5. – 10. Schuljahr

Dirk Witt

Wieso demonstrierten die Bürger der DDR 1989?

Das Gruppenpuzzle im inklusiven Geschichtsunterricht

Gelingender inklusiver Geschichtsunterricht steht aufgrund der hohen Anforderungen der historischen Denkprozesse vor großen Herausforderungen. Zu nennen sind hierbei insbesondere die sprachlichen und kognitiven Herausforderungen, einerseits in der Bearbeitung fachspezifischer Lernmaterialien und bei der Konstruktion der eigenen Narration sowie andererseits die Komplexität der Lerngegenstände mit ihren „Uneindeutigkeiten in der Interpretation. Beide Aspekte stellen aber den „Gemeinsamen Lerngegenstand im inklusiven Geschichtsunterricht dar. Alle Schülerinnen und Schüler sollen ihre eigenen Narrationen konstruieren und diese gemeinsam diskursiv aushandeln.
Das folgende Unterrichtsbeispiel wurde mit einer 10. Klasse durchgeführt. In dieser Lerngruppe lernten Schülerinnen und Schüler miteinander, die die Oberstufenberechtigung (6) erlangen wollten, den Realschulabschluss (5) bzw. den Hauptschulabschluss (11) anstrebten. Hinzu kamen vier Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Ein Schüler von ihnen erreichte den Hauptschulabschluss nach der 10. Klasse.
Die Klasse hat sich im Vorfeld das Alltagsleben in der DDR in den 1980er Jahren erarbeitet und konnte darauf zurückgreifen: 1989 kam es in der DDR zur friedlichen Revolution, die erfolgreich verlief, die Diktatur überwand und den Menschen die Freiheit sowie Demokratie brachte. Die Beweggründe der Demonstranten sind sehr vielfältig und individuell. Trotzdem hat die Wissenschaft Ursachen ausmachen können, die zusammengefasst lauten: politische Freiheit, demokratische Grundrechte, Reisefreiheit und bessere Lebensverhältnisse.
Didaktische und methodische Überlegungen
Kooperatives Lernen als Methode zum „Lernen am Gleichen Lerngegenstand
Gelingender inklusiver Fachunterricht richtet sich daran aus, dass alle Schülerinnen und Schüler am „Gleichen Lerngegenstand lernen. Mithilfe von kooperativen Lernformen ist dies zu erreichen. Das Gruppenpuzzle bietet die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler zur gleichen Leitfrage arbeiten, dies aber mit unterschiedlichen Lernmaterialien und Teillerngegenständen tun, die sich letztendlich aber alle auf die Beantwortung der Leitfrage beziehen. Jede Schülerin und jeder Schüler trägt mit seinen Lernleistungen zum Gelingen bei. Daher bietet diese Lernform sehr großes Potenzial für das Lernen im inklusiven Setting.
Die Klasse wird in Stammgruppen mit jeweils drei Mitgliedern aufgeteilt, die leistungsheterogen zusammengesetzt ist (Experten- A, Regel- B und Minimalniveau- C). Die Schülerinnen und Schüler mit einem Förderschwerpunkt Lernen sind gleichwertige Mitglieder einer Stammgruppe und werden entsprechend zugeteilt. Die Zuteilung sollte die Lehrkraft aufgrund ihres diagnostischen Wissens hinsichtlich sozialer, kommunikativer und fachlicher Kriterien vornehmen.
Die Methodik des Gruppenpuzzles
Das Gruppenpuzzle besteht aus vier Phasen:
In der ersten Phase lernt die Stammgruppe gemeinsam. In dieser Phase wird die Leitfrage erstmalig durchdacht und die Schülerinnen und Schüler aktivieren ihr Vorwissen hierzu. Des Weiteren erhalten die Lernenden ihre zugewiesenen Lernmaterialien (A B C).
In der zweiten Phase lernen die Schülerinnen und Schüler in Expertengruppen, d.h. es treffen sich Lernende mit dem gleichen Unterthema (A A A) an einem Arbeitsplatz und bearbeiten ihre Lernmaterialien, tauschen sich über Unklarheiten aus, sichern das neu erworbene Wissen und notieren dieses.
In der dritten Phase treffen sich die Schülerinnen und Schüler wieder in ihren Stammgruppen. Dort wird das erworbene Wissen geteilt und miteinander neu vernetzt. Die Gruppe erfüllt gemeinsam eine Aufgabe zur Sicherung.
In der vierten Phase werden die Lernergebnisse in der Klasse diskutiert, bewertet und transferiert.
Im Gruppenpuzzle kann die Lehrkraft sinnvoll differenzieren (Witt 2016). Die...

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