5. – 13. Schuljahr

Miriam Litten-Likus

Filme mit interaktiven didaktischen Materialien analysieren

Historisch-politische Filmbildungspakete auf dem Niedersächsischen Bildungsserver

Geschichtsunterricht lebendig gestalten? Auf den ersten Blick nichts leichter als das: einfach einen Film einlegen und die Vergangenheit in wirkungsmächtigen Bildern über die Mattscheibe flimmern lassen! Die Schülerinnen und Schüler lernen ihre Geschichtslektion und haben sogar noch Spaß dabei.
Aber Vorsicht: Die filmische Darstellung wird häufig für die historische Realität gehalten. Denn die bewegten und vertonten Bilder kommen der sinnlichen Wirklichkeitserfahrung sehr nahe, wodurch sie das historische Bewusstsein stark prägen. Dagegen bleiben die üblichen Quellenanalysen blass. Nicht nur Lernende, sondern auch Lehrkräfte halten Filme daher für geeignet, ein authentisches Abbild der historischen Realität zu vermitteln. Dabei wird oft verkannt, dass hier Geschichtsbilder geschaffen werden, die ästhetischen, dramaturgischen und ökonomischen Kriterien unterworfen sind.
Doch Filme aus dem Geschichtsunterricht zu verbannen, kann keine Lösung sein. Im Gegenteil: Gerade weil wir in unserer Gesellschaft von filmischen Geschichtsdarstellungen umgeben sind, ist es entscheidend, Schülerinnen und Schüler für die Wirkungsmechanismen der historischen Spiel- und Dokumentarfilme zu sensibilisieren. Die hier zum Ausdruck kommenden Geschichtsbilder müssen analysiert werden. Dafür bietet sich jedes Filmgenre als Quelle an: Neben historischen Spielfilmen, die in der Vergangenheit produziert worden sind, und Geschichtsfilmen, die ein historisches Thema in Szene setzen, müssen auch Dokumentarfilme und Doku-Dramen einer kritischen Analyse unterzogen werden. Der Niedersächsische Bildungsserver (NiBis) hilft mit einem preisgekrönten interaktiven Angebot dabei, Filme reflektiert und in ihrem historischen sowie geschichtskulturellen Kontext zu untersuchen.
Die Angebote des NLQ
Das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) bietet mit den historisch-politischen Filmbildungspaketen frei zugängliche Materialien an, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Filme mithilfe interaktiver Arbeitsblätter selbstständig zu analysieren. Im Zentrum eines jeden Pakets steht ein Film, der wie der Geschichtsspielfilm „Luther (2003) ebenso wie der Dokumenatfilm „Cato (2010) über die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek auf Merlin abrufbar ist. Im Fall des pädagogischen Kurzspielfilms „Stadtmeier und Landmeier (1947) zur Schwarzmarktproblematik, den zwei kurzen Wochenschauen zur „Währungsreform (1948) und dem Dokumentarfilm „Asyl (1948/49) zur Flüchtlingssituation in der Britischen Besatzungszone handelt es sich um Filmdokumente, die direkt vom NiBis abspielbar sind. Die Filme werden begleitet von PC- und Tablet-geeigneten Arbeitsblättern, die entweder heruntergeladen oder im Online-Modus bearbeitet werden können.
Die historisch-kritische Filmanalyse
Im Gegensatz zur Filmanalyse im Literaturunterricht umfasst die historisch-kritische Filmanalyse nach dem Modell des Medienwissenschaftlers Helmut Korte vier Realitätsebenen: Auf der Ebene der Filmrealität werden filmsprachliche Ausdrucksmittel wie Kameraführung und Schnitt, Dramaturgie und Filmmusik sowie die handelnden Personen analysiert und die auf diese Weise erzielten inhaltlichen Aussagen ermittelt. Auf der Ebene der Bedingungsrealität wird der Produktionskontext betrachtet. Dazu gehören neben der historisch-gesellschaftlichen Situation, die zur Entstehung des Filmes beigetragen hat, auch der Stand der Filmtechnik, die mit der Auswahl des Regisseurs und der Darsteller verbundenen (kommerziellen) Entscheidungen sowie die Finanzierung des Films. Auf der Ebene der Bezugsrealität wird die im Film dargestellte inhaltliche und historische Problematik thematisiert. Dabei können Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen der filmischen Darstellung und der historischen Realität ermittelt werden. Auf der Ebene der Wirkungsrealität schließlich wird ebenso die Wirkung des Films auf das Publikum und seine Rezeption durch die Kritik analysiert wie die Wirkungsabsichten der Hersteller....

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen