5. – 13. Schuljahr

Markus Bernhardt/Sven Alexander Neeb

Medienwandel

Digitale Lernumgebungen im Geschichtsunterricht

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Die zukünftige Arbeits- und Lebenswelt heutiger Schülerinnen und Schüler wird eine digitale sein. Es kann daher gar nicht umstritten sein, dass der Umgang mit dem komplexen und vielfältigen Phänomen „Digitalisierung auch für die Institution Schule und dort nicht zuletzt für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer von besonderer Relevanz ist. Denn diesen Fächern obliegt traditionell die Aufgabe, die Fähigkeit auszubilden und zu fördern, kritisch und reflektiert mit medialen Angeboten, auch mit denen der digitalen Welt umzugehen. Doch das ist es nicht allein.
Neben der Einnahme einer kritischen Perspektive auf digitale Medien besteht die Herausforderung, solche Medien nicht nur einzubeziehen, sondern auch anzuwenden, unterstützend heranzuziehen, interaktiv und kooperativ in und mit ihnen zu kommunizieren sowie sie selbst zu gestalten. Das Land Nordrhein-Westfalen hat diesen komplexen Anspruch 2019 im Rückgriff auf ein Strategiepapier der Kultusministerkonferenz zur „Bildung in der digitalen Welt (2016) in einem Medienkompetenzrahmen für die Kernlehrpläne der Sek. I konkretisiert und formuliert, welche Erwartungen an künftige Lehrkräfte gestellt werden, um Lernenden Medienkompetenz vermitteln zu können. Es sind dabei sechs (Kompetenz-)Bereiche unterschieden worden: 1. Bedienen und Anwenden, 2. Informieren und Recherchieren, 3. Kommunizieren und Kooperieren, 4. Produzieren und Präsentieren, 5. Analysieren und Reflektieren, 6. Problemlösen und Modellieren (https://medienkompetenzrahmen.nrw/).
Diese Bereiche sind fachunspezifisch beschrieben. Sie bieten jedoch einen guten Ansatz, an ihnen eine fachspezifische Medienkompetenz auch für das Unterrichtsfach Geschichte zu entwickeln. Denn sie haben den Vorteil, die vier von Bernsen, König und Spahn (2012) formulierten handlungstheoretischen Modi, das Lernen an, mit und über digitale Medien sowie das Lernen im digitalen Medium auf konkrete Handlungsfelder zu beziehen und für den Geschichtsunterricht weiter zu präzisieren. Im Kern geht es bei den Kompetenzbereichen des Medienkompetenzrahmens unter einer geschichtsdidaktischen Perspektive darum, die geistigen Werkzeuge und Handlungsmuster der klassischen Medienkompetenz auf die digitalen Angebote auszuweiten (Kompetenzbereich 1 bis 4) und gleichzeitig auf einer allgemeinen Ebene den verantwortlichen und kritischen Umgang mit digitalen Medien zu fördern (Kompetenzbereich 5 und 6). Das Fach Geschichte ist darauf theoretisch und praktisch sehr gut vorbereitet (Pandel/Schneider 1999; Bernsen/Kerber 2017). Da sein Gegenstand die nicht mehr vorhandene Vergangenheit ist, die nicht selbst betrachtet, sondern nur über Informationsträger (Medien) erschlossen werden kann, spielt die Medienkompetenz in Ausbildung und Unterricht seit jeher eine sehr große Rolle.
Wir verzichten hier auf eine Diskussion des Medienbegriffs (Bernsen 2014; Pallaske 2015), da zum einen „zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen... bisher an einer umfassenden gemeinsamen Definition gescheitert sind (Danker/Schwabe 2017) und weil zum anderen definitorische Fragen im Alltag des historischen Lernens nicht an erster Stelle stehen. Es ist sicher richtig, dass in der Schule oft nicht korrekt zwischen digitalen Medien als Informationsträgern und technischen Apparaten als Endgeräten unterschieden wird und stattdessen alles als digitale Medien bezeichnet wird (Grosch 2012, S. 125; Bernsen 2014, S. 2). Auch der Hinweis auf die Erkenntnisverzerrung durch die mangelnde Wahrnehmung von materiellen und nichtmateriellen Eigenschaften analoger und digitaler Medien hat eine entschiedene Berechtigung (Landwehr 2016, S. 56-78). All das muss sicher auch im Rahmen eines ganz grundsätzlichen Wandels von Lehr- und Lernformen betrachtet werden, der durch die Digitalisierung bewirkt wird (Muuß-Merholz 2019). Aber der...

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