5. – 13. Schuljahr

Marlene Krause/Amin Rochdi

Arbeit mit Flaggen

Die Geschichte des Irak im 20. Jahrhundert anhand der Farben und Symbole seiner Fahnen nachvollziehen und erklären

Fahnen und Flaggen dienten und dienen seit jeher der Menschheit dazu, Territorien zu kennzeichnen. Feinde wie Verbündete konnten entsprechende Farben und Symbole einem Herrscherhaus oder einem Reich zuordnen. Die Vexillologie, die Kunde über Flaggen und Fahnen, ist aber noch eine recht junge Wissenschaft aus den 1950er-Jahren. Schülerinnen und Schülern eröffnet die Beschäftigung mit Flaggen einen alternativen Zugang zur Geschichte, jenseits der gängigen Text- und Bildquellen. Das Dechiffrieren spezieller Symbole, das Zuordnen bestimmter Farben und das Erkennen von Ähnlichkeiten fördert das Interesse an Hintergründen und der Entstehungsgeschichte einzelner Flaggen.
Geschichte des Irak im 20. Jahrhundert bis heute
Die im Mittelpunkt des Unterrichtsvorschlags stehenden verschiedenen Flaggen des Irak sind nur nachvollziehbar vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte des Staates im 20. und 21. Jahrhundert: Er steht aufgrund verschiedener Faktoren als Prototyp eines arabischen Staates, der in Folge des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches entstand. Die scheinbar unüberwindbaren Gräben zwischen säkularen und religiösen Kräften, aber auch die multiethnische Zusammensetzung der Gesellschaft sowie das Verhältnis zu den Nachbarstaaten bestimmten das politische und soziale Bild des Irak im vergangenen Jahrhundert bis heute.
Die Bevölkerung des Irak war und ist in hohem Maße durch den schiitischen Islam geprägt. Immerhin gehören mindestens 55% der hier lebenden Muslime schiitischen Gruppierungen an, während die Sunniten lediglich 35 – 40% der muslimischen Bevölkerung ausmachen. Gerade die religiösen Stätten in Nadschaf und Kerbela im Süden des Landes sind für die Identität der Schiiten weltweit von immenser Wichtigkeit, sodass bereits in der Frühzeit des Islam, ab dem 8. Jahrhundert nach Christus, Schiiten jährlich zu diesen Orten pilgerten und sich im Umkreis der Heiligtümer die weltweit wichtigsten Ausbildungsstätten für schiitische Gelehrte etablierten.
Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der schiitischen Gruppierungen waren sie in der Regierung und Verwaltung des Staates stark unterrepräsentiert, sodass Sunniten die meisten Schlüsselpositionen innehatten. Diese Vormachtstellung sunnitischer Iraker hatte bereits in der Zeit des Osmanischen Reiches Tradition.
Beginnender Einfluss säkularer Ideen
Unter dem Einfluss der Reformbewegungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gedankengut der Säkularisierung durch Offiziere der osmanischen Armee in den Irak gebracht. Der von den Jungtürken propagierte Nationalismus und die Idee des Zurückdrängens der Religion in das Private fanden unter der Bildungsschicht progressiv denkender Araber auch Anhänger im Irak. Motor dieses Denkens war vor allem der fehlende Anschluss an die modernen Industriestaaten Europas, deren Fortschritt aus Sicht dieser irakischen Elite vor allem Ergebnis der Säkularisierung in den Staaten Europas war.
Aufgrund der großen Unterschiede der theologischen Traditionen zwischen den beiden islamischen „Konfessionen galt die Idee einer Trennung der Religion vom Staat immer mehr Politikern als Lösung für religiöse Konflikte. Außerdem hoffte man, dem Ziel eines Nationalstaates so näher zu kommen.
Zwischen den beiden Weltkriegen verschärften sich die Fronten der verschiedenen politischen Lager. Durch das Studium intellektueller Iraker in Europa fanden kommunistische und sozialistische Konzepte den Weg in den Irak. Nach europäischem Vorbild wurden Vereine und Parteien gegründet. Wegen der Konflikte mit Zionisten und Briten hatten kommunistische Kreise starken Zulauf, sodass der säkulare Gedanke immer mehr in die Gesellschaft getragen wurde.
Der Aufstieg der Baath-Partei
Eine in dieser Zeit entstehende politische Größe war die „Baath-Bewegung, eine Mischung aus...

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