5. – 6. Schuljahr

Michael Sauer

Heutigen Unterricht aus der Zukunft erforschen

Ein Gedankenexperiment

Bei diesem ‚Gedankenexperiment geht es um die Simulation eines Forschungsprozesses zu einem Thema, das den Schülerinnen und Schülern vertraut ist. Sie werden gebeten, sich in die Situation von Historikerinnen oder Historikern zu versetzen, die in 100 Jahren unseren heutigen Unterricht erforschen wollen. Anders als bei der üblichen Thematik im Sachunterricht der Grundschule („Schule früher, „Schule vor 100 Jahren) stehen nicht inhaltliche Aspekte im Zentrum, sondern methodische: Wie wäre diese Forschung zu realisieren, welche Erkenntnismöglichkeiten und -probleme könnte es dabei geben? Die Quellen, die genutzt werden können, stammen aus der Gegenwart der Schülerinnen und Schüler. Sie können deswegen einigermaßen gut ihren Quellenwert einschätzen: Was kann man zu welcher Frage woraus entnehmen, worüber erfährt man nichts, wo muss man Quellen kritisch hinterfragen?
Das „Forschungsvorhaben kann in vier Schritten umgesetzt werden
  • Entwicklung von Forschungsfragen (Einzel- oder Partnerarbeit)
  • Quellensuche (nur als Überlegung, nicht praktisch; Einzel- oder Partnerarbeit)
  • Prüfung des Quellenwerts einzelner Quellen (Einzel- oder Partnerarbeit)
  • Reflexion des Forschungsprozesses (Gespräch in der Klasse)
Mögliche Untersuchungsfragen
  • Welche Unterrichtsfächer gab es früher?
  • Was sollten Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Fächern lernen?
  • Wie waren Klassenräume gestaltet?
  • Wie saßen die Lernenden?
  • Wie lief der Unterricht ab?
  • Welche Materialien wurden für den Unterricht verwendet?
  • Wie sahen Klassenarbeiten aus?
  • Wie viele und was für Hausauf-gaben gab es?
  • Gab es Strafen?
Mögliche Quellen
  • Lehrpläne
  • Stundenpläne
  • Klassenbücher
  • Schulbücher
  • Schülerhefte
  • Klassenarbeitshefte
  • Internetseiten von Schulen
  • Aufzeichnungen von Lehrkräften
  • Erinnerungsschriften von Schülerinnen und Schülern
  • Artikel über Schulfragen in Zeitungen oder Fachzeitschriften
  • Fotografien
Prüfung des Quellenwerts
Aus Lehrplänen und Schulbüchern kann man nur entnehmen, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen und anhand welcher Materialien sie dies tun können. Über den Unterricht, wie er tatsächlich stattgefunden hat, erfahren wir daraus nichts. Einen Eindruck von den Ergebnissen des Unterrichts können uns Schülerhefte und Klassenarbeitshefte vermitteln. Fotografien können uns die Situation und die Atmosphäre zeigen, in der Unterricht stattgefunden hat. Die persönliche Sicht der Beteiligten kommt in Äußerungen von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern zum Vorschein. Internetseiten vermitteln eher einen allgemeinen Eindruck vom Selbstverständnis der Schule und präsentieren besondere Highlights des Schullebens. Artikel aus Zeitungen oder Fachzeitschriften können deutlich machen, über welche allgemeinen Probleme von Unterricht damals diskutiert wurde.
Reflexion
Die einzelnen Quellen eignen sich unterschiedlich gut für die Beantwortung der verschiedenen Forschungsfragen. Über die Rahmenbedingungen und die Materialien des Unterrichts bekommt man leichter etwas heraus als über dessen tatsächliche Durchführung. Eine gute Quelle dafür wären Videoaufnahmen, die es aber normalerweise nicht gibt. Erinnerungen von Lehrkräften oder Schülerinnen und Schülern sind durch eine bestimmte Perspektive geprägt; außerdem können sie durch viele Faktoren beeinflusst sein durch Vergessen oder Verdrängen, durch nachträgliche Rechtfertigung, durch Verklärung, aber auch durch das Einfließen späterer Erfahrungen und Kenntnisse.
Anleitung
Anleitung
  • Stell dir vor, du bist ein Historiker oder eine Historikerin im Jahr 2120. Du willst erforschen, wie Schuluntericht vor 100 Jahren ausgesehen hat.
  • Schreibe Forschungsfragen auf, die dich interessieren würden.
  • Erstelle eine Liste von Quellen, aus denen du etwas zu deinen Fragen erfahren könntest.
  • Prüfe genau, was du aus welcher Quelle erfahren oder nicht erfahren könntest.
  • Besprecht zusammenfassend, welche Schwierigkeiten es bei...

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