10. – 13. Schuljahr

Johannes Jansen/Manuel Köster

Revisionistische Geschichtsbilder in Geschichtsmagazinen

Sprachliche und erzählerische Mittel im Geschichtsunterricht analysieren

Die Aufgaben in diesem Beitrag sollen Lernende dafür sensibilisieren, dass bei der Konstruktion von Geschichte sprachliche, erzählerische und inhaltliche Aspekte ineinandergreifen. Die Schülerinnen und Schüler sind damit im Rahmen der Textquellenarbeit in der Regel schon vertraut. Dass aber auch darstellende Texte nur eine von vielen möglichen Perspektiven auf vergangene Geschehenszusammenhänge nahelegen und daher ebenfalls kritisch analysiert werden müssen, kommt im Geschichtsunterricht bisweilen etwas zu kurz.
Durch die Anwendung sprachwissenschaftlicher und erzähltheoretischer Kategorien sollen die Lernenden erkennen, wie linguistische und erzählerische Gestaltungsmittel historischen Sinn erzeugen, wie also Geschichte durch Sprache „gemacht wird. Während die Sprachwissenschaft Geschichte als sprachlich konstruierten Text in den Blick nimmt und die eingesetzten sprachlichen Mittel hinsichtlich ihrer Funktion untersucht, betrachtet die Erzähltheorie Geschichte als sinnvolle und Sinn erzeugende historische Erzählung.
Der analytische Fokus liegt im vorliegenden Beispiel auf der Frage, wie rechtspopulistische Deutungen durch einen spezifischen Sprachgebrauch erzeugt oder gestützt werden, der sich von dem Sprachgebrauch anderer geschichtskultureller Kontexte unterscheidet.
Theoretische Grundlagen
Systemisch-Funktionale Linguistik
Kategorien der Sprachwissenschaft bilden einen Teil des analytischen Werkzeugkastens, mit dessen Hilfe die Sprache historischer Darstellungen untersucht und revisionistische Geschichtsbilder identifiziert werden können.
Die vom englischen Linguisten Michael A. K. Halliday entwickelte Systemisch-Funktionale Linguistik (SFL) interessiert sich vor allem für die Frage, wie Menschen in unterschiedlichen sozialen Situationen mit Sprache umgehen. Eines der Instrumente, die sie dazu verwendet, ist das Konzept des Registers. Dieses ursprünglich in der Soziolinguistik entwickelte Konzept beschreibt den Umstand, dass unser Sprachgebrauch von der Sprechsituation abhängt. Ein Familiengespräch beim gemeinsamen Abendessen unterscheidet sich sprachlich von einem anwaltlichen Anschreiben, welches seinerseits sprachliche Unterschiede zu einem Liebesgedicht oder einem wissenschaftlichen Vortrag aufweist.
Ein Register lässt sich in drei Dimensionen beschreiben: field, mode und tenor. Über die Dimension field wird – etwas vereinfacht ausgedrückt der Inhalt eines Textes erzeugt. Analysiert man Darstellungen von Geschichte in dieser Hinsicht, kann man z.B. untersuchen, aus welchem Bereich zentrale Begrifflichkeiten stammen, was als Hinweis darauf gelesen werden kann, was die Verfasser für die „eigentliche Geschichte halten. Geht es z.B. um politische Veränderungen, militärische Unternehmungen, soziale Prozesse oder wirtschaftliche Entwicklungen? Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Frage, ob der Text sprachlich an alltagsweltliche oder an spezialisierte Erfahrungskontexte anknüpft. Mit anderen Worten: Werden hier fachsprachliche Begriffe und Wendungen gebraucht oder nutzt der Text sprachliche Ressourcen, die jedermann zur Verfügung stehen?
Die Dimension mode dagegen beschreibt die Lage eines Registers auf einem Kontinuum von gesprochener und geschriebener Sprache. Dabei geht es nicht darum, ob in der konkreten Situation eine Äußerung mündlich oder schriftlich erfolgt, sondern vielmehr darum, ob sprachliche Optionen genutzt werden, die typisch für konzeptionelle Mündlichkeit oder Schriftlichkeit sind. Die direkte Ansprache eines Gegenübers oder der sprachliche Verweis auf den Kommunikationskontext („Gib mir [Ansprache] mal bitte die Flasche da vorn [Kontext]!) sind z.B. typische Merkmale konzeptioneller Mündlichkeit.
In der Dimension tenor schließlich drückt sich die Tatsache aus, dass über Sprache soziale Beziehungen...

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