5. – 6. Schuljahr

Anna-Katharina Nolte

Eine Schatzkiste voller Quellen

Den zentralen Fachbegriff „Quelle im Anfangsunterricht Geschichte handlungsorientiert einführen

„Geschichte ist nicht direkt, sondern stets nur vermittelt wahrnehmbar. Grundsätzlich unterschieden werden [] Quellen und Darstellungen: Die einen sind Hinterlassenschaften, die uns Aufschlüsse über eine vergangene Zeit geben können; die anderen sind Beschreibungen und Deutungen dieser Zeit aus späterer Sicht.(Sauer 2008, S.185)
Der Fachbegriff ‚Quelle ist im Fach Geschichte zentral, wie es der Zahlbegriff im Fach Mathematik ist. Die Zielkompetenz, das historische Denken, kann ohne einen durchdrungenen Quellenbegriff nicht erreicht werden. Natürlich darf im Anfangsunterricht nicht sofort erwartet werden, dass Kinder im Alter von zehn Jahren Quellen differenziert und in den historischen Kontext eingebettet auswerten können. Ziel sollte es vielmehr sein, ein grundlegendes Verständnis für Quellen und ihre Aussagekraft sowie die großen Quellengattungen im Anfangsunterricht anzubahnen.
Mit dieser Zielperspektive kann, dem kindlichen Entdeckergeist entsprechend, mit einer Schatzkiste gearbeitet werden, in der Quellen aus dem biografischen Kontext der Lehrperson zu finden sind. Mit einer kleinen Erzählung, wie man diese Kiste auf dem Dachboden gefunden habe und den Inhalt entdecken möchte, kann diese „Schatzkiste inszeniert werden. Mit den exemplarischen Quellen können die Schülerinnen und Schüler beispielsweise ein (von der Lehrkraft mitgebrachtes) Einschulungsfoto oder DM-Münzen entdecken und diese Quellen mit dem AB1 näher erkunden. Somit kann die Lerngruppe einerseits eine vertrauensvolle Bindung zur Lehrkraft aufbauen und andererseits den Quellenbegriff an realen Beispielen kennenlernen.
In der kurzen Geschichtserzählung von Leonie, Boris und deren Großmutter, die als junge Frau Geschichte studiert hat, wird den Schülerinnen und Schülern der Quellenbegriff erklärt, damit die Reflexionsebene bezüglich eines Begriffs, der nicht nur den Ursprung eines Gewässers bezeichnet, einsetzen kann. Indem sich die Schülerinnen und Schüler entsprechend dem Grundschritt des kooperativen Lernens zunächst in Einzelarbeit und dann mit einem Lernpartner mit dem Quellenfragebogen auseinandersetzen, können weitere Eigenschaften von Quellen, wie beispielsweise die Einteilung der Großgattungen, induktiv abgeleitet werden. Außerdem können mit diesem Quellenfragebogen erste Überlegungen darüber angestellt werden, was die jeweilige Quelle erzählt und was sie verschweigt, damit eine erste Reflexion des Aussagegehaltes einer Quelle erfolgt. Daran schließt die ludisch-kreative Aufgabe an, ein solches Quiz zu mindestens einer weiteren Quelle für die Mitschülerinnen und Mitschüler anzufertigen, das in der anschließenden Ergebnissicherungsphase, in welcher der Quellenbegriff als Definition schriftlich und verbindlich gesichert werden sollte, durch seinen kompetitiven Charakter zu einer hohen kognitiven Aktivierung der Schülerinnen und Schüler führen kann. Um Geschichte individuell erlebbar und persönlicher zu machen, könnten die Schülerinnen und Schüler beauftragt werden, eigene Sachquellen mitzubringen, um diese ebenfalls zu sortieren und zu untersuchen. Hier könnte ein Objektinterview angeschlossen werden, wie es Birgit Wenzel (Wenzel 2014, S. 182/183) vorschlägt.
Eine solche Quellenkiste kann leicht mit eigenen Quellen, gegebenenfalls auch jenen der Lernenden, zusammengestellt werden. Die entdeckende Beschäftigung mit Geschichte in Form von haptisch greifbaren Gegenständen wirkt auf die Schülerinnen und Schüler sehr motivierend und kann somit nachhaltig ein intrinsisch motiviertes Interesse für das sonst abstrakte Denkfach Geschichte erzeugen.
Literatur
Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. Seelze 8. Aufl., 2009.
Wenzel, Birgit: Kreative und innovative Methoden. Geschichtsunterricht einmal anders. Schwalbach 5....

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