalter zu Kontakten zwischen der muslimischen Welt des Orients und der christlich geprägten in Europa sowie dem Oströmischen Reich kam.
Tatsächlich lässt sich für viele Produkte nachweisen, dass sie lange Handelswege zurücklegten: Nicht nur die Seidenstraße nach China funktionierte nach wie vor, auch Bernstein fand den Weg von der Ostsee in den Vorderen Orient, sei es über Mitteleuropa oder über den sogenannten „northern arc via Schwarzes Meer oder Kaukasus. Überdies gibt es eine stattliche Anzahl von Münzfunden arabischen Ursprungs in Mitteleuropa, die zeigen, dass es wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen Orient und Okzident gab. Interessant ist es, hierbei der Frage nachzugehen, was denn die Handelsgüter zwischen Morgen- und Abendland waren. Die Antwort hierauf fällt nicht sehr schwer, wenn es darum geht, festzulegen, was aus dem Orient nach Europa transportiert wurde: Gewürze, edle Düfte in Form von Parfums, Heilmittel, Seide (aus Fernost) oder Weihrauch (aus Äthiopien) kamen über die Levante nach Europa bis auf den für den Gottesdienst unverzichtbaren Weihrauch waren das alles Luxuswaren für das Frühmittelalter.
Schwieriger und weniger angenehm wird die Antwort, wenn man versucht herauszufinden, was die Europäer anzubieten hatten. Neben Bernstein von der Ostsee oder Zinn aus Cornwall werden die im Orient sehr geschätzten fränkischen Schwerter genannt und vor allem: Sklaven. Europäer haben ihren Luxus aus dem Orient also hauptsächlich mit Europäern finanziert. Dies nachzuweisen ist nicht einfach, denn diese Europäer, die auf dem Weg in den Orient zu Sklaven wurden, haben wenig Spuren hinterlassen. Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis sind bemerkenswert: Die überwiegend im zu missionierenden Gebiet östlich des Frankenreichs gefangenen heidnischen Slawen wurden via Venedig in den Orient verkauft christliche Nächstenliebe und Auftrag zur Mission hatten offensichtlich gegenüber der Möglichkeit, Handel mit dem Orient zu treiben, zurückzustehen. Venedig hat seinen Aufstieg als Handelsmacht ab dem 9.Jahrhundert diesem „Warenaustausch zu verdanken, die Herrschenden in Mitteleuropa hatten einen Vorteil von dieser Verbindung den Zugang zu sonst kaum erhältlichen Luxuswaren und zugleich hatte man eine Möglichkeit bei der Expansion nach Osten die widerständigsten Feinde gewinnbringend zu deportieren. Man musste sie ja noch nicht einmal wegschaffen, denn transportiert haben sie sich selbst.
Diese Unterrichtsidee verwirrt und wirft einen (neuen) Schatten auf eine Zeit, die üblicherweise in unsere Geschichtsbüchern mit (inzwischen in Frage gestelltem) Lehenswesen, karolingischer Expansion und der Krönung von 800/801 als Beginn eines neuen abendländischen Kaisertums Eingang findet. Und sie zeigt eine weitere Facette, wie sich unterschiedliche Kulturen (in diesem Falle: Christentum und Islam) durchaus arrangieren konnten auf Kosten Dritter. Schließlich zeigt das Modul, dass der Kontakt zwischen den Kulturen nie ganz abgebrochen ist. Es gibt keine Lücke zwischen dem Römischen Reich und der Zeit der Kreuzzüge der kulturelle und wirtschaftliche Austausch brach nie ganz ab.
Unterrichtsdramaturgie
Diese Unterrichtsidee spürt...

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