5. – 13. Schuljahr

Steffen Barth

Filme im Geschichtsunterricht

Formate, Methoden, Ziele

Nach Edgar Wolfrum bietet das Fernsehen „die Grundversorgung der Gesellschaft mit Geschichtsbildern und die Geschichtsdidaktik geht weitestgehend davon aus, dass Spielfilme, Serien oder Dokumentationen das Geschichtsbewusstsein der Lernenden, also die Vorstellungen, die die Jugendlichen von der Vergangenheit haben und die Art, wie sie diese bewerten und beurteilen, in erheblichem Maße prägen beziehungsweise prägen können. Dementsprechend ist es unerlässlich, sich auch im Geschichtsunterricht mit Filmen auseinanderzusetzen und den Lernenden einen reflektierten und kritischen Umgang mit dem Medium zu ermöglichen. Zugleich umgibt den Filmeinsatz im Geschichtsunterricht noch immer eine zweifelhafte Aura. Als typisch galt lange Zeit der Einsatz von Filmen als Abschluss einer Unterrichtseinheit, häufig direkt vor den Ferien, oder der Einsatz von Geschichtsdokumentationen zur Wiederholung und Festigung des Gelernten, ohne die Intention, die dahinter steht, zu hinterfragen.
Didaktische Potenziale
Das eben dies kein didaktisch angemessener Umgang mit Filmen im Geschichtsunterricht ist, macht Bernd Kleinhans in seinem Buch deutlich. Der Band ist als Orientierung, Hilfestellung und Ideengeber für die Arbeit mit Filmen unterschiedlicher Gattungen im Geschichtsunterricht gedacht. Kleinhans versucht darzulegen, wie filmische Produkte effizient in den Geschichtsunterricht integriert und wie sie geschichtsdidaktisch begründet genutzt werden können. Damit schließt der Autor eine Lücke. Denn im Gegensatz zu anderen Quellenarten, wie etwa Textquellen oder Bildquellen, lagen zu Filmen bisher keine Monographien vor, die umfassend die Merkmale, didaktische Potenziale und methodische Möglichkeiten darlegen.
Filme im wissenschaftlichen Kontext
Der Band gliedert sich in sieben Kapitel. Am Ende folgt dann noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Im ersten Kapitel verortet Kleinhans Filme im Kontext der Geschichtswissenschaft und geht dann auf die sich steigernde Bedeutung im Rahmen des „visual turn ein, wo Filmbilder nicht mehr nur als Abbilder, sondern als „wirklichkeitsschaffende Instanzen und als Akteure in gesellschaftlichen Diskursen (S.19) in den Blick treten.
Dekonstruktion im Fokus
Im folgenden Kapitel zeigt Kleinhans auf, wo die Potenziale des Einsatzes von Filmen für einen kompetenzorientierten Unterricht liegen. Im Fokus sollten nach Kleinhans „Fragen der Dekonstruktion, der Filmsprache und der Authentizität der Darstellung (S.25) stehen. Anhand einzelner Kompetenzen werden die Potenziale des Einsatzes von Filmen durchdekliniert. Beispielsweise können Filme Erfahrungen von Alterität ermöglichen und damit Ausgangspunkt für Fragen sein, womit bei den Lernenden die Fragekompetenz entwickelt werden kann.
Klassifikation von Filmen
Im dritten Kapitel legt Kleinhans eine Klassifikation des Mediums Film vor. Über eine solche Klassifizierung besteht in der Geschichtsdidaktik keine Einigkeit und der Autor entscheidet sich für eine Unterteilung in dokumentarische Formate, fiktionale Formate und Hybride. Innerhalb dieser Kategorien unterscheidet er dann erneut verschiedene Typen, so gehören zu den dokumentarischen Formaten beispielsweise Filmdokumente, zeitgenössische Dokumentationen oder Geschichtsdokumentationen, die alle wiederum unterschiedliche Intentionen und Quellenwerte besitzen. Kleinhans erläutert hier jeweils die spezifischen Merkmale, zeigt didaktische Potenziale und methodische Möglichkeiten auf. Dies ist gerade als Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer hilfreich. Problematisch ist dabei allerdings, dass die Hinweise zum didaktischen Potential und zur Methodik hier etwas redundant sind.
Unterrichtliche Einsatzfelder
Im folgenden Kapitel legt Kleinhans dann dar, wo die unterrichtlichen Einsatzfelder liegen. Dass Filme als Unterrichtseinstiege und als Zusammenfassung eingesetzt werden können, liegt nahe. Von besonderem...

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