5. – 13. Schuljahr

Björn Onken

Die Französische Revolution

Geschichte und Gegenwartsbezüge

Die „Werte der Französischen Revolution seien auch die Werte der Bundesrepublik Deutschland, sagte Bundespräsident Joachim Gauck angesichts eines islamistischen Terroranschlags in Nizza am 14. Juli 2016 in einer Kondolenzbotschaft an den französischen Präsidenten (vgl. Stuttgarter Nachrichten 2016). Diese grundlegende Bedeutung der Französischen Revolution für die Werteordnung Deutschlands im 21. Jahrhundert macht die Ereignisse des späten 18. Jahrhunderts in Frankreich zu einem Kernanliegen des Geschichtsunterrichts. Es soll Schülerinnen und Schüler in Deutschland ermöglichen, historische Wurzeln des Wertesystems ihres Landes aufzudecken und damit Ursachenzusammenhänge zwischen 1789 und ihrer Gegenwart zu erkennen.
Das Jahrzehnt der Französischen Revolution von 1789 – 1799 brachte aber nicht nur Vorstellungen hervor, die dem Grundgesetz nahestehen. In einem „Laboratorium der Moderne (Thamer 2013, 7) diskutierten und erprobten die Franzosen in den Revolutionsjahren verschiedene politische Systeme, die im 19. und 20. Jahrhundert große Bedeutung erlangen sollten. Die Beschäftigung mit diesem Spektrum politischen Denkens und Handelns ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, Gegenwartsbezüge mit Sinnzusammenhängen (Bergmann 2011, 105) herzustellen und auf diese Weise ihr eigenes politisches Bewusstsein zu schärfen.
Schließlich zeigt das einleitende Zitat des Bundespräsidenten, dass die Französische Revolution für die Geschichtskultur wichtig ist. Bezüge zu den Ereignissen sind in der deutschen Öffentlichkeit immer wieder zu finden. Der 200. Jahrestag der Revolution fand abgesehen von Frankreich selbst – nirgends so viel Beachtung wie in Deutschland (Thamer 1990, 551). Besonders aber in der heutigen französischen Republik ist die Erinnerung an die Revolution präsent. Seit 1880 ist die Devise „Liberté, Egalité, Fraternité an allen öffentlichen Gebäuden anzubringen und seit 2002 auf den Euromünzen zu finden. Dabei fand dieses berühmte Leitbild in der Revolutionszeit noch gar nicht viel Beachtung. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es zunehmend als geeignete Zusammenfassung der Werte der Revolution empfunden (Ozouf 2005). Dies zeigt, wie stark die Wahrnehmung von historischen Ereignissen von den Kontexten und der Erinnerungskultur des Betrachters beeinflusst wird (Günther-Arndt 1997). Es ist zu bedenken, dass vieles, was mit der Französischen Revolution in Verbindung gebracht wird, 1789 – 1799 noch nicht für alle Zeit durchgesetzt worden ist. Außerdem ist vieles nicht 1789 erfunden worden, sondern aus älteren Anfängen hervorgegangen. Trotz der nachfolgenden Monarchien von Napoleon und Ludwig XVIII. erwies es sich aber als unmöglich, die Erinnerung an die Revolution auszulöschen und so hat sie das Tor für künftige Entwicklungen im Sinne der Revolutionäre so weit aufgestoßen, dass es nie wieder geschlossen werden konnte.
Im Folgenden sollen die Ereignisse aus der ersten Phase der Revolution 1789 und damit verbundene Ursachenzusammenhänge näher erläutert werden, während sich der zweite Teil dieses Basisartikels späteren Entwicklungen der Revolution 1791 – 1794 und damit verbundenen Gegenwartsbezügen in der Form von Sinnzusammenhängen widmet. Schließlich werden die Beiträge des Heftes, die sich den zuvor genannten Ursachenzusammenhängen, Sinnzusammenhängen und Aspekten der Geschichtskultur widmen, näher vorgestellt.
Ursachenzusammenhänge die Ereignisse und „Ideen von 1789
Wenn man sich Gegenwartsbezügen der Französischen Revolution in der Form von Ursachenzusammenhängen zuwendet, so werden insbesondere die Menschenrechte, die Volkssouveränität und der Machtverlust der Kirche mit der Revolutionszeit in Verbindung gebracht. In der politischen Kultur wird für die Französische Revolution eine enorme Ausweitung der aktiv an der politischen Auseinandersetzung beteiligten Bevölkerungsgruppen, sowie ein...

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