6. – 13. Schuljahr

Marco Dräger

Wie der Schlüssel der Bastille in die USA kam

Zum Zusammenhang von Amerikanischer und Französischer Revolution

Amerikanische und Französische Revolution: der Zusammenhang
Der Zusammenhang von Amerikanischer und Französischer Revolution wird in den meisten Lehrbüchern eher stiefmütterlich behandelt. Der Transfer von europäischen Ideen der Aufklärung nach Nordamerika und der Rücktransport der dort erstmals umgesetzten Vorstellungen werden kaum bis gar nicht explizit thematisiert. In den meisten Lehrplänen werden zwar beide Revolutionen als gleichwertig angesehen, jedoch wird diese Intention durch viele Schulbücher konterkariert, die traditionell einen Schwerpunkt auf die Französische Revolution setzen.
Dabei wird die Verflechtung beider Ereignisse schon an den beteiligten Personen deutlich: Man mag an John Adams, Benjamin Franklin und Thomas Jefferson denken, die in Paris als amerikanische Gesandte und Unterhändler agierten, oder an den englischen Agitator Thomas Paine, der sich nach dem publizistischen Erfolg seiner Streitschrift „Common Sense (1776) in Nordamerika fortan Frankreich zuwandte.
Am berühmtesten ist aber sicherlich der Marquis de Lafayette (mit vollem Namen Marie-Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier, Marquis de Lafayette). In seiner Eigenschaft als Kommandeur der Nationalgarde schenkte er 1790 dem ersten Präsidenten der USA den Schlüssel zur Bastille, der bis heute auf George Washingtons Landgut Mount Vernon aufbewahrt und ausgestellt wird. Am Beispiel dieses Schlüssels und der Biographie Lafayettes soll den Schülerinnen und Schülern die Verbindung von Amerikanischer und Französischer Revolution bewusst gemacht werden.
Didaktische Überlegungen
Der personelle Austausch zwischen den beiden Revolutionen soll am Beispiel der Biographie Lafayettes, des „Helden zweier Welten (Gerste 2013), exemplarisch erarbeitet werden. Seine Rolle zwischen beiden Welten, als prominenter Protagonist dies- und jenseits des Atlantiks, ist in den letzten circa 20 Jahren ausführlich erforscht worden.
Der Zeitpunkt, an dem der vorliegende Beitrag im Unterricht eingesetzt werden kann, ist dabei flexibel. Sicherlich eignet sich der Sturm auf die Bastille als thematischer Anknüpfungspunkt. Genauso passend ist auch der Beginn der Unterrichtseinheit zur Französischen Revolution, um Neugier zu wecken und während des gesamten folgenden Unterrichts die Aufmerksamkeit für Zusammenhänge zwischen beiden Ereignissen zu schärfen. Alternativ kann der Unterrichtsvorschlag am Ende der Einheit eingesetzt werden, um rückblickend die Verflechtungen zusammenzufassen.
Behandelt man den Schlüssel zu Beginn, sind freilich weitere Informationen zur Bastille und deren symbolischer Bedeutung nötig, da die Lernenden über keinerlei Vorwissen verfügen.
Die biographische Methode
Ein derartig personalisierter, biographischer Zugang zur transatlantischen Verflechtungsgeschichte anhand eines geschichtsmächtigen Individuums führt Strukturen und deren Veränderung auf menschliches Handeln zurück; Antriebskräfte für historischen Wandel werden deutlich. Des Weiteren ist die biographische Methode konkret und anschaulich. Ferner bildet sie mit der Überschaubarkeit eines einzelnen Menschenlebens ein Gegengewicht zur Komplexität der damaligen Ereignisse, indem sie zwar einen längeren Zeitabschnitt in den Blick nimmt, aber diesen speziell auf eine Person fokussiert.
Unterrichtsdramaturgie
Arbeitsaufträge
Arbeitsaufträge
1. Arbeite Lafayettes Lebenslauf aus dem biographischen Porträt heraus. Nutze zur Sicherung deiner Ergebnisse die Zeitleiste (Material 3).
2. Erkläre, wie der Schlüssel zur Bastille in die USA gekommen ist.
Lafayette schenkte in seiner Eigenschaft als Kommandant der Nationalgarde im Jahr 1790 den Schlüssel seinem Freund und Ziehvater, dem ersten US-amerikanischen Präsidenten George Washington.
3. Recherchiere in deinem Geschichtsbuch oder im Internet
a)nach weiteren Personen, die sowohl in der Amerikanischen als...

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