5. – 10. Schuljahr

Dirk Witt

Wie erlebten die Menschen ihren Alltag im Ersten Weltkrieg?

Der Thementisch im inklusiven Geschichtsunterricht

Gelingender inklusiver Fachunterricht wird durch die Öffnung des Unterrichts erreicht. Dieser Aussage stimmen die meisten Pädagogen und Fachdidaktiker zu. Doch wie gelingt es, Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Heterogenitätsmerkmalen zum gemeinsamen historischen Lernen und Nachdenken über Geschichte zu bringen?
Dies soll im Beitrag an einem Unterrichtsbeispiel dargestellt werden. In der 9.Klasse lernten 24 Jugendliche, wobei 15 Schülerinnen und Schüler eine Migrationsbiographie aufwiesen. Zwei Schülerinnen lebten erst seit ca. drei Jahren in Deutschland. Fünf Schülerinnen und Schüler besaßen einen diagnostizierten Förderbedarf im Bereich Lernen und ein Schüler zusätzlich den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Verschiedene Untersuchungen stellten fest, dass ein großer Teil der Lernenden im Lesekompetenzbereich eins zu verorten war. Grundsätzlich waren alle Schüllerinnen und Schüler lernbereit und agierten miteinander sehr kooperativ sowie wertschätzend. Sie lernten regelhaft in festen Partnerschaften (Tandem/Dreiergruppe), die sich teilweise aus sozialen Aspekten ergaben bzw. in denen Schülerinnen und Schüler mit ähnlichen angestrebten Bildungsabschlüssen gemeinsam lernten.
Didaktische und methodische Überlegungen
Feyerer (2016, S.13) stellt elf pädagogische Prinzipien, an denen sich der inklusive Fachunterricht orientieren soll, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Zu diesen zählen unter anderem:
  • Alle Lernenden besitzen das ausdrückliche Recht, ihre subjektiven Interessen und Bedürfnisse in den Unterricht einzubringen.
  • Der Unterricht muss so geöffnet werden, dass die Lernenden handelnd und kommunikativ aktiv werden.
  • Unterrichtliches Lernen soll dynamisch als unterrichtliches Forschen verstanden werden.
  • Die Lebenswelt der Kinder ist Ausgangspunkt der Lernaktivitäten.
Wie aber kann der Geschichtsunterricht, der regelhaft als Kurzfach unterrichtet wird, geöffnet werden, sodass diese Prinzipien zur Anwendung kommen?
Eine geöffnete Methode
Der Thementisch ist eine geöffnete Methode. Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dieser Methode eigenverantwortlich, interessengeleitet, im eigenen Lerntempo mit einer eigenen oder einer gemeinsamen historischen Frage auseinandersetzen. Dazu vollziehen sie die Phase der Heuristik, indem sie das durch die Lehrkraft bereitgestellte Lernmaterial, bei dem es sich um fachspezifische Medien (Textquellen, Bildquellen, Darstellungen, Statistiken, Karten) handelt, sichten und entscheiden, ob es für die Beantwortung der historischen Frage geeignet ist. Anschließend müssen sie die Lernmaterialien so bearbeiten, dass sie einerseits das notwendige Hintergrundwissen aufbauen als auch ihre individuelle Narration konstruieren, die dann zur Beantwortung der Frage führt. Diese wird am Ende des Lernprozesses in der Klasse präsentiert, diskutiert und reflektiert.
Mithilfe des Thementisches ist es möglich, eine Vielzahl an individualisierten Lerngelegenheiten herauszufordern, die aber stets das Grundprinzip „Lernen am Gleichen Lerngegenstand beachten.
Grundsätzlich stehen alle Lernmaterialien mit ihren unterschiedlichen Herausforderungen allen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. Die Auswahl und die Bearbeitung dieser erfolgt durch die Lernenden stets interessengeleitet, stärkeorientiert und sozial-kommunikativ. Wie viel Lernzeit sie für welches Lernmaterial aufwenden, ist ebenso in ihrer Entscheidung. Der Thementisch ist somit eine Methode, um den Prinzipien von Feyerer u.a. zu entsprechen.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Lernen Schülerinnen und Schüler mit der Methode Thementisch, müssen sie eine Vielzahl an komplexen Lernhandlungen selbstständig ausführen. Hierzu zählen Planungs-, Entscheidungs-, Verarbeitungs-, Aushandlungs-, Konstruktions- sowie Darstellungsprozesse. Nicht alle Lernenden können...

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