10. – 13. Schuljahr

Florian Hellberg/Larissa Zürn

Karten als Propagandamittel

Das Kalifat des IS

Die Terrororganisation des sogenannten „Islamischen Staates (IS) steht Synonym für einen global agierenden islamistischen Terrorismus. Seit der Ausrufung eines Kalifats im Juni 2014, das Gebiete im Nordwesten des Iraks und im Osten Syriens umfasst, und nach einer Vielzahl weltweit verübter Terroranschläge bedient sich der IS Sozialer Medien wie Twitter oder Facebook, um seine Weltanschauung zu propagieren. Als ein Beispiel hierfür und als Lerngegenstand dieses Beitrags dient eine im Jahr 2015 veröffentlichte Propagandakarte, welche die beabsichtigten Gebietszuwächse des IS-Kalifats bis zum Jahr 2020 zeigt.
Eine Propagandakarte des IS als Lerngegenstand
Neben geplanten Gebietserweiterungen im Nahen Osten, in Asien und im Norden Afrikas fallen auf dieser Karte Pläne zur Eroberung von Teilen Europas (z.B. auf der Iberischen Halbinsel und in Südosteuropa) ins Auge. Die Karte visualisiert damit den Endpunkt eines aus der Feder Al-Quaidas stammenden sogenannten Sieben-Stufen-Plans aus dem Jahr 2005, der explizit die Annexion der schwarz markierten Gebiete umfasst. Auf diese Pläne zurückgreifend, erhebt der Islamische Staat einen scheinbar historisch begründeten Rückeroberungsanspruch, da es sich hierbei um in der Vergangenheit von Muslimen kontrollierte Territorien handelt. Was die Karte (bewusst) verschweigt: Zwar stand die Iberische Halbinsel knapp 800 Jahre (vom 8. bis zum 15.Jahrhundert) unter maurischer (islamischer) Herrschaft. Die bis in die Gegenwart erhaltenen architektonischen Hinterlassenschaften und vor allem viele schriftliche Quellen zeugen jedoch von einer weitgehend friedlichen Koexistenz zwischen muslimischer Bevölkerung, Christen und Juden. Gleiches gilt auch für andere europäische, afrikanische oder asiatische Kulturräume.
Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
(Geschichts-)Karten sind den Schülerinnen und Schülern aus dem Geschichts- und Geografieunterricht vertraut. Über die Auseinandersetzung mit der vorliegenden Karte können sie dafür sensibilisiert werden, wie Geschichte mit scheinbar objektiven Medien als Argument instrumentalisiert werden kann – ein Phänomen, das sich gerade im Spannungsfeld von Religion, Gewalt und Macht besonders oft und deutlich zeigt. So werden Methodenkompetenzen im Umgang mit Karten vertieft und deren Konstruktcharakter kritisch analysiert. Andererseits lassen sich auch im fächerübergreifenden Unterricht mit Geografie oder Gemeinschaftskunde/Sozialkunde Ursachen von aktuellen globalen Konflikten erkunden.
Unterrichtsdramaturgie
Im Einstieg benennen die Schülerinnen und Schüler anhand der IS-Karte (Arbeitsblatt 1) und im Vergleich mit einer heutigen Karte (z.B. https://www.welt-atlas.de/) diejenigen Staaten, die im vom IS beanspruchten Gebiet liegen. Vor allem bezüglich der europäischen Kolonien entsteht hier eine kognitive Dissonanz, da diese in der Schülerwahrnehmung wahrscheinlich nicht als muslimisch geprägt wahrgenommen werden. Hieraus lässt sich folgende Leitfrage entwickeln: „Warum reicht das IS-Kalifat im Jahr 2020 bis zur Grenze Bayerns (Deutschlands)?
In einer ersten Erarbeitungsphase erhalten die Schülerinnen und Schüler das Arbeitsblatt 3 mit einer Auswahl repräsentativer Länder. (Alternativ kann hier auch auf die in dieser Online-Version vorhandenen Blankoversion des Arbeitsblattes 3 zurückgegriffen werden, in der in der linken Spalte eine individuelle Länderauswahl getroffen werden kann.) Nun recherchieren die Schülerinnen und Schüler den Anteil der muslimischen Bevölkerung der jeweiligen Staaten (http://www.laenderdaten.de/bevoelkerung/religionen.aspx) und halten die Ergebnisse in der mittleren Spalte der Tabelle (Arbeitsblatt 3) fest. Sie werden feststellen, dass beispielsweise in den europäischen Gebieten der Islam nicht die vorherrschende Religion ist. Da sich aus der Gegenwart keine Erklärung für den Gebietsanspruch des IS ableiten lässt,...

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