5. – 6. Schuljahr

Michael Kolbenschlag

„Wir haben Geschichte

Ein Bilderteppich als Einstieg in die Auseinandersetzung mit den Phänomenen Zeit, Vergangenheit und Geschichte

Die Narrativität und Nichtgegenständlichkeit von Geschichte stellt eine besondere Herausforderung im Anfangsunterricht des Fachs Geschichte dar: Das Ziel, die Schülerinnen und Schüler für das Erkunden und Erforschen von historischer Wirklichkeit zu motivieren, bedarf einer geschickten Verfahrensweise, die zunächst möglichst plastisch zu machen hat, was der per se nicht „greifbare Gegenstand des Faches ist. In der hier skizzierten Stunde soll ein Bilderteppich die Neugierde anregen: Bilder wirken authentisch und suggestiv, sie sprechen die Lernenden unmittelbarer an als Texte.
Unterrichtsvorschlag
Den Einstieg leistet ein einfacher Impuls der Lehrperson, die „Wir haben Geschichte! mittig auf der Tafel notiert. Die Lernenden sollen blitzlichtartig äußern, was sie unter dieser Aussage verstehen. Die Lehrkraft kann die Äußerungen im Stile einer Mindmap auf der Tafel gruppieren alternativ können die Lernenden ihre Ideen auch selbst übertragen. Nach einer kurzen Besprechung wird die Leitfrage der Stunde abgeleitet: „Womit beschäftigen wir uns im Fach Geschichte?
Der Bilderteppich
Im Zentrum der Stunde steht die Arbeit mit einem Bilderteppich. Dieser sollte aus so vielen Bildern bestehen, dass alle Schülerinnen und Schüler ein eigenes Bild an sich nehmen können. Die Bilder, die aus Schulbüchern kopiert oder aus dem Internet heruntergeladen werden können, sollten sowohl die Themen der Jahrgangsstufe als auch weitere historische Schlüssel-ereignisse umfassen, darüber hinaus bietet es sich an, auch Ereignisse der näheren Vergangenheit einzubeziehen .
Die Spannbreite der visualisierten Themen führt den Lernenden die Vielfalt von Geschichte vor Augen, bahnt zugleich aber schon die Reflexion darüber an, was eigentlich alles Geschichte ist. Die Bilder werden zunächst ungeordnet auf dem Boden des Klassenzimmers ausgelegt.
Nach einer Phase des Umherlaufens und Betrachtens entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler jeweils für ein Bild und nehmen dieses an sich. Sie erhalten kurz Zeit, um sich näher mit ihrem Bild zu beschäftigen und mithilfe vorgegebener Fragen (M1 ) auf die Präsentation desselben vorzubereiten. Im Sitzkreis stellen sie ihre Bilder nacheinander vor wobei sich auch die Zuhörenden zu den Bildern äußern dürfen. Das Verfahren versetzt die Lernenden automatisch in eine Erzählhaltung. Zwar haben die Präsentationen und Gespräche zunächst einen explorativen, noch recht freien Charakter, führen aber unwillkürlich auch zu einem ersten Wissensaustausch.
Nach der Präsentationsphase dockt die Lehrperson an das natürliche Zeitverständnis der Schülerinnen und Schüler an und erteilt ihnen die Aufgabe, die Bilder in der richtigen chronologischen Reihenfolge auf dem Boden auszulegen. Die Aufgabe erfordert Teamarbeit und Kooperation und fundiert das Verständnis für basale zeitliche Kategorien. In der Gruppe sollen die Lernenden diskutieren, was sich wohl „vorher und was „später zugetragen hat. Die Zeitlichkeit von Geschichte und die Möglichkeit der chronologischen Ordnung der Vergangenheit werden so im diskursiven Austausch intuitiv erprobt und erfasst.
Eine kompetitive Ausrichtung des Verfahrens kann zusätzlich für Motivation sorgen. Die Lehrperson wettet gegen die Klasse: Sollte es dieser gemeinschaftlich gelingen, die Bilder (weitgehend) richtig anzuordnen, gewinnt sie als Preis eine Geschichtsstunde über ein Thema ihrer Wahl. In einem Auswertungsgespräch überprüft die Lehrperson die Anordnung der Bilder; dadurch schärft sich das Verständnis der Lernenden für den Gegenstand des neuen Fachs noch.
Dieses Verständnis soll in der folgenden Erarbeitungsphase durch einen Verfassertext (M3 ) konsolidiert werden. Sollten sich die Gespräche über Geschichte zeitlich zu sehr ausgeweitet haben, kann diese Unterrichtsphase auch in die...

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