11. – 13. Schuljahr

Christina Templin

Menschenrechte damals und heute

Ein Science Slam über die Menschenrechtsidee in Geschichte und Gegenwart

Die Unterrichtseinheit thematisiert eine Auseinandersetzung mit dem Kampf um Menschenrechte in Geschichte und Gegenwart. Ausgehend von der Menschenrechtserklärung von 1789, positionieren sich die Lernenden im Rahmen eines Science Slams zur Bedeutung dieses Kampfes, indem sie dessen historische und aktuelle Ausgestaltung vergleichend bewerten.
Die Menschenrechtsidee
Die Menschenrechtsidee hat eine lange und vor allem brüchige Geschichte, die bis in unsere Gegenwart hineinreicht. Die von der französischen Nationalversammlung verkündete „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 ist zwar nur ein Dokument in dieser anhaltenden Historie, jedoch neben der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ein besonders wichtiges. Dies hat mehrere Gründe:
  • Die erklärten Rechte sollten für alle männlichen Menschen gelten.
  • Die Erklärung entfaltete eine große Wirkungsmacht mit Blick auf andere Teile Europas, in denen sie als Vorbild diente (Patzelt, 2008, S. 3; Hermann, 2007).
  • Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die UNO im Jahr 1948 steht in der Tradition der Erklärung von 1789. Als Ausdruck einer nach dem Zweiten Weltkrieg befeuerten Diskussion über Menschenrechte auf globaler Ebene definiert sie diese Rechte als identitätsstiftenden Überbau einer nationenübergreifenden Gemeinschaft.
Trotz dieser und anderer Errungenschaften wie die sich anschließenden Menschenrechtskonventionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bleibt die Durchsetzung von Menschenrechten in vielen Teilen der Welt prekär (Patzelt, 2008, S. 5) und der Kampf um diese Rechte aktueller denn je.
Didaktische Überlegungen
Diese Aktualität rechtfertigt neben curricularen Vorgaben für die Oberstufe (siehe z.B. Hess. Kultusministerium, 2016, S. 23) die Beschäftigung mit der Menschenrechtsidee in Geschichte und Gegenwart, denn sie trägt einem zentralen Prinzip des Geschichtsunterrichts Rechnung: dem Gegenwartsbezug (Sauer, 2015; Bergmann, 2012).
Eine Beschäftigung mit dem Thema „Kampf um Menschenrechte an historischen und aktuellen Beispielen eröffnet den Lernenden, dass Geschichte und Gegenwart in mehrfacher Hinsicht aufeinander bezogen sind. So fördert diese Auseinandersetzung einerseits die Erkenntnis einer langen und historisch gewachsenen Tradition des gegenwärtigen Kampfes um Menschenrechte. Die Vergangenheit ist somit zugleich „Vorgeschichte und Bedingung von Gegenwart (Hess. Kultusministerium, 2016, S. 10).
Zum anderen können die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Menschenrechte damals und auch heute keine gesicherten Güter waren bzw. sind. Wie die historischen Akteure damals müssen auch wir heute um ihre Durchsetzung und Sicherung ringen, selbst in Deutschland. Das Wissen um diesen Kampf ist für die Lernenden als Gestalter der Zukunft lebensweltlich bedeutsam. Durch eine Beschäftigung mit der Thematik können sie sich im Sinne einer Werturteilskompetenz schließlich darin üben, historische und aktuelle Phänomene vergleichend zu bewerten und auf dieser Basis Beurteilungsmaßstäbe und Handlungsalternativen für Gegenwart und Zukunft zu entwickeln (Hess. Kultusministerium, 2016, S. 20).
Science Slam als Methode für den Geschichtsunterricht
Im Lernarrangement sollen sich die Schülerinnen und Schüler in Form eines Science Slams zur Bedeutung des Menschenrechtskampfes positionieren.
Die von den Poetry Slams des Literaturbetriebs inspirierten Science Slams erfreuen sich seit einigen Jahren in den Universitätslandschaften großer Beliebtheit. Science Slams sind unter Anleitung von Moderatoren geführte Wettkämpfe von Wissenschaftlern, bei denen wissenschaftliche Themen einem (fachfremden) Publikum in wenigen Minuten auf verständliche und unterhaltsame Art präsentiert werden. Ziel ist es, das Publikum sowohl zu informieren als auch zu begeistern. Hierbei treten jeweils zwei oder mehr...

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