5. – 13. Schuljahr

Facetten des Islams im Jugendbuch

Zwischen Toleranz und Terror

Das von der Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor verfasste Sachbuch „Islam. Geschichte, Glaube und Gesellschaft stellt die Geschichte und Lehre des Islam mit besonderem Bezug auf die deutschen Verhältnisse dar. Dabei gelingt es der Autorin, sowohl die Ähnlichkeiten wie auch die Unterschiede zum Christentum für Kinder ab etwa acht Jahren und Jugendliche verständlich darzustellen.
Kaddor arbeitet zunächst die Entstehung mit dem Propheten Muhammad auf der von vielfältigen religiösen Einflüssen geprägten Arabischen Halbinsel heraus. Eingegangen wird auch auf die Nachfolgekonflikte zwischen Sunniten und Schiiten. Zu kurz kommt die Lage der Christen und Juden im Arabischen Reich: „[] Minderheiten mussten auch hier, wie so oft in der Weltgeschichte, manche Nachteile in Kauf nehmen. (S. 15) Ausführlicher widmet sich Kaddor der kulturellen Blüte in der islamischen Welt vom 8. bis zum 13. Jahrhundert.
Bei der Darstellung der Lehre werden die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) hervor gehoben. Doch auch die Spezifika des Islam wie der Koran und die Hadithe (Überlieferungen von Handlungen und Aussprüchen des Propheten) werden vorgestellt. Auch auf die religiösen Pflichten (u.a. Gebet, Mildtätigkeit, Pilgerfahrt nach Mekka, Fasten) wird eingegangen. Dabei werden die Gebetsrituale und die Bedeutung der Moscheen vorgestellt. Beim Fasten wird auf Ähnlichkeiten zu den Praktiken von Juden und Christen hingewiesen, ebenso bei dem Glauben an Engel und an die Wiederauferstehung. Etwas kurz kommt allerdings die Vielfalt des Islam. Hier wäre z.B. ein ausführlicheres Eingehen auf die in Deutschland größere Gruppe der Aleviten sinnvoll gewesen.
Zum Schluss geht das Buch auf einige kontroverse Aspekte ein, etwa die Rolle der Frauen und die Bedeutung der Scharia. Zu knapp behandelt wird der Islamismus, wobei nur am Rande auf die medial sehr präsenten Terrorgruppen hingewiesen wird. Ganz fehlt hier der Salafismus. Ein Glossar, Hinweise auf bekannte Moscheen und Buch- und Filmtipps runden den von den Illustrationen her ansprechenden und inhaltlich insgesamt überzeugenden Band ab.
Fazit: Ein Muss für Klassen- und Schulbüchereien.
***
Die aus dem Französischen übertragene Graphic Novel „Der Arabische Frühling von Autor Jean-Pierre Filiu und Illustrator Cyrille Pomès schildert die Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten in ausdrucksstarken Bildern und knappen Texten. Vieles davon dürfte politisch interessierten Schülern vertraut sein, etwa die Ereignisse in Tunesien, Libyen und Ägypten. Aber vieles ist auch weniger bekannt, etwa die Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrain durch einmarschierende saudi-arabische Truppen oder die Jugendrebellion im Gaza-Streifen, die immerhin zu einem Versöhnungsabkommen zwischen den konkurrierenden Palästinenser-Organisationen Fatah und Hamas führte.
Mehrfach gingen die Proteste von konkreten Unterdrückungsmaßnahmen aus, etwa in Tunesien, wo ein Gemüsehändler seine beschlagnahmten Waren nicht zurück bekam und sich aus Verzweiflung darüber in Flammen setzte. Ähnlich war es bei den regionalen Protesten in Algerien, die letztlich erfolglos blieben.
Das Scheitern des Arabischen Frühlings arbeitet der ursprünglich 2013 erschienene Band nur teilweise auf. Immerhin geht die renommierte Nahostkonflikt-Forscherin Muriel Asseburg in einem Nachwort auf die Machtübernahme durch das Militär in Ägypten im Juni 2013 ein. Der Krieg in Syrien wird erwähnt, doch weder der Aufstieg des „Islamischen Staates noch die Eskalation des Konflikts im Jemen wird näher behandelt.
Der letzte Abschnitt geht auf Verschwörungstheorien rund um den Arabischen Frühling ein. Oft wurde von herrschenden Eliten auf die Einmischung des Westens verwiesen, etwa in Libyen. Doch diente dies zumeist als Vorwand, um von eigenen Problemen wie der grassierenden Korruption abzulenken. Im...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen