5. – 13. Schuljahr

Der Kalte Krieg in Karikaturen

Eine kommentierte Auswahl der Werke von Fritz Behrendt als nützliche Ergänzung zum Schulbuch-Kanon

Der Kalte Krieg ist im Geschichtsunterricht ein prominent vertretenes Thema und angesichts jüngster Entwicklungen in der internationalen Politik auch weiterhin aktuell. Gleichzeitig wird diese Epoche in der retrospektiven Deutung noch immer kontrovers diskutiert.
Ein ambitioniertes Vorhaben
Das erklärte Ziel des von Ulrich Schnakenberg herausgegebenen Bandes mit dem Titel „Der Kalte Krieg in Karikaturen besteht daher darin, die „Stationen des Systemkonflikts zwischen Ost und West, zwischen Kommunismus und Kapitalismus, in seinen wesentlichen Linien nachzuzeichnen (S. 7). Ein ambitioniertes Vorhaben angesichts des Umstands, dass der Band allein mit kommentierten Karikaturen arbeitet. Hinzu kommt, dass der Auswahl der Quellen klare Grenzen gesetzt sind, weil die Karikaturen ausnahmslos aus der Feder des deutsch-niederländischen Karikaturisten Fritz Behrendt stammen.
Wenngleich es sich bei Behrendt um einen prominenten politischen Kommentator handelt, der sowohl für die New York Times als auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und weitere bekannte Zeitungen weltweit arbeitete, ist fraglich, ob ein angemessener Überblick allein anhand dieses Korpusses gelingen kann. Insbesondere dann, wenn die Quellen aus einer Feder stammen, bei der ausschließlich eine westliche Perspektive repräsentiert wird.
Dadurch bleibt zum einen die Sicht jenseits der Blockgrenzen von vornherein ausgeblendet, was eine erhebliche Engführung bedeutet. Aber auch unterschiedliche Perspektiven innerhalb des Westens bleiben außen vor. Streng genommen handelt es sich daher eher um eine „visuelle Geschichte des Ost-West-Konflikts aus der Sicht des Karikaturisten Fritz Behrendts, der wiederum eine Auswahl des Herausgebers zu Grunde liegt.
Der Aufbau des Buchs
Am Anfang des Bandes findet sich ein knappes Vorwort, in dem Schnakenberg die Zeit vor 1989/90 von der Gegenwart abgrenzt. Der Hauptteil mit den Karikaturen Behrendts gliedert sich in zehn Kapitel. Nach einem ersten Überblick über „Ein halbes Jahrhundert Kalter Krieg zieht sich die Darstellung chronologisch von der „Blockbildung nach dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition bis zum „Ende des Kalten Krieges. Diese Einteilung kann als klassisch bezeichnet werden. Behandelt werden etwa die „Berlin- und Kubakrise, die „beginnende Entspannung ebenso, wie die Themen „Von der Détente zu einer neuen Eiszeit und die „Krise des real existierenden Sozialismus. Auf jeder Seite finden sich eine Karikatur und ein knapper kommentierender Text.
Innerhalb der einzelnen Kapitel ist die Reihenfolge der Karikaturen nicht chronologisch geordnet, sondern thematisch. Die Anmerkungen des Herausgebers zu den Werken sind häufig sehr allgemein und beziehen sich oft nur auf den allgemeineren Kontext. Die Interpretation bleibt damit dem Leser vorbehalten, der zum Teil auf genauere Kenntnisse der Ereignisgeschichte des Kalten Krieges und auf Hintergründe zu den in den Karikaturen kommentierten Ereignissen angewiesen ist.
Dadurch ist der Band, anders als vom Verlag nahegelegt, eher weniger als ein einführender visueller Überblick zum Ost-West-Konflikt zu betrachten. Hinzu kommt die skizzierte Engführung auf Karikaturen von Fritz Behrendt. Dieser Umstand ist Schnakenberg aber bewusst, und es wird von ihm sowohl im Nachwort als auch in einer abschließenden Darstellung zu Leben, Werk und Wirken des Karikaturisten hervorgehoben. Dort heißt es zum Beispiel: Behrendt „bevorzugte Demokratie, Marktwirtschaft und individuelle Freiheit gegenüber Diktatur des Proletariats, dem Gemeineigentum an Produktionsmitteln und Kollektivismus (S. 161) und setzte sich mit „all seiner Kraft für eine Befreiung der Völker östlich des Eisernen Vorhangs ein (S. 161).
Ein reicher Fundus
Es liegt hier also keine multiperspektivische kommentierte Sammlung von Karikaturen zum Kalten Krieg vor....

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