5. – 13. Schuljahr

Projektvorstellung: Islam im Geschichtsunterricht

Schulbuchanalysen und Materialien aus dem Projekt „Zwischentöne für eine neue Erinnerungskultur

Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben einen muslimischen Hintergrund. Dennoch werden MuslimInnen in schulischen Geschichtserzählungen kaum repräsentiert.
Schulbücher
Geschichtsschulbücher zeigen bisher ein überwiegend negatives Islam-Bild (Kröhnert-Othman et al. 2011; Gürsoy 2016). Zwischen der Zeit der Kreuzzüge und den Anschlägen vom 11.September 2001 kommt der Islam zudem nicht vor. Als Ursache für die negative Darstellung kann die mangelnde Unterscheidung zwischen Islam als religiösem Modell und muslimisch geprägten kulturellen und politischen Praxen gesehen werden. Anstelle von differenzierten Darstellungen dominieren die „religiös begründeten Differenz und kollektive Zuschreibungen die Thematisierung von Islam und Muslimen (Kröhnert-Othman et al. 2011: S.3). „Der Islam wird als antiquiertes Regelsystem dargestellt, das kaum wandelbar ist. Die Studie resümiert: Schulbücher europäischer Länder halten Islam und modernes Europa getrennt.
Der Mythos der Unvereinbarkeit von Islam und Europa ist nicht neu und konnte in historischen Schulbüchern der letzten drei Jahrhunderte nachgewiesen werden (Jonker 2013). Feindbilder werden durch Herrschaftsinteressen geprägt, die sich in (Bildungs-)Medien seit Generationen reproduzieren. So stellten Geschichtsschulbücher des 20. Jahrhunderts Europa und Islam als Freund und Feind gegenüber (Gürsoy 2016): auf der einen Seite „Wir, das christliche Abendland, auf der anderen Seite „Ihr bzw. „Nicht-Wir. Die Kreuzzüge wurden ideologisch „neu belebt und dienten nicht zuletzt den Deutschen in ihrem Bestreben des „Volkwerdens. Ab den 1990er-Jahren behandelten Geschichtsbücher den Islam zunehmend als Religion sowie im Kontext des Dschihad. Muslime erschienen weiterhin als Aggressoren: muslimische Eroberungen und die Kreuzzüge stehen im Vordergrund, nicht jedoch wissenschaftliche Entdeckungen. Heute wird der Islam vor allem im Kontext von Migration nach Europa und dem Nahostkonflikt behandelt.
Didaktische Forderungen
Schulbücher und andere (Bildungs-)Medien sollten selbst zum Unterrichtsgegenstand werden: anhand von Darstellungen oder eben Nicht-Darstellungen des Islams und von MuslimInnen können Quellenanalyse und -kritik eingeübt werden. Das Schulbuch wird so als Sekundärquelle behandelt und nicht als allumfassende Wahrheit angesehen. Bei der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien zum Thema Islam sollte dieser als Teil europäischer Geschichte dargestellt und die muslimische Vielfalt berücksichtigt werden. Auch die Säkularisierung in muslimischen Gesellschaften sollte Erwähnung finden (siehe Empfehlungen von Kröhnert-Othman et al. 2011, S. 22ff.)
Einstellungen
Auch wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen (Bildungs-)Medien und negativen Einstellungen gegenüber gesellschaftlichen Gruppen nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, lassen sich Parallelen zwischen Darstellungen des Islams und Einstellungen gegenüber MuslimInnen feststellen. So ist in den letzten Jahren eine zunehmende Ablehnung des Islams in europäischen Ländern und v.a. in Deutschland nachgewiesen worden (Leibold/Kühnel 2003; Pollack 2010; SVR 2016). Dabei wird deutlich, dass MuslimInnen zumeist zu Fremden gemacht werden, die nicht zu Deutschland gehörten, wie in qualitativen Studien nachgewiesen werden konnte: So werden Jugendliche in Schule und Freizeit erst zu religiösen MuslimInnen und zu Fremden gemacht (Spielhaus 2014), auch wenn zuvor kaum familiäre oder persönliche Bezüge zur Religion vorhanden waren. Mit der pauschalen Ablehnung tritt eine Form von kulturellem Rassismus zutage, der durch Darstellungen und Zuschreibungen in Schulbüchern (ungewollt) unterstützt wird und letztlich zu einengenden und negativ konnotierten Identitäten führen kann.
Unterrichtsmaterialien für eine neue Erinnerungskultur
„Inhalte und Art...

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