11. – 13. Schuljahr

Thomas Schulte

„Blutvergießen für große Ideen

Ist die „Terreur der Jakobiner Folge einer revolutionären Ideologie? Eine aspektgeleitete Analyse historischer Darstellungen

Die Französische Revolution wird in der gymnasialen Oberstufe häufig, so etwa im nordrhein-westfälischen Kernlehrplan Sek. II, in Bezug auf die Genese und Reichweite der Menschen- und Bürgerrechte thematisiert. In diesem Zusammenhang wird sie, bezogen auf die verfassungsmäßige Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte, in der Geschichte Europas als Bezugspunkt auch der eigenen Mentalitäts- und Geistesgeschichte gedeutet.
Der französische Nationalfeiertag, der an den Sturm auf die Bastille erinnert, ist nur ein Beispiel für die traditionsbildende Deutung der Französischen Revolution. Diesem insgesamt positiv konnotierten Bild der Revolution stehen jedoch Tausende von Opfern des Terrors der sogenannten Terreur auf dem Höhepunkt der Jakobinerherrschaft 1793 bis 1794 entgegen. Jede historische Darstellung zur Geschichte der Französischen Revolution muss sich zu diesem Widerspruch verhalten.
Die Auseinandersetzung um die Frage, warum die Französische Revolution diese Entwicklung nahm, war innerhalb der Historikerinnen- und Historikerschaft bis in die 1980er-Jahre geprägt von Ideologie und politischer Standortgebundenheit. Die eher sozialistische Geschichtsschreibung sah die Terreur: „als in ihrem Kern [ein] Instrument zur Verteidigung der Nation und der Revolution gegen die Rebellen und Verräter. (Soubol 1973) Die liberalen Historiker sahen hingegen den, späteren Terror der Jakobiner schon in der Revolution angelegt: „In Wahrheit gehört die Schreckensherrschaft zur revolutionären Ideologie (Furet 1980). Neuere Deutungen widersprechen dieser Sichtweise zumeist, etwa Axel Kuhn: Die Terreur präsentiert sich nicht als Verwirklichung lange vorgedachter Theorien und Pläne (Kuhn 2004). Für die Beurteilung der Terreur sollen die Schülerinnen und Schüler daher unterschiedliche Darstellungen in Bezug auf den Aspekt der „Ideologie hin untersuchen und vergleichen.
Die „Grande Terreur als Thema im Unterricht
Spätestens seit der Hinrichtung Ludwig des XVI. und den darauffolgenden Kriegserklärungen durch weitere europäische Mächte, geriet die Revolution zunehmend unter Druck. Ereignisgeschichtlich lässt sich ein Bündel von Faktoren aufzeigen, die als Ursachen für die spätere Radikalisierung benannt werden können. Unter anderem etwa die internen Machtkämpfe zwischen Girondisten und der Bergpartei, die nun auf die Unterstützung der revolutionären Massen setzte, oder den konterrevolutionären Aufständen in der Vendée. Der Terror als „Ausfluss der Tugend wird für Robespierre das Mittel zur Rettung der Revolution.
Spätestens der vom Nationalkonvent eingerichtete sogenannte „Wohlfahrtsausschuss, der, mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, ab dem 10.10.1793 quasi de facto die Regierung bildete, führte so zur organisierten Schreckensherrschaft der Jakobiner. Mit dem „Gesetz über die Verdächtigen (17.9.1793) wird die Grundlage für willkürliche Verhaftungen und Todesurteile geschaffen. Die Guillotine, welche die Umsetzung der Todesstrafe effizienter und weniger brutal gestalten sollte, wurde so zum neuen Symbol einer Revolution, von dessen Praktiken sich auch viele deutsche Geistesgrößen wie Friedrich Schiller, nach anfänglicher Euphorie über die Ziele der Revolution, nun mit Grausen abwandten.
Am Ende kostete die „Grande Terreur Zehntausenden von Franzosen das Leben, unter ihnen die Protagonisten der Schreckensherrschaft, Robespierre, Saint-Just und weitere Vertreter der Bergpartei selbst. Der deutsche Dichter Georg Büchner lässt im Jahre 1835 in seinem Drama „Dantons Tod diesen später sagen: „Ich weiß wohl, die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.
Didaktische Überlegungen
In diesem Unterrichtsvorschlag soll es nicht mehr, wie lange Zeit üblich, darum gehen, von den Schülerinnen und Schülern die Frage...

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