5. – 13. Schuljahr

Sebastian Barsch/Christoph Kühberger

Das Universal Design of Learning

Eine Rampe für den inklusiven Geschichtsunterricht

Das aus den USA stammende Universal Design of Learning (UDL) versucht, die Binnendifferenzierung für Lernsettings zu berücksichtigen und so zu modellieren, dass alle Lernenden einer diversen Gruppe beteiligt werden können. Das Prinzip kann für einen inklusiven Geschichtsunterricht fruchtbar gemacht werden (ausführlich Barsch/Kühberger 2019). Im Kern geht es darum, dass ein möglichst barrierefreies gemeinsames Lernen auf unterschiedlichsten Lernniveaus ermöglicht wird. Das UDL möchte dies über eine „ramp (dt. Rampe) umsetzen. Diese hatte im ursprünglichen architektonischen Sinne die Funktion, dafür zu sorgen, dass alle Menschen (ob gehend, mit Rollstuhl oder Kinderwagen) ein Gebäude auf demselben Weg betreten können. Diese Idee soll auch für Lernsettings herangezogen werden. Hiernach gilt es nach dem UDL, Unterricht so zu gestalten, dass er alle Lernenden erreicht. Dafür werden flexible Angebote gemacht, die von Beginn an gleiche Lernmöglichkeiten bieten. Dazu wurden drei essenzielle Qualitäten eines UDL herausgearbeitet (Gargiulo/ Metcalf 2013, S.42):
Um das Anliegen des UDL zu berücksichtigen, könnten Lernenden in einem inklusiven Geschichtsunterricht verschiedene Repräsentationen (z.B. Darstellungen der Vergangenheit) angeboten werden, um damit ihre sprachliche, inhaltliche oder kulturelle Zugänglichkeit zum Gegenstand (Was?) zu erhöhen. Es wird in derartigen Prozessen auch sinnvoll sein, mannigfaltige Ausdrucksweisen (Wie?) zuzulassen, in denen die Lernenden ihre Ergebnisse präsentieren. Neben den traditionellen schriftlichen Darstellungsformen von Geschichte (z.B. Essay, Plakate, digitale Folien) sollten auch auditive Formate (z.B. mündliche Berichte, Kurzreferate, Interviews als Audioaufnahmen o.Ä.) oder affektive Zugänge (z.B. Rollenspiele, theatralische Inszenierungen) gleichberechtigt für alle Lernenden Platz finden.
Aber auch hinsichtlich der Auseinandersetzung mit den Materialien (Warum?) wird eine geschichtsdidaktische Perspektive eröffnet, wenn die subjektiven Fragen der Lernenden Ausgangspunkt für Lernprozesse werden. Eine „ramp ist demnach ein Unterricht auf Basis eines für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsamen Gegenstands. Sie werden vielleicht unterschiedlich weit vorankommen, doch sie schreiten auf der gleichen Grundlage (Feuser 1998) voran (vgl. Tabelle, S. 62).
Wie könnte eine mittelalterliche Burg ausgesehen haben?
Bietet man etwa verschiedene Darstellungen einer Burg an (Spielzeugburg, Rekonstruktionszeichnung, Text aus einem Sachbuch, Kurzvideo etc.), könnte man damit die Basis für einen gemeinsamen, aber vielgestaltigen Ausgangspunkt (Was?) für Fragen nach der Belegbarkeit der Darstellung von mittelalterlichen Burgen schaffen. Werden dabei auch die individuellen Vorstellungen der Lernenden sowie deren Aneignungspraxen von Darstellungen berücksichtigt, kann es gelingen, sich über ihre Fragen dem Gegenstand zu nähern (Warum?). Die Arbeitsphase selbst, die als eine Konfrontation einer bestimmten Darstellung mit (bildlichen und schriftlichen) Quellen umgesetzt werden kann, lässt vielfältige Herangehensweisen zu (Wie?), sofern der eingeschlagene Erkenntnisweg, also die Suche nach Belegen für eine empirisch satte Annäherung an die Vergangenheit, erhalten bleibt. Es können dazu unterschiedliche Hilfen angeboten werden, um den Lernweg zu planen (z.B. Strategieplaner, Selbsteinschätzungsbögen) und um vielfältige Möglichkeiten der Wissensentwicklung zu bieten (Internetzugang, Erklärvideos, Sachbücher, Quellen etc.).
Über einen Vergleich der Ergebnisse in der Gruppe, die in verschiedenen, aber gleichwertigen, Repräsentationsarten (Plakat, Zeichnung o.ä.) vorliegen und die unterschiedliche Durchdringungstiefen besitzen, können neue/fehlende Aspekte benannt werden.
Literatur
Barsch, S./Kühberger, C.: Mit verschiedenen Darstellungen zum...

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