10. – 13. Schuljahr

Heike Wolter

„Ich leg kein Blatt vors Maul

Elisabeth von Rochlitz, Landesherrin der Reformation und Verfechterin der Toleranzidee

Die Reformation nimmt als Thema im Geschichtsunterricht einen wesentlichen Platz ein. Ebenso verhält es sich mit der Aufklärung, für die die Reformation als eine Wurzel gelten kann.
Die Reformation wird oft als Geschichte eines bedeutenden Mannes Martin Luther bzw. als Geschichte vieler wichtiger Männer Theologen, Geistlicher, Landesherren und Kaiser geschrieben, die sich durch Luthers Lehre herausgefordert sahen. Frauen spielen in dieser Betrachtung meist keine Rolle. Dabei gab es starke Frauen in dieser Zeit. Eine der herausragendsten war Elisabeth von Rochlitz (auch bekannt als Elisabeth von Hessen und Elisabeth von Sachsen).
Ihr politisches und persönliches Verständnis von Reformation konnte Elisabeth entfalten, nachdem sie 1537 nach dem Tod ihres Mannes, des Herzogs Johann von Sachsen, ihr Wittum in Rochlitz antrat. Dort nahm sie nicht nur ihren Amtssitz, sondern wurde auch aktive Landesherrin. Gegen den Willen der sächsischen Herzogsfamilie führte sie im Amt Rochlitz rasch die Reformation ein. Doch nicht nur das: Sie ging über das später im Augsburger Religionsfrieden verankerte Prinzip „cuius regio, eius religio hinaus und gewährte Religionsfreiheit. Diese Haltung zeigt Elisabeth als Vordenkerin. Sie war eine frühe Vertreterin des Toleranzgedankens, der erst in der Aufklärung zu voller Blüte kam.
Glücklicherweise ist Elisabeths Wirken in ihrer umfangreichen Korrespondenz hervorragend dokumentiert. Über 1000 Briefe mit verschiedenen einflussreichen Partnern liegen, teils ediert, vor. Auf der Basis dieser ist auch ein zweibändiger historischer Roman erschienen, der Elisabeths Leben historisch triftig fassbar macht.1
Unterrichtsdramaturgie
Einstieg
Zunächst soll Elisabeth als Person eingeführt werden. Ihr Leben lässt sich mithilfe einer Animationsdarstellung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (https://www.youtube.com/watch?v=O_PWjy_qYWo, Abruf vom 23.5.2016, ab Minute 1:16), knapp, informativ und unterhaltsam präsentieren. Die Lernenden können dabei wesentliche Informationen zum Wirken Elisabeths auf dem Arbeitsblatt (Arbeitsblatt 1 ) notieren. In der nachfolgenden Plenumsdiskussion werden anschließend die Notizen diskutiert, vor allem aber auch thematisiert, was das Ungewöhnliche bzw. Bemerkenswerte an Elisabeths Handeln war. Die Lernenden könnten beispielsweise Elisabeths Mut bei der Einführung der Reformation erwähnen, ihre vermittelnde Rolle im Rahmen des Schmalkaldischen Bundes oder ihre Standfestigkeit nach der Niederlage der protestantischen Fürsten. Dieses Gespräch sollte so gelenkt werden, dass sich am Ende am Beispiel von Elisabeths Leben die Leitfrage der Unterrichtseinheit stellt. Das Tafelbild wird hierbei bis zur Themenangabe „Was wird aus Luthers Ideen? ausgeführt.
Erarbeitung
Das Leben und Wirken der Elisabeth von Rochlitz als Verfechterin der Toleranzidee wird nun mithilfe einer zu dekonstruierenden Geschichtserzählung (Arbeitsblatt 2 ) untersucht. Die Auseinandersetzung mit der Narration soll zu einer Bewertung der Darstellung anregen und gleichzeitig eine Einschätzung von Elisabeths Handeln ermöglichen. Dabei wird auch die ungünstige Überlieferungslage zur Religionsfreiheit im Amt Rochlitz die Mittweidaer Kirchenordnung, in der Elisabeth Religionsfreiheit festlegte, ist nicht verfügbar in den Blick genommen. Die Geschichtserzählung ermöglicht das Verstehen von Elisabeths Eintreten für die individuelle Religionsfreiheit statt der Bindung an die Konfession der Landesherrin.
Kontrastiv beschäftigen sich die Lernenden nun mit zwei zentralen Ergebnissen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 (Arbeitsblatt 3 ) des Prinzips „Cuius regio, eius religio und der Niederlassungsfreiheit.
Anschließend rückt eines der bekanntesten Toleranzedikte in den Fokus: Die Aussage Friedrichs II. von Preußen (Arb...

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