5. – 10. Schuljahr

Florian Hellberg/Larissa Zürn

Der Fall Jonathan Meese

Darf der Hitlergruß in der Öffentlichkeit gezeigt werden?

Der deutsche Künstler Jonathan Meese erregt in der Öffentlichkeit immer wieder Aufsehen. Dabei zeigt er sich oftmals mit provokativen performativen Praktiken, die sich aus seinem Kunstverständnis speisen, das eine „Diktatur der Kunst postuliert und sich von Alltagskultur abzugrenzen versucht. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei der wiederholt in der Öffentlichkeit gezeigte Hitlergruß Meeses. Eine solche Darbietung im Vorfeld der Kunstausstellung Documenta 2013 führte zu einem Gerichtsverfahren, in welchem Meese vorgeworfen wurde, durch die Verwendung des Hitlergrußes als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation gegen §86a StGB verstoßen zu haben.
In diesem Gerichtsverfahren sowie in der folgenden Revision wurde Meese unter Verweis auf die Freiheit der Kunst (Art. 5 Absatz 3 GG) jedoch freigesprochen. Damit illustriert dieses Beispiel sehr deutlich, dass bei der juristischen Beurteilung neben den Fakten auch die Überprüfung der Person auf ihre etwaige nationalsozialistische Gesinnung eine wesentliche Rolle spielt. Kann diese nicht bewiesen werden und ist die Handlung durch das Grundrecht der Kunstfreiheit abgedeckt, liegt nicht zwangsläufig eine strafbare und gesetzeswidrige Handlung vor.
Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
Über die Auseinandersetzung mit diesem kontroversen Fallbeispiel können Schülerinnen und Schüler für die Polyvalenz von Werturteilen sensibilisiert werden. Sie schulen ihr Historizitäts-, sowie ihr politisches Bewusstsein, indem sie sich kritisch mit verschiedenen Perspektiven auf diese Problematik auseinandersetzen. Die Stunde zielt auf den perspektivischen Umgang mit Geschichte ab und soll hieraus die Urteilskompetenz der Lernenden anregen.
Unterrichtsdramaturgie
Im Einstieg werden die Lernenden anhand der Präsentation eines Bildes (Material 1a), welches den Künstler Jonathan Meese beim Zeigen des Hitlergrußes zeigt sowie einer Zeitungsschlagzeile (Material 1b; optionaler Impuls), welche die Strafbarkeit dieser Handlung offenlegt, für die Problematik um den Hitlergruß sensibilisiert. Hieraus lässt sich auch die Leitfrage der Stunde ableiten: „Darf der Hitlergruß in der Öffentlichkeit gezeigt werden? An dieser Stelle können spontane Hypothesen zur Frage der Legalität gebildet werden.
Im Anschluss daran erfolgt eine erste Erarbeitungsphase, in welcher die Schülerinnen und Schüler mittels Auszügen aus dem Grundgesetz (Arbeitsblatt 1 ) und dem Strafgesetzbuch die Diskrepanz zwischen Grundrechten und ihrer möglichen Beschränkung bei Gefährdung der demokratischen Grundordnung erschließen. Die Bearbeitung von aktuellen Gesetzestexten erscheint als ein im Geschichtsunterricht wenig etabliertes Feld, wobei es im Zusammenhang mit der NS-Verarbeitung und der Thematisierung von Möglichkeiten und Grenzen der populären Geschichtskultur notwendig erscheint und nicht zuletzt die Möglichkeit bietet, zu verdeutlichen, dass juristische Texte immer einen alltäglichen Anwendungsbereich besitzen. Somit wird die rechtlich-demokratische Erziehung in diesem Rahmen gefördert.
Mithilfe eines Lückentexts werden die zentralen Inhalte der Auszüge sinnerfassend wiederholt und kurz im Plenum zwischengesichert (Plateauphase). Nach dieser Phase wird die Frage nach der Legalität des Hitlergrußes verneint, es sei denn, dieser wird wie im Falle Meeses im Sinne der Kunstfreiheit dargeboten.
Nach der Sicherung der enggeführten Arbeit mit den Gesetzestexten folgt im Anschluss die Reflexion verschiedener Positionen in Einzelarbeit oder Partnerarbeit. Die Werturteilskompetenz der Lernenden wird gefördert, indem diese begründet argumentieren müssen und sich dabei in verschiedene Perspektiven (Perspektivübernahme) einfinden müssen. Hierzu erhalten sie arbeitsteilig zwei verschiedene Materialien (Arbeitsblatt 2A und 2B ), welche verschiedene Werthaltungen (Juristen- und...

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