5. – 13. Schuljahr

Christiane Grüner

„Soweit es die Natur zulässt

Frauen die Verliererinnen der Französischen Revolution?

Die vorliegenden Textausschnitte sind entnommen aus: „Die Französische Revolution oder der Preis der Freiheit von Harald Parigger. Erzählt wird die Geschichte von Antoine und Jeanette, eines Dieners und eines Küchenmädchens, die zur Zeit der Französischen Revolution beim General und Politiker Marquis de Lafayette beschäftigt sind. Zum Personal zählt auch Madame Farouche, die als Haushälterin tätig ist.
Vorschläge für Arbeitsaufträge
Vorschläge für Arbeitsaufträge
Leitfrage: Frauen die Verliererinnen der Französischen Revolution?
  • Lest zunächst den Text und charakterisiert die Haltung des Marquis de Lafayette und die seines Dieners Antoine.
  • Versucht für das Denken und die Haltung der beiden jeweils Gründe und Motive zu finden.
  • Bildet zwei Gruppen:
  • eine recherchiert den Inhalt der Menschen- und Bürgerrechtserklärung vom 26. August 1789 und überlegt, welche Artikel ihrer Meinung von entscheidender Bedeutung sind.
  • die andere informiert sich über die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin vom September 1791, verfasst von Olympe de Gouges, und über deren Biografie.
  • Tauscht eure Ergebnisse im Plenum aus.
  • Die Frauen hatten wesentlichen Anteil an der Revolution. Mit dem „Zug der Marktweiber zum Beispiel holten sie den König zurück nach Paris. Verängstigt und irritiert verboten die Männer jedoch 1793 ihre Clubs. Diskutiert, ob die Frauen deshalb als Verliererinnen der Revolution zu sehen sind.
Material 1
Nach der Erklärung der Menschenrechte kommt es zu einem Gespräch zwischen Lafayette und seinem Bediensteten Antoine.
In einer Nacht aber, am 26.August, empfing ihn Lafayette nicht abgespannt und unruhig wie sonst, sondern aufgekratzt, in fast euphorischer Stimmung. „Hör mir zu Antoine, alter Freund, heute hat die Nationalversammlung etwas ungeheuer Wichtiges beschlossen: Von heute an sind alle Menschen frei und haben dieselben Rechte! Es gibt keine Untertanen mehr, nur noch freie Bürger!
Antoine wollte es nicht glauben. „Wie kann das sein, Monsieur le Marquis? Sie sind mein Herr, ich bin ihr Diener! Sie bewohnen ein Palais, das Ihnen gehört, ich habe eine Kammer, die ich dank Ihrer Freundlichkeit benutzen darf. Sie waren Offizier, treffen wichtige Entscheidungen, tragen Verantwortung, ich führe nur das aus, was Sie mir befehlen. Wie können wir da gleich sein! „Nein, nein, Antoine, du verstehst das falsch! Der Marquis winkte ungeduldig ab. „Natürlich wird es immer Unterschiede zwischen den Menschen geben, es wird reiche und arme geben, gebildete und ungebildete. Aber im Prinzip, verstehst du, im Prinzip sind alle gleich, das bedeutet, es gibt nicht Herren und Sklaven, nicht einen König von Gottes Gnaden und Untertanen, die ihm auf Leben und Tod gehorchen müssen. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Adligen und Nichtadligen, alle müssen Steuern zahlen, alle können Eigentum erwerben. Antoine verstand immer noch nicht ganz, was die Erklärung der Nationalversammlung für ihn, den Leibdiener des Marquis de Lafayette, ändern würde, ihm fehlte es ja an nichts. Aber was war mit den bettelarmen Kindern, solchen wie denen, denen er neulich zu essen gegeben hatte? Konnten die jetzt Hoffnung schöpfen, dass sich für sie etwas verbesserte? Instinktiv wusste er, dass der Marquis dafür die Antwort schuldig bleiben würde. Aber etwas anderes konnte er ihn fragen „Monsieur le Marquis, und was ist mit Madame Farouche und Jeanette? Sind die auch frei und gleich ab heute? Der Marquis wiegte den Kopf. „Eigentlich schon, aber nur, soweit die Natur es zulässt. Für viele Dinge sind die Frauen nun einmal von Natur aus nicht geeignet und in diesen Fällen kann man ihnen auch nicht dieselben Rechte einräumen wie den Männern, in allen entscheidenden Angelegenheiten müssen die Männer den Vorrang haben. Stell dir nur vor, wie es sonst in der Welt aussähe!
Antoine nickte. Ja, das leuchtete ihm ein. So war es...

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