1. – 13. Schuljahr

Alexandra Krebs

„App in die Geschichte

Schülerinnen und Schüler auf Spurensuche

„Sie ist für uns wie vom Erdboden verschwunden. [..] Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen. Doch haben wir Tag und Nacht keine Ruhe: wir möchten etwas für meine arme Schwester unternehmen. Unser Gefühl sagt uns, dass wir dies auch tun müssen. [] (Charlotte P. an Friedrich von Bodelschwingh 18.02.1941)
Verzweifelt wendet sich Charlotte P. in diesem Brief vom 18. Februar 1941 an den Pastor Friedrich von Bodelschwingh d. J., Leiter der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel (Bielefeld). Ihre Schwester Elisabeth habe ein „geistiges Leiden und sei bis vor Kurzem in einer Anstalt in Sachsen untergebracht gewesen, von dort nun aber an einen ihr unbekannten Ort verlegt worden. Alle Bemühungen, ihre Schwester zu finden, waren bisher erfolglos. Friedrich von Bodelschwingh ist ihre letzte Hoffnung. Der Pastor ist weithin bekannt, pflegt viele Beziehungen in einflussreichen Kreisen und führt mit Bethel eines der größten diakonischen Unternehmen in Europa. Doch kann er helfen, die Schwester zu finden?
Mit der „App in die Geschichte gehen die Schülerinnen und Schüler auf Spurensuche, nicht nur auf die Suche nach Elisabeth P., sondern auch auf die zahlreicher weiterer Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sie re-konstruieren anhand digitalisierter Akten aus dem Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und mithilfe verschiedener digitaler Tools deren Vergangenheit. Diese Beispiele belegen u.a. das Schicksal von Menschen, die den nationalsozialistischen „Euthanasie-Programmen oder auch der Zwangssterilisation zum Opfer fielen. Sie zeigen Menschen, die für eine „Vernichtung lebensunwerten Lebens eintraten, und solche, die versuchten, das Leben der ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten zu retten. Dahinter treten Machtstrukturen der NS-Diktatur, sowohl des „Normen- als auch des „Maßnahmenstaates (Fraenkel und Brünneck 2001), an Beispielen von Handlungsspielräumen der einen und von Machtlosigkeit der anderen zum Vorschein. Immer wieder geht es um die Frage, wie Gesellschaften in verschiedenen Zeiten mit denjenigen umgingen, die auf Schutz und Fürsorge angewiesen waren, und wie wir heute mit ihnen umgehen wollen. Daran zeigen sich die gegenwärtige Relevanz und der Schülerweltsbezug des Themas zu unserer Zeit, in der u.a. die inklusive Schule, das Wahlrecht für Menschen mit Behinderung oder das „Fixierungsverbot diskutiert bzw. erkämpft und durchgesetzt wurden und werden. Die Akten und die intensive Auseinandersetzung mit ihnen liefern somit auch einen möglichen Beitrag zur Teilhabe an aktuellen Debatten und damit zur Demokratiebildung von Schülerinnen und Schülern.
Infokasten: Über die „App in die Geschichte
Infokasten: Über die „App in die Geschichte
Ursprünglich von Daniel Bernsen und Dr. Rolf Müller entwickelt, wurde dieses Lernangebot für den Geschichtsunterricht von der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur Landesinstitut für Schule des Landes Nordrhein-Westfalen (QUA-LiS NRW) weitergeführt und gemeinsam mit der Universität Paderborn und dem Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld weiterentwickelt.
Die browserbasierte und kostenfreie Applikation befindet sich zurzeit in ihrer Entwicklungsphase. Die dargestellte Version wird ab März 2020 in einer Beta-Version online verfügbar sein. Eine Zusammenarbeit mit anderen Archiven ist in Planung. Zukünftig sollen dadurch die möglichen Themenbereiche erweitert werden.
Das Unterrichtskonzept liegt im Bereich der offenen Projektarbeit, so dass mindestens zwei Schulwochen, möglichst jedoch mehr, eingeplant werden sollten. Der Einsatz der App ist ab der achten Jahrgangsstufe zu empfehlen.
Der fachdidaktische Anspruch der Anwendung ist es, die Lernpotenziale schulischer Archivarbeit, vor allem das forschend-entdeckende Lernen, auch im digitalen Raum zu nutzen. Die Lernenden...

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