5. – 6. Schuljahr

Farhat Qarizada / Martin Krieger

Geschichte im Kreis?

Hinführung zur historischen Methode im Anfangsunterricht

Mithilfe eines altersangepassten ‚historischen Erkenntniszirkels (M1 ) können Schülerinnen und Schüler unterstützt werden, das methodische Zusammenspiel von historischen Fragen, Quellen und Darstellungen zu erfassen. Am Beispiel des Gegenstandes „(Alt)Steinzeit zeigt dieser Beitrag exemplarische Schritte, wie Schülerinnen und Schüler schon im Eingangsunterricht grundlegende Strukturen historischen Denkens und Arbeitens kennenlernen können.
Fragen formulieren
Der Einstieg in den ‚historischen Erkenntniszirkel erfolgt in der beschriebenen Unterrichtseinheit, indem die Schülerinnen und Schüler historische Fragen ausgehend vom Material formulieren. Die Lehrkraft teilt dazu Abbildungen (M2 ) zum Thema (Alt-)Steinzeit aus. Die Lernenden formulieren mithilfe der Arbeitsanweisungen Fragen an das Material und durchlaufen somit den ersten Schritt des Zirkels (von 1. „Wir haben ein Fundstück zu 2. „Wir formulieren eine interessante Fragestellung). Die Fragen lassen sich auf einer übergeordneten Ebene typisieren:
Konkrete inhaltliche Fragen, die unmittelbar an das Material anknüpfen (Fragekarte „Seltsame Objekte)
Anknüpfend an das Material weiterführende Fragen zum Material (Fragekarte „Malerei)
Bewertende Fragen und Fragen nach Konzepten, die die Schülerinnen und Schüler mit der eigenen Lebenswelt verknüpfen. (Zum Beispiel: Waren die Menschen in der Steinzeit Künstler?)
Die Fragen werden an der Tafel gesammelt und geclustert. Dadurch lassen sich Doppelungen vermeiden und einzelne Kategorien herausarbeiten, denen die Fragen zugeordnet werden können (Kleidung, Wohnen, Kunst und Werkzeuge/Waffen). Die Hauptaufgabe der Lehrkraft in dieser Phase besteht darin, die selbst entwickelten Fragen der Schülerinnen und Schüler zu würdigen und den Wert für die gemeinsame Frageentwicklung herauszustellen. Darüber hinaus soll zum Ende der Stunde eine übergeordnete Leitfrage gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt werden, die am Ende der Unterrichtsreihe beantwortet werden sollte. Die formulierten Fragen und die im Anschluss erstellten Kategorien können im Verlauf der Unterrichtsreihe zu Beginn der Stunde immer wieder als (in Teilen) problemorientierte Fragestellungen genutzt werden. Somit können die Schülerfragen zugleich als „roter Faden der Arbeit dienen. Zu diesem Zeitpunkt bietet es sich an, mit den Lernenden das weitere Vorgehen anzudenken und den Erkenntniszirkel vorzustellen.
Arbeiten mit Quellen
Um Antworten auf ihre Fragen zu finden, sollen die Schülerinnen und Schüler methodisch angeleitet mit historischen Quellen arbeiten, zuvor aber überlegen, welche der im Unterricht verfügbaren Quellen maßgeblich sein könnten, um Antworten zu finden. Auch bedarf es Arbeitsaufträgen, die die Ebene der Reflexion und den Bezug auf den historischen Erkenntniszirkel integrieren. Auf diese Weise erlernen die Schülerinnen und Schüler Strukturen historischen Arbeitens, indem sie sich umfassend mit einer Quelle befassen, die Antworten auf ihre eingangs gestellten Fragen oder auch auf die Leitfrage geben kann.
Die hier exemplarisch vorgestellten Arbeitsaufträge (vgl. M2) sind so aufgebaut, dass im ersten Schritt zunächst das Bild beschrieben und anschließend erläutert wird, somit fachmethodisches Arbeiten geübt wird. Im letzten Schritt wird dann reflektiert, an welcher Stelle des ‚historischen Erkenntniszirkels man sich befindet, also die methodische Metaebene angesteuert. Die Phase der Auswertung in diesem Kontext ist maßgeblich: Was kann ich aus den Quellen im Hinblick auf meine Frage erfahren? Sie dient nicht nur der Reflexion, sondern unterstreicht nochmals historisches Arbeiten, indem die Schülerinnen und Schüler abwägen, ob die Quellen sinnvolle Antworten auf die Leitfrage der Stunde und der Unterrichtsreihe geben oder nicht.
Quelle und Rekonstruktion
Im dritten exemplarischen Aspekt...

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